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Arbeitgeber könnten mehr tun

  • 13.11.2019

Noch immer besuchen längst nicht alle Erwerbstätigen in der Schweiz im Laufe eines Jahres eine Weiterbildung. Die mangelnde Unterstützung durch den Arbeitgeber ist mit ein Grund dafür. Das zeigt die aktuelle Studie «Barometer ‹Gute Arbeit›» von Travail Suisse und der Berner Fachhochschule.

Die Umfrage unter 1400 Arbeitnehmenden liefert repräsentative Ergebnisse und ergab unter anderem, dass sich arbeitstätige Schweizerinnen und Schweizer vermehrt gestresst fühlen (42,3% gegenüber 40,4% in der ersten Befragung von 2015). Zum ersten Mal wirft die Umfrage dieses Jahr aber auch ein Streiflicht auf die Weiterbildung.

Einblick in die Aus- und Weiterbildung Schweizer Arbeitnehmender

Gefragt wurde nach Weiterbildungsaktivitäten sowie nach der Unterstützung durch den Arbeitgeber im Bereich Arbeitszeit und Ausbildungskosten. Wie die Befragungen des Bundesamts für Statistik («Mikrozensus Aus- und Weiterbildung» von 2016 und «Berufliche Weiterbildung in Unternehmen» von 2015) zeigt die Befragung, dass gut 30% der Befragten erwerbstätigen Personen im laufenden Jahr keine Weiterbildung besucht haben.

Für die Interpretation der Ergebnisse muss jedoch erwähnt werden, dass die Studie von Travail Suisse und Berner Fachhochschule den Begriff «Weiterbildung» sehr weiter fasst. So zeigt die Aufschlüsselung der besuchten Weiterbildungen nach Abschlüssen, dass formale Ausbildungen der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe darin eingerechnet wie auch informelles Lernen. Die Aussagen lassen sich damit nicht direkt auf die Weiterbildung als nonformale Bildung beziehen, sondern gelten eher für die Aus- und Weiterbildungssituation der Befragten.

Fehlender Bedarf oder fehlende Unterstützung

Trotz dieser Einschränkung gibt die Studie interessante Einblicke in die Aus- und Weiterbildungssituation von Schweizer Arbeitnehmenden. Insbesondere fragt sie nach den Gründen für den Verzicht auf Weiterbildung. Rund die Hälfte der Erwerbstätigen gibt dazu an, keine Notwendigkeit für eine Weiterbildungsaktivität gesehen zu haben. Ein Drittel gibt an, zu wenig Unterstützung von Seiten des Arbeitgebers für eine Weiterbildung erfahren zu haben. Dabei beklagten sich Erwerbstätige mit Tertiärabschluss (42%) eher über die fehlende Unterstützung des Arbeitgebers als Personen ohne Berufsabschluss (25%). Auch Vollzeiterwerbstätige beklagen sich häufiger darüber als Teilzweiterwerbstätige. Auffällig ist, dass bei 72% der befragten Arbeitnehmenden die Weiterbildung nicht im Mitarbeitergespräch thematisiert wurde. Bei 24% der Befragten fand überdies gar kein Mitarbeitergespräch statt.

Zeitliche und finanzielle Gründe werden jeweils von einem Viertel für den Nichtbesuch angegeben. Dieses Ergebnis unterscheidet sich stark von den Resultaten der Befragung durch das BFS von 2016. Dort werden Zeitmangel mit 65% und Höhe der Kosten mit 34% klar als hauptsächliche Hindernisse genannt, während nur 15% die fehlende Unterstützung des Arbeitgebers nennen.   

Effektive Unterstützung

Für die besuchten Aus- und Weiterbildungen erfasst die Studie, zu welchem Grad diese durch Arbeitszeit und Beteiligung an den Kosten durch die Arbeitgebenden unterstützt wurden. Knapp zwei Drittel der Vollzeiterwerbstätigen, so hält die Studie fest, hätten die gesamte Weiterbildungszeit als Arbeitszeit anrechnen lassen können, während dies die Hälfte der Teilzeiterwerbstätigen ebenfalls konnte. 38% der Erwerbstätigen konnte die Weiterbildungszeit zumindest teilweise anrechnen lassen.

Die Kosten für die Weiterbildung seien bei 54% der Erwerbstätigen vollständig vom Arbeitgeber übernommen worden. Bei Vollzeiterwerbstätigen lag dieser Anteil etwas höher. In 22% der Fälle bezahlte der Arbeitgeber gar nichts an die Weiterbildung, 23% der Befragten erhielten eine teilweise Kostenübernahme. Ausschlaggebend war dabei auch die Höhe der Gesamtkosten. Je höher die Gesamtkosten ausfielen, desto geringer war der Grad der vollständigen Kostenübernahme.

Unzufrieden mit der Leistung ihres Arbeitgebers, was den Anteil der angerechneten Weiterbildungszeit betrifft, war etwa ein Drittel der Erwerbstätigen, die eine Weiterbildung besucht haben. Wiederum ein Drittel ist mit der Höhe der Kostenübernahme durch den Arbeitgeber unzufrieden. Umgekehrt waren 40% der Personen, bei denen die Kosten gar nicht übernommen wurden, auch damit einverstanden.

Philipp Schüepp und Ronald Schenkel

«Barometer ‹Gute Arbeit›»

Mitarbeitergespräch
Die Umfrage «Gute Arbeit» ergab, dass bei 72% der Arbeitnehmenden die Weiterbildung im Mitarbeitergespräch nicht thematisiert wurde. (Bild: Pixabay)