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Die Weiterbildungsbeteiligung bleibt ungleich

  • 30.10.2017

Das Bundesamt für Statistik hat Ende Oktober die neusten Zahlen über die Schweizer Weiterbildung veröffentlicht. Diese lassen erkennen, wie sich die Weiterbildung in Punkto Beteiligung, Art und Themen entwickelt hat. Im Vergleich zur letzten Erhebung 2011 zeigt sich, dass die Weiterbildung zwar langsam aber stetig an Bedeutung gewinnt.

Von Philipp Schüepp

Der Mikrozensus Aus- und Weiterbildung wird vom Bundesamt für Statistik (BFS) alle fünf Jahre mittels telefonischer Umfrage erstellt und ausgewertet. Darin wird das Weiterbildungsverhalten der Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren analysiert.

Die ersten Ergebnisse erlauben neben den gesamten Tendenzen auch einen Blick auf die Beteiligung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und auf die Intensität der genutzten Weiterbildungsangebote. Daneben lässt sich erkennen, aus welchem Grund Weiterbildungen in Anspruch genommen werden, welche Themen dabei im Vordergrund stehen und wie stark sich Arbeitgeber am zeitlichen und finanziellen Aufwand beteiligen.

Die Weiterbildung wächst ungleich


62% der ständigen Wohnbevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren haben 2016 an einer Weiterbildungstätigkeit teilgenommen. Das entspricht einem Zuwachs von 5% gegenüber 2011. Bei der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren sind es sogar 72%. Auch hier ist ein Anstieg von knapp 5% gegenüber dem Wert vor fünf Jahren zu verzeichnen.

Dieser Anstieg ist allerdings bedeutend schwächer als der Anstieg zwischen 2006 und 2011 von über 15%. Die Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz hat zwar zugenommen, das Wachstum selbst scheint aber zu stagnieren.

Die aktuelle Beteiligung unterscheidet sich geschlechterspezifisch nur sehr schwach, bei sozioökonomischen Faktoren und den Altersgruppen zeigen sich aber starke Ungleichheiten. Die 25- bis 34-Jährigen haben die höchste Beteiligung, danach nimmt diese kontinuierlich ab. Ab 65 Jahren fällt sie im Durchschnitt sogar auf 32% zurück.

Bildungsniveau und Erwerbstätigkeit beeinflussen diese Quote ebenfalls stark. Während 81% der Personen mit Tertiärabschluss eine Weiterbildung besucht haben, sind es ab Sekundarstufe II bereits nur noch 58%. Zwischen Erwerbstätigen und Erwerbslosen liegen ebenfalls 14 Prozentpunkte.

Starke Unterschiede nach Bildungsniveau


Der Unterschied nach Bildungsniveau ist auch relevant, wenn die Dauer und Anzahl der besuchten Weiterbildungsleistungen berücksichtigt wird. Bei allen Befragten, die an einer Weiterbildungstätigkeit teilgenommen haben, überwiegen mit 42% kurze Weiterbildungsmassnahmen (weniger als 8 Stunden) und nur eine Weiterbildung pro Jahr (40%).

Wenn die Dauer kombiniert mit der Anzahl besuchter Weiterbildungen erfasst wird, zeigt sich, dass Hochschulabgänger sich nicht nur vermehrt beteiligen, sondern die Angebote auch intensiver nutzen (Siehe Grafik). Das Gefälle zwischen den sozioökonomischen Gruppen ist in der Weiterbildung also noch stärker, als der Blick auf die reine Beteiligung erahnen lässt.

Die berufliche Weiterbildung dominiert


Als Zweck für die Beteiligung geben 49% einen rein beruflichen und 29% einen klar vom Beruf getrennten Grund an. Frauen beteiligen sich deutlich öfter aus ausserberuflichen Gründen und nehmen seltener an beruflichen Weiterbildungen teil. Diese Differenz wird teilweise durch die unterschiedliche Einbindung in den Arbeitsmarkt erklärt.

Dementsprechend dominiert der Themenbereich "Wirtschaft und Arbeit" die Weiterbildungslandschaft mit 24% der Aktivitäten. Informatik mit 9% und Sprachen mit 7% sind deutlich schwächer vertreten. Wenn man die ausserberuflichen Aktivitäten gesondert betrachtet, ist der Themenbereich „Sport, Kunst, Kreatives“ klar am stärksten Vertreten, insgesamt macht dieser Bereich 13% der Schweizer Weiterbildungstätigkeit aus.

Breite Unterstützung durch Arbeitgeber


Die beruflichen Weiterbildungsaktivitäten werden stark von Arbeitgebern unterstützt. Dies ist auf allen Bildungsstufen gleich, was aber bedeutet, dass die überdurchschnittliche Beteiligung von Personen mit höherem Bildungsabschluss auch zu einer überdurchschnittlichen Unterstützung der Arbeitgeber führt.

Die bisher veröffentlichten Daten zeigen noch nicht genau auf, wie sich die Schere bei der Weiterbildungsbeteiligung in den letzten fünf Jahren entwickelt hat. Sie zeigen aber, dass die Schere weiterhin weit offen ist.

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