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Individuelle Weiterbildungskonten – ein Instrument mit Tücken

  • 27.11.2019

Indivdiuelle Weiterbildungskonten können durchaus die Weiterbildungsergebnisse in bestimmten Zielgruppen verbessern. Doch sind dafür einige Regeln zu beachten, folgert eine Studie der OECD.

Können individuelle Weiterbildungskonten eine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft der Arbeit sein? Ja und Nein schlussfolgert eine Studie der OECD. In ihrem Bericht «Individuelle Weiterbildungskonten – Allerheilmittel oder Büchse der Pandora» will die OECD politischen Verantwortlichen Hinweise geben, wie ein Programm gestaltet werden kann. Dabei stützt er sich auf Erkenntnisse, die mithilfe einer Reihe von Fallstudien und der Sichtung der einschlägigen Fachliteratur aus bestehenden und vergangenen Programmen gewonnen wurden.

Bisher wurde nur ein einziges echtes individuelles Weiterbildungskonto umgesetzt, das in Frankreich bestehende «Compte Personnel de Formation». Für den Bericht wurde daher ein breiterer Ansatz gewählt, indem individuelle Lern- und Weiterbildungsprogramme in die Betrachtung einbezogen wurden.

Der Bericht kommt zum Schluss, dass individuelle Weiterbildungskonten kein Allheilmittel für die mit der neuen Arbeitswelt einhergehenden Herausforderungen darstellen. Wie jede andere Weiterbildungsmassnahme auch könnten sie zu einer Büchse der Pandora werden, sobald man sich mit den Einzelheiten befasse, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Sie weisen auf die Wichtigkeit hin, die Stärken und Schwächen solcher Programme klar zu verstehen. Trotzdem gewichten sie den Wert individueller Weiterbildungskonten positiv im Hinblick auf bessere Weiterbildungsergebnisse. 

Die Autorinnen und Autoren führen dazu eine Reihe von zentralen Erkenntnissen auf, die sich aus der Analyse der Gestaltung individueller Weiterbildungskonten (und auch individueller Lern- und Weiterbildungsprogramme im weiteren Sinne) ergeben haben:

So könne die Ausrichtung individueller Lernprogramme auf bestimmte Zielgruppen dazu beitragen, Mitnahmeeffekte und das zu Lasten Geringqualifizierter gehende Weiterbildungsbias zu reduzieren. Doch es müssten beträchtliche finanzielle Mittel bereitgestellt werden, wenn das Programm entscheidenden Einfluss auf Weiterbildungsergebnisse haben soll. Hinzu komme, dass individuelle Lernprogramme einfach gehalten werden sollten, um einen möglichst breiten Teilnehmerkreis zu erreichen. Schliesslich müssten individuelle Lernprogramme durch andere Massnahmen ergänzt werden, um die Teilnahme unterrepräsentierter Gruppen zu fördern.

Die Verfasserinnen und Verfasser weisen überdies auf die Bedeutung der Weiterbildungsqualität hin. Einschränkungen in Bezug darauf, welche Art der Weiterbildung über individuelle Lernkonten erfolgen könne, könnten auch dazu beitragen, ihre Wirksamkeit im Hinblick auf die Arbeitsmarktergebnisse des Einzelnen zu verbessern.