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Grundkompetenzen fördern: ein wichtiges Thema in der Schweiz

Grundkompetenzen ermöglichen die selbstbestimmte Teilnahme am beruflichen und gesellschaftlichen Leben. Die Folgen geringer Grundkompetenzen sind weitreichend für Betroffene selbst, aber auch für Wirtschaft und Gesellschaft. Der Bedarf an qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten in der Schweiz ist gross.

Was sind Grundkompetenzen?

Die Förderung der Grundkompetenzen unterstützt die Fähigkeiten, die Menschen benötigen, um selbständig am sozialen und beruflichen Leben teilzunehmen. Gemäss Bundgesetz über die Weiterbildung (WeBiG) vom 20. Juni 2014 sind Grundkompetenzen eine Voraussetzung für das lebenslange Lernen. Das WeBiG definiert in Art. 13 die Grundkompetenzen Erwachsener wie folgt:

  • Lesen, Schreiben und mündliche Ausdrucksfähigkeit in einer Landessprache
  • Grundkenntnisse der Mathematik
  • Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)


Wer ist in der Schweiz von geringen Grundkompetenzen betroffen?

In der Schweiz verfügen rund 800'000 Erwachsene über ungenügende Lese- und Schreibfähigkeiten. 8,6 Prozent der schweizerischen Wohnbevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren, also mehr als 400'000 Personen, haben grosse Schwierigkeiten, einfache Rechenaufgaben zu lösen. Schätzungsweise 1,5 Millionen Personen zwischen 16 und 65 Jahren verfügen über keine oder geringe IKT-Kompetenzen.

Die Personengruppe mit geringen Grundkompetenzen ist sehr heterogen. Besondere soziodemographische Risikofaktoren sind ein tiefer Bildungsstand, die soziale Herkunft oder der Migrationsstatus. Erwachsene ohne nachobligatorische Ausbildung sowie MigrantInnen sind häufiger betroffen, doch tritt die Problematik in allen Gesellschaftsschichten auf. Auch Schweizerinnen und Schweizer, die die gesamte Schulzeit in der Schweiz absolviert haben, können Mühe haben mit den Grundkompetenzen.

Auswirkungen mangelnder Grundkompetenzen

Geringe Grundkompetenzen haben weitreichende Folgen, für die Betroffenen selbst, aber auch für Wirtschaft und Gesellschaft.

  • Armut und gesundheitliche Probleme: Menschen mit geringen Grundkompetenzen sind stärker von Armut und gesundheitlichen Problemen betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt.
  • Schwieriger Zugang zu Aus- und Weiterbildung: Tabuisierung und fehlende Sensibilität erschweren Menschen mit mangelnden Grundkompetenzen den Zugang zu Aus- und Weiterbildung. Die bestehenden Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechen häufig nicht dem Bedarf von Personen mit geringen Grundkompetenzen.
  • Arbeitslosigkeit: Der strukturelle Wandel auf dem Arbeitsmarkt führt zu steigenden Anforderungen im Bereich der Grundkompetenzen, auch an sogenannten „Einfacharbeitsplätzen“. Geringe Grundkompetenzen sind daher ein Risiko die Stelle zu verlieren und oder keine neue Stelle zu finden.
  • Produktivität: Betriebe, deren Mitarbeitende nur über ungenügende Grundkompetenzen verfügen, können ihr Produktivitätspotenzial nicht ausschöpfen.
  • Soziale Kosten: Die sozialen Kosten der Leseschwäche in der Schweiz sind hoch. Das Büro Bass beziffert sie bei 1,316 Milliarden Franken. Eine Investition in die Förderung Grundkompetenzen ist daher volkswirtschaftlich sinnvoll, in Kombination mit der Förderung des Berufsabschlusses für Erwachsene.

Die individuellen Auswirkungen geringer Lese- und Schreibfähigkeiten sowie fehlender mathematischer Grundkenntnisse sind für die Betroffenen einschneidend. Sprache, Schreiben und Rechnen bilden zudem die Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung von Kommunikations- und Informationstechnologien (IKT) im beruflichen und privaten Alltag.