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KMU wollen keine Verkaufsgespräche sondern Beratung

  • 27.11.2017

Viel wurde in letzter Zeit über das Thema Weiterbildung in KMU geschrieben. Meistens wurden dabei Defizite betont. So hiess es, vielen KMU fehle bei der Weiterbildung eine klare Strategie, und auch das Bundesamt für Statistik bestätigte kürzlich, dass die kleinen und mittleren Betriebe bei diesem Thema weniger aktiv seien als Grossbetriebe. Höchste Zeit, dass die KMU selbst Stellung nehmen konnten. Die KMU-Tagung vom 16. November bot Gelegenheit dazu; sie lud Vertreter und Vertreterinnen der KMU- und der Weiterbildungsszene zum gemeinsamen Austausch ein.

Eine andere Sprache

Schnell wurde durch diesen Austausch klar, dass die oben erwähnten Defizite differenziert betrachtet werden müssen. So zeigte die Tagung, dass KMU sehr nahe am Thema Weiterbildung sind, ihre Terminologie aber oft eine andere ist. Denn unter dem Begriff „Weiterbildung“ verstehen viele KMU ausschliesslich zeitintensive und teure externe Kurse.

Dabei werden auch über andere Prozesse in KMU sehr viele Kompetenzen erlernt und weitergegeben. Dies geschieht beispielsweise intern zwischen den Mitarbeitenden oder oft auch in der Zusammenarbeit mit Lieferanten. Doch vieles, was für Bildungsanbieter Weiterbildung ist, ist für die Unternehmen schlicht Teil ihrer geschäftlichen Routine. Wenn, dann sprechen sie in diesem Zusammenhang von Personalentwicklung. Begriffe wie "Weiterbildung" oder gar "Weiterbildungsstrategie" fallen hingegen nur selten.

Ansätze und Widersprüche

Eine grosse Bedeutung haben diese Begriffe nichts desto trotz. Denn Herausforderungen wie der Fachkräftemangel oder die Digitalisierung sind auch für kleine und mittlere Unternehmen eine Realität. Wenn ein Bedarf an fachlichen Kompetenzen besteht, wird dieser durch entsprechende externe oder interne Massnahmen angegangen. Meistens erfolgen Schulungen dann ad hoc und als Reaktion auf Engpässe. Neben den entsprechenden fachlichen Kursen besteht dementsprechend auch bei der Erarbeitung eines strategischeren und strukturierten Umgangs mit Weiterbildung ein Entwicklungspotential. Dies sehen auch KMU-VertreterInnen so und wünschen sich dabei Unterstützung. Die Frage ist, wie Weiterbildungsanbieter diese Hilfe leisten können?

Hier liegt eine Schwierigkeit: Was die Tagung ebenfalls aufgezeigt hat, sind gewisse Widersprüche, die es zu lösen gilt. KMU wünschen sich eine partnerschaftliche und persönliche Beziehung zu Weiterbildungsexperten. Sie wollen keine fertigen Produkte, die ihnen verkauft werden, sondern Beratung. Und diese Beratung soll das einzelne Unternehmen, seine jeweilige Situation und seine Herausforderungen im Auge haben. Das bedeutet massgeschneiderte Lösungen, und diese sind teuer. Doch natürlich wollen auch KMU Weiterbildung zu möglichst günstigen Preisen. (PhS)

Am 16. November trafen sich in Bern KMU-Vertreterinnen und Weiterbildungsanbieter (Bild: SVEB).