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Den meisten KMU fehlt eine Weiterbildungsstrategie

  • 16.10.2017

KMU hinken bei der Weiterbildungsbeteiligung den Grossunternehmen hinterher. Das hat auch damit zu tun, dass sie auf dem Markt oft nicht finden, was sie spezifisch suchen. Eine Tagung soll Weiterbildungsanbieter und KMU einander näher bringen.

Ronald Schenkel

Punkto Weiterbildungsbeteiligung belegt die Schweiz seit Jahren Spitzenplätze. Doch ausgerechnet die tragende Säule unserer Wirtschaft, die KMU, erweist sich in dieser Hinsicht schwächer als die Grossunternehmen. Sind annährend 100 Prozent der Grossen weiterbildungsaktiv, fällt die Quote bei den KMU auf 80 Prozent. Das klingt zwar erst einmal nicht schlecht. Doch der Teufel steckt auch hier im Detail.

Betreiben KMU Weiterbildung, so geschieht dies oft zufällig und aufgrund individueller Bedürfnisse oder technischer Notwendigkeiten. Wird eine neue Maschine angeschafft, ist es selbstredend, dass Mitarbeitende auf ihr geschult werden. Das sind punktuelle Interventionen, die zweifellos notwendig sind. Aber sie umfassen in den seltensten Fällen eine Entwicklung, die das Unternehmen insgesamt weiterbringt. Was fehlt, ist jene Weitsicht auch bei Weiterbildungsanstrengungen, die KMU oftmals in anderen Geschäftsbereichen wie selbstverständlich an den Tag legen. Oder anders ausgedrückt: KMU haben nur in seltenen Fällen eine eigentliche Weiterbildungsstrategie.

1. Nationale KMU-Tagung: "Chancen und Erfolgsfaktoren der Weiterbildung in KMU"
Welche Weiterbildungs-Bedürfnisse haben KMU und wie können sie von Weiterbildungsanbietern unterstützt werden?
Weitere Informationen und Anmeldung

KMU begreifen die Notwendigkeit

Dabei wird von den wenigsten KMU-Verantwortlichen die Bedeutung von Weiterbildung bestritten. Im Gegenteil: Angesichts des sich ständig beschleunigenden technologischen Wandels und des sich zuspitzenden Fachkräftemangels setzt die überwiegende Mehrheit der KMU in der Schweiz auf Aus- und Weiterbildung ihrer bestehenden Belegschaft. Dies geht aus der jüngst veröffentlichten KMU-Studie der Credit Suisse hervor. Die Erkenntnis, dass nur die Beteiligung an der Weiterbildung jenen Wissensvorsprung garantiert, der überlebenswichtig ist, muss den KMU also nicht mehr begreiflich gemacht werden.

 Und viele KMU-Verantwortliche erkennen auch, dass es nicht allein fachspezifische Kenntnisse sind, bei denen Nachholbedarf besteht. KMU-Vertreter aus ganz verschiedenen Branchen empfinden zunehmend eine Notwendigkeit, ihre Mitarbeitenden auf Gebieten zu schulen, die nichts mit den Fachkompetenzen des Einzelnen zu tun haben, aber in einer sich verändernden Arbeitswelt auch für kleinere Unternehmen immer wichtiger werden: Dazu gehören Kommunikation oder Konfliktmanagement, Projektorganisation oder Präsentationstechniken.

Orientierungsloser Umgang mit Weiterbildung

Doch während Grossunternehmen es sich leisten können, Weiterbildungsmassnahmen für ihre Mitarbeitenden sozusagen massgeschneidert anzubieten, bewegen sich KMU in Sachen Weiterbildung gleichsam orientierungslos. Noch immer reagieren die meisten KMU-Verantwortlichen eher auf Weiterbildungswünsche ihrer Mitarbeitenden, als dass sie Weiterbildung verordnen und strukturiert planen. Gründe dafür sind Kosten und Zeitdruck sowie die gegenüber der Bewältigung des Alltagsgeschäfts noch immer untergeordnete Bedeutung der Weiterbildung.

Aber das Problem liegt nicht allein bei den KMU. Sehr oft müssen KMU-Vertreter nach einer Weiterbildung konstatieren, dass der Nutzen die Investition kaum gerechtfertigt hat, weil die Weiterbildung nicht spezifisch auf KMU-Bedürfnisse ausgerichtet war oder weil die Teilnehmenden zu heterogen waren. Die besten Bewertungen erhalten jene Weiterbildungen, die etwa auf Branchen- oder Verbandsebene für KMU angeboten werden. Auf dem freien Markt, so scheint es, finden KMU noch immer nicht, was sie eigentlich brauchen.

Es muss sich also noch einiges ändern: Seitens der KMU und ihrer Einstellung zur Weiterbildung, aber auch seitens der Anbieter, soll die tragende Säule der Schweizer Wirtschaft auch in Zukunft noch so stabil sein, wie sie es bis heute war.

 

zuerst erschienen in "Organisator - Das Magazin für KMU", Oktober 2017.

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Für viele KMU ist es schwierig, beim Thema Weiterbildung die Orientierung zu behalten und eine klare Strategie zu finden. (Bild: Pixabay)