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Wie Nachholbildung gelingen kann

  • 13.12.2017

Nur 1,5 % der Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben, holen einen solchen nach. Was Erwachsene brauchen, um in die Nachholbildung einzusteigen und durchzuhalten, war Gegenstand der SVEB-Veranstaltung «Erwachsenengerechte Nachholbildung», die am 6. Dezember in Zürich stattfand.

Erwachsene lernen anders als Jugendliche – darüber besteht ein breiter Konsens. Doch was bedeutet erwachsenengerecht in Bezug auf die Nachholbildung? Anlässlich der Tagung «Erwachsenengerechte Nachholbildung» präsentierte ein ausgewiesener Kenner der Berufsbildung, Emil Wettstein, Erkenntnisse zu dieser Frage: Durch einen individualisierten Unterricht können fehlende und unterschiedliche Grundkompetenzen und Fachkenntnisse der Erwachsenen besser berücksichtigt werden.

Zur Motivation der Erwachsenen trägt zudem bei, wenn der Unterricht problemorientiert und somit praxisnah angelegt ist. Zuletzt gehört auch eine zeitliche Eingliederung und Anpassung des Unterrichts an den Arbeitsalltag der Erwachsenen zu den Gründen, weshalb Nachholbildung Erfolg haben kann.

Betriebe als Chancengeber

Einige dieser Aspekte können die Arbeitgeber der betroffenen Erwachsenen direkt beeinflussen und fördern. Zum Beispiel indem sie Mitarbeitenden Lerngelegenheiten während der Arbeitszeit zur Verfügung stellen oder betriebsinterne Sprachkurse organisieren. Solche und weitere Ansätze präsentierte Cäcilia Märki anhand der „Chancengeber Studie“. Die Studie untersucht in zehn Unternehmen die Unterstützung der Nachholbildung.

Aus der Perspektive der Betriebe, die an der Tagung teilnahmen, wurde aber auch klar, dass dafür eine hohe Motivation der Mitarbeitenden und ein enges Vertrauensverhältnis bestehen muss.

Wichtige Rolle der Kantone

Eine wichtige Rolle spielen überdies die Kantone. Der Kanton Solothurn gehört zu denen, die sich stark für die Nachholbildung einsetzen. Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung geht dabei proaktiv auf die Organisationen der Arbeit (OdAs) zu, fehlt bei diesen die nötige Aufmerksamkeit für das Thema. Der Kanton begleitet überdies die betroffenen Erwachsenen bis zu deren Berufsabschluss und hilft beim Abbau von finanziellen Hürden.

Vor allem bei der direkten Zulassung zum Qualifikationsverfahren und der Validierung von Bildungsleistungen ist diese enge Begleitung der Erwachsenen oft entscheidend für das Gelingen. (PhS)

Veranstaltungshinweis:
Nicht nur der Kanton Solothurn, sondern auch der Kanton Genf gilt als Vorreiter im Bereich der Förderung von Erwachsenen ohne Berufsschulabschluss. Dieser stellt sein Fördermodell an der Tagung «Gewinner und Verlierer der Weiterbildung» am 27. Februar 2018 vor.