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Wie gezielt soll Weiterbildung gefördert werden? – Avenir Suisse zur staatlichen Förderpolitik

  • 11.06.2021

Die von Avenir Suisse Ende April veröffentlichte Studie «Weiterbilden, aber gezielt» kommt zum Schluss, dass sich staatliche Weiterbildungsförderung insbesondere auf wenig Qualifizierte konzentrieren solle.

Ist Weiterbildung und lebenslanges Lernen Privatsache? Wie weit soll staatliche Förderung von Weiterbildung gehen? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat Weiterbildung? – Angesichts der Corona-Krise und dem vor allem im Bereich Digitalisierung gewachsenen Kompetenzbedarf stellen sich alte Fragen mit neuer Brisanz.

Die Antworten des Think-Tanks

Die Schweizer Bevölkerung beteiligt sich im internationalen Vergleich überdurchschnittlich oft an Weiterbildungen. Dabei weist die Schweiz allerdings eine vergleichsweise hohe Disparität zwischen hoch und niedrig Qualifizierten auf. Die Studie von Avenir Suisse vertritt nun die These, dass die bestehende Chancenungleichheit durch Weiterbildung zusätzlich verschärft werde.

Um hier Abhilfe zu schaffen, empfiehlt die Denkfabrik staatliches Eingreifen. Während sich der obere Mittelstand selbst zu helfen wisse, brauchen die weniger Qualifizierten staatliche Unterstützung, so der Think-Tank. Zudem attestiert Avenir Suisse Unternehmen eine besonders wichtige Rolle beim lebenslangen Lernen.

Die Aufgabe der öffentlichen Hand sieht die Denkfabrik bei der Unterstützung jener Gruppen, die selten oder gar nicht an Weiterbildung teilnehmen. Gedacht wird dabei primär an Personen ohne abgeschlossene Erstausbildung. Hier sei gezielte Förderung durch den Staat angebracht. Als Förderinstrumente schlägt Avenir Suisse Massnahmen und Instrumente wie Weiterbildungsgutscheine und Umschulungsdarlehen vor.

Die SVEB-Position

Auch der SVEB begrüsst staatliche Fördermassnahmen und sieht Weiterbildungsgutscheine als sinnvolles Förderinstrument. Angesichts der Corona-Krise greift eine Förderpolitik, die sich ausschliesslich auf die Unterstützung Geringqualifizierter richtet, aus Sicht des SVEB aber zu kurz. Denn die Anforderungen an die Arbeitnehmenden steigen über alle Qualifikationsniveaus hinweg.

Zugleich verzichten jedes Jahr 40 Prozent der Erwachsenen darauf, sich weiterzubilden (vgl. Mikrozensus Aus- und Weiterbildung). Mittelfristig kann sich die Schweizer Volkswirtschaft dies nicht leisten. Aus Sicht des SVEB braucht es deshalb eine Förderpolitik, die das Ziel verfolgt, alle Erwachsenen sowie die Betriebe für lebenslanges Lernen zu sensibilisieren und ihre Weiterbildungsaktivität wo nötig mit geeigneten Massnahmen zu unterstützen.

Avenir Suisse: Weiterbilden, aber gezielt. Antworten auf den Strukturwandel am Arbeitsmarkt

Publikation als PDF (64 S.)