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Bundesrat Guy Parmelin an der bildungspolitischen Tagung 2019

Guy Parmelin sprach anlässlich der bildungspolitischen Tagung des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung am 7. Mai in Bern. Trotz vielem Lob für die Weiterbildungsbeteiligung und den Weiterbildungsmarkt sieht auch der Bundesrat bei bestimmten Personengruppen noch Nachholbedarf.

Seit dem 2. Januar ist Guy Parmelin Chef des Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und damit auch zuständig für die Weiterbildung. An der diesjährigen bildungspolitischen Tagung des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung (SVEB) erklärte er erstmals seine Sicht auf die Rolle des Bundes in der Weiterbildung. Dabei zeichnete er ein grundsätzlich positives Bild der Weiterbildung in der Schweiz. Er betonte einerseits die starke Weiterbildungsbeteiligung; Schweizerinnen und Schweizer seien Weiterbildungs-Champions in Europa, meint Parmelin.

Andererseits fand er auch für den Weiterbildungsmarkt lobende Worte. Dieser sei in der Lage, jederzeit auf die vom Arbeitsmarkt zum Ausdruck gebrachten Weiterbildungsbedürfnisse zu reagieren. Diese Reaktionsfähigkeit werde von den Arbeitgebern geschätzt. Die Unternehmen wiederum würden auch die Weiterbildungsanstrengungen ihrer Mitarbeitenden in einem hohen Mass unterstützen.

Schattenseiten

Aber auch Bundesrat Parmelin sieht Verbesserungsbedarf; denn nicht alle Personen in der Schweiz beteiligen sich im gleichen Masse an der Weiterbildung. Je tiefer das Bildungsniveau, desto weniger werden Weiterbildungen besucht – oder von Arbeitgebern unterstützt. Das sei bedauerlich, so der Bundesrat, zumal diese Personen besonders von Arbeitslosigkeit bedroht und in der strukturellen Arbeitslosenstatistik überrepräsentiert seien.

Gerade deshalb setze der Bund hier einen Akzent. Konkret nannte er das Programm «Berufsbildung für Erwachsene», die Ausgaben in der Arbeitslosenversicherung von jährlich gegen 250 Millionen Franken für Bildung und Weiterbildung sowie die 130 Millionen Franken für die Förderung der Höheren Berufsbildung.

Doch letztlich sei jeder selbst für seine Weiterbildung verantwortlich, betonte Guy Parmelin mit Hinweis auf das Weiterbildungsgesetz, das die Eigenverantwortung festschreibt. Wer sich nicht weiterbilden wolle, könne nicht dazu gezwungen werden. Der Staat könne lediglich für günstige Rahmenbedingungen sorgen.

Für die Weiterbildungsszene wiederum sei die Freiheit Fluch und Segen zugleich. So könne sie leicht auf neue Tendenzen und Bedürfnisse reagieren, was gerade im Hinblick auf die Digitalisierung wichtig sei. Gleichzeitig könnten Freiheit und Flexibilität den Markt für die Konsumentinnen und Konsumenten intransparent und unübersichtlich machen. Parmelin forderte die Weiterbildungsanbieter auf, für eine transparente Beschreibung ihrer Angebote und Inhalte zu sorgen.

Koordinationsbedarf zwischen SBFI und SECO

In der von Nationalrat und SVEB-Präsident Matthias Aebischer moderierten Diskussion mit dem Publikum wurde der Bundesrat auf die Problematik von Personen mit niedriger Qualifikation, ältere Arbeitnehmende sowie Personen in der Arbeitslosigkeit angesprochen. Dabei wurde mehrfach auch auf widersprüchliche Ansätze beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) einerseits, beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) andererseits sowie auf die Problematik einer raschen, anstatt einer nachhaltigen Reintegration von Arbeitslosen hingewiesen. Für ihn als Wirtschaftsminister bleibe das Ziel der Reintegration prioritär, so Parmelin. Er anerkannte aber, dass es Koordinationsbedarf zwischen den beiden Ämtern gibt.

Im Zusammenhang mit der nächsten BFI-Periode 2021-2024 und damit der Finanzierung der Weiterbildung auf Ebene des Bundes gab sich Guy Parmelin unverbindlich, wenn auch wohlwollend. Der Auftritt von Bundesrat Guy Parmelin an der bildungspolitischen Tagung des SVEB darf insgesamt als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Weiterbildung in der Wahrnehmung des Bundes an Gewicht gewinnt. So betonten auch die am Anlass anwesenden Vertreter des SBFI, dass seit dem Inkrafttreten des Weiterbildungsgesetzes ein Prozess in Gang sei, bei dem die verschiedenen Akteure ihre Rolle schrittweise finden würden. (RS)

 
Link zur Rede von Bundesrat Parmelin

NZZ-Bericht zum Auftritt von Bundesrat Parmelin

Die Rede von Bundesrat Guy Parmelin

Matthias Aebischer als SVEB-Präsident bestätigt

Mit grossem Applaus wurde am Dienstag, 7. Mai, in Bern der amtierende SVEB-Präsident, SP-Nationalrat Matthias Aebischer, wiedergewählt. Aebischer, Jahrgang 1967, wird den SVEB in einer zweiten Amtszeit bis 2022 präsidieren.

Ebenfalls wiedergewählt wurden die Vorstandsmitglieder Pius Knüsel, Vertreter des Verbandes der Schweizerischen Volkshochschulen, und Giuliana Tedesco, Vertreterin der Stiftung ECAP. Auch sie wurden für eine zweite Amtszeit bis 2022 bestätigt.

Als Ersatz für die im Herbst 2018 zurückgetretene Amalia Zurkirchen wurde Michael Kraft als Vertreter von KV Schweiz in den Vorstand gewählt. Michael Kraft ist seit September 2018 Leiter Bildung und Mitglied der Geschäftsleitung des Kaufmännischen Verband Schweiz. In dieser Funktion vertritt er den Verband in verschiedenen Gremien sowie Trägerschaften der Grundbildung und der höheren Berufsbildung im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufsfeld.

An der DV bekannt gegeben wurde der Rücktritt von Raffaela Pepe vom Arbeitskreis Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache in der Schweiz (AkDaF). Sie war vier Jahre im SVEB-Vorstand tätig.