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Förderung von Grundkompetenzen: Damit ein Problem sich nicht vererbt

13/12/2016

Gemäss der aktuellen Pisa-Studie weisen zahlreiche Schweizer Jugendliche markante Leseschwächen auf. Werden diese nicht behoben, setzt sich das Problem ins Erwachsenenalter fort. Doch bereits heute sind zahlreiche Erwachsene von mangelnden Grundkompetenzen betroffen. Der SVEB setzt sich dafür ein, einen gefährlichen Teufelskreis zu durchbrechen.
 
Die Pisa-Studie der OECD ist ein internationaler Vergleich von Schülerleistungen in unterschiedlichen Fächern. Im Jahr 2000 erstmals durchgeführt erscheint sie alle drei Jahre und erhitzt regelmässig die Gemüter. So auch bei ihrem letzten Erscheinen Anfang Dezember. Während der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) die Methodik kritisiert, Bildungspolitiker die Resultate in Zweifel ziehen, haben die Medien vor allem einen Punkt aufgegriffen: Die Leseschwäche der 15-Jährigen.

Nicht nur ein Problem unter Jugendlichen
Tatsächlich liegt die Lesefähigkeit der Schweizer 15-Jährigen gerade einmal im OECD-Durchschnitt. Ein Fünftel der getesteten Schülerinnen und Schülern bekundeten Mühe, einen einfachen Text zu verstehen. Die Schreib- und Leseschwächen innerhalb der Schweizer Bevölkerung sind jedoch kein neues Phänomen und längst nicht nur auf Jugendliche beschränkt. Ältere Studien bezifferten die Zahl der betroffenen Erwachsenen schon vor einigen Jahren mit rund 800'000 Personen. Die Jugendlichen von heute sind die Erwachsenen von morgen und tragen allfällige Lese- und Schreibschwächen mit bis ins Berufsleben.

Das Problem ist keine Petitesse und muss angegangen werden: In der Grundschule – aber auch in der Erwachsenenbildung. Es wäre fatal, sich damit zufrieden zu geben, dass Schweizer Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragend sind. Ebenso fatal wäre es, mangelnde Grundkompetenzen unter Erwachsenen nur bei Personen mit Mitgrationshintergrund zu vermuten. 

Was der Roboter nicht kann
Es ist kein Geheimnis, dass sich die Arbeitswelt weiterhin wandelt und Berufe, welche keine Grundkompetenzen voraussetzen, am Aussterben sind. Was zukünftig von Berufstätigen erwartet wird, sind Fähigkeiten, die Computer und Roboter nicht besser können als Menschen. Und diese sind in erster Linie sprachlicher und kreativer Natur, betreffen Interpretationsfähigkeit und Vorstellungsvermögen.

Lassen wir uns auch nicht von der Digitalisierung blenden. Ein Programm zu schreiben, bedeutet nicht, Rechenaufgaben zu lösen, sondern Codes zu schreiben. Doch was sind Codes anderes als Sprache? Die Vorstellung des Nerds, der im stillen Kämmerlein vor sich hin programmiert, muss man ebenso vergessen. Zukünftiges Arbeiten wird deutlich stärker kollaborativ ausgerichtet sein, was voraussetzt, dass man sich verständigen kann und den andern auch versteht – dies nicht allein in seiner Muttersprache.

SVEB ist aktiv
Der SVEB ist sich dieser Entwicklungen bewusst und gestaltet seine Programme entsprechend aus. Er setzt auf Sensibilisierung sowohl der Bevölkerung, wie auch der Politik und der Arbeitgeber. Nicht zuletzt an ihnen ist es, Massnahmen zu ergreifen, um ihre Arbeitnehmenden weiterzubilden, damit ihre Unternehmen letztlich weiterhin konkurrenzfähig bleiben.

Der SVEB hat dazu auch konkrete Instrumente geschaffen, wie das Programm «GO» zur Planung und Durchführung von arbeitsplatzorientierten Bildungsmassnahmen. Auf der Seite www.weiterbildung-in-kmu.ch wiederum stellt er einen Leitfaden für Weiterbildung in Unternehmen zur Verfügung einschliesslich eines Weiterbildungs-Checks.

Weiterbildungsgesetz bietet Chancen
Eine Chance zur Stärkung der Grundkompetenzen bietet auch das Weiterbildungsgesetz, das am 1. Januar 2017 in Kraft tritt. Mit seinem Präsidenten Matthias Aebischer und unter Führung von Direktor Bernhard Grämiger wird der SVEB die Umsetzung des Gesetzes genau beobachten und weiterhin auf die Stakeholder einwirken. Die Förderung der Grundkompetenzen bei Erwachsenen erscheint just im Lichte der Pisa-Studie dringlicher denn je, stammen viele leseschwache Jugendliche doch oftmals aus Familien, in denen Lesen und Schreiben keinen grossen Stellenwert einnehmen. Eine Förderung der Grundkompetenzen bei Erwachsenen bedeutet denn zu verhindern, dass sich ein Problem vererbt.

Ronald Schenkel, Leiter Kommunikation

ronald.schenkel@alice.ch