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Arbeit dank Bildung - Weiterbildungsoffensive für Personen in der Sozialhilfe

  • 14.01.2018

75'000 Erwachsene in der Sozialhilfe haben eine Chance zur beruflichen Integration, sofern sie sich gezielt weiterbilden können. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) lancieren deshalb eine Weiterbildungsoffensive mit dem Ziel den Betroffenen den Weg in den Arbeitsmarkt zu öffnen.

2016 waren in der Schweiz 273‘000 Personen auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen. Rund zwei Drittel davon sind Erwachsene, die Hälfte davon, hat keinen Berufsabschluss. Fast 30 Prozent der Sozialhilfebeziehenden haben Schwierigkeiten mit den Grundkompetenzen, wie Lesen und Schreiben, oder mit dem Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien.

Eine Chance für 40 Prozent

Mit geeigneten Bildungsmassnahmen kann ein Teil der Sozialhilfebeziehenden nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Damit können auch Kosten gespart werden. Geschätzt wird, dass rund 40 Prozent der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden die nötigen Voraussetzungen und die entsprechende Motivation mitbringen. Das sind schweizweit rund 75'000 Personen. Sie erhalten jedoch nur eine Chance, wenn  diese ihre Bildungsdefizite gezielt aufarbeiten können. Gemeinsam lancieren deshalb die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) eine Weiterbildungsoffensive. "Diese ist im Grunde ein Sparprogramm", betont SVEB-Präsident Matthias Aebischer.

Individuelle Voraussetzungen

Ziel der Weiterbildungsoffensive ist es, Bezügerinnen und Bezügern von Sozialhilfe ohne genügende Grundkompetenzen und ohne abgeschlossene Berufslehre die Möglichkeit zu geben, sich nach ihren individuellen Voraussetzungen und ihrer Eigenmotivation weiterzubilden. Das bedeutet, dass die Bestimmung des Bildungswegs eine Abklärung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten voraussetzt. Das Ergebnis dieses Assessments ist ein verbindlicher individueller Bildungsplan.

Die Förderung basiert auf einem dreistufigen Modell der Qualifizierung:

  1. Erwerben von Grund-, Schlüssel- und Alltagskompetenzen;
  2. Erwerben von beruflichen Qualifikationen unterhalb der Schwelle der beruflichen Grundbildung;
  3. Absolvieren einer beruflichen Grundbildung.
Substantieller Kredit für Grundkompetenzförderung

Zur Umsetzung der Weiterbildungsoffensive fordern SKOS und SVEB vom Bund im Rahmen der BFI-Periode 2021 bis 2024 einen substantiellen Kredit für die Förderung von Grundkompetenzen sowie für die berufliche Qualifizierung von Sozialhilfebeziehenden. Mit den zusätzlichen Mitteln sollen einerseits bestehende Angebotslücken geschlossen werden, andererseits soll sichergestellt werden, dass Sozialhilfebeziehende kostenlosen Zugang zu den Förderstrukturen in der Weiterbildung, der Berufsbildung und der Arbeitslosenversicherung haben.

Die Bildungsoffensive ist aus Sicht von SKOS und SVEB das geeignete Mittel, nicht nur die Lage von Sozialhilfebezügerinnen und -bezügern zu verbessern. Neben dem Nutzen für das Individuum lohnt es sich auch sozial und wirtschaftlich, in die Weiterbildung von Sozialhilfebeziehenden zu investieren. Beispielhafte Projekte in einzelnen Kantonen zeigen, dass der Weg erfolgversprechend ist.

Positionspapier: "Arbeit dank Bildung"

Präsentation: SKOS-SVEB, "Arbeit dank Bildung"

Präsentation: Raphael Golta, Stadt Zürich, "Befähigen statt Sanktionieren – neue Wege zur beruflichen Integration"

Präsentation: Antoinette de Weck, Stadt Freiburg, "Weiterbildung für Sozialhilfebeziehende"

 

 

Matthias Aebischer, Präsident des SVEB, erklärt den Nutzen der Weiterbildungsoffensive. (Bild: SRF)

Berichterstattung der Schweizer Tagesschau zur Weiterbildungsoffensive

Projekt enter: Dank Weiterbildung aus der Sozialhilfe