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Nachholbildung hat eine Chance

  • 18.09.2017

Wer ohne einen Berufsabschluss arbeitslos wird, hat es schwer, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Deshalb ist es dringend notwendig, Möglichkeiten zur Nachholbildung zu schaffen. Die Studie "Betriebe als Chancengeber" zeigt Wege auf, wie dies gelingen kann.

14% der Schweizer Erwerbsbevölkerung verfügen nicht über einen Berufsabschluss. 69% dieser Gruppe gehen jedoch einer festen Arbeit nach. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie benachteiligt und tragen ein hohes Risiko, arbeitslos zu werden. Ein Wiedereinstieg ohne Berufsabschluss ist nachweislich schwierig. Neben den privaten Konsequenzen für die Betroffenen verursacht diese Situation auch hohe volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten. Die Studie „Betriebe als Chancengeber“ verfolgt den Ansatz, dass der erwerbstätige Teil der Erwachsenen ohne Berufsabschluss über die Strukturen der Betriebe erreicht und zu einem Abschluss geführt werden kann.

Das Ziel der Studie ist es festzustellen, welche Faktoren in den Betrieben und welche überbetrieblichen Rahmenbedingungen dazu führen, dass dieser Bildungsweg wahrgenommen wird und erfolgreich verläuft. Dazu wurden in zehn Betrieben aus fünf verschiedenen Branchen und allen drei Sprachregionen Fallstudien durchgeführt. Zusätzlich wurden Expertinnen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner, von Berufsverbänden und Anbietern der Berufsbildung, den sogenannten Organisationen der Arbeitswelt (ODA)  befragt.

Förderung und Umsetzung der Nachholbildung

Aus den Fallstudien lassen sich in einem ersten Schritt die Faktoren zusammentragen, die auf verschiedenen Ebenen die Nachholbildung für Erwachsene in Betrieben fördern.

Auf der individuellen Ebene zeigen die Analysen, dass den einzelnen Mitarbeitenden auf ihrem Weg zum Berufsabschluss viel abverlangt wird. Um überhaupt ausgewählt zu werden, müssen sie viel Eigeninitiative, eine hohe Leistungsbereitschaft, grosse persönliche Ressourcen sowie möglichst geringe familiäre Verpflichtungen mitbringen.

Betriebliche Ebene

Auf der betrieblichen Ebene spielen Arbeitsmarktengpässe eine wichtige Rolle. Je ausgeprägter der Fachkräftemangel in einer Branche ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte die Chance bekommen, einen Abschluss nachzuholen. Auch die Bildungsinfrastruktur und die betriebliche Lernkultur sind massgeblich. Betriebe, die Lehrlinge ausbilden und über eine entsprechende Infrastruktur verfügen, haben eine gute Basis für die Förderung der Nachholbildung. Nicht zuletzt sind langfristige Bindungen ein entscheidender Faktor. Langjährige Mitarbeitende mit starker Bindung zum Betrieb werden eher gefördert als Personen, die erst wenige Jahre im Betrieb sind.

Die Berufsbildung ist gemäss Berufsbildungsgesetz eine gemeinsame Auf-gabe von Bund, Kantonen und OdA. Den Kantonen obliegt die Umsetzung und Aufsicht über die Berufsbildung. Die OdA verantworten Bildungsinhalte, Ausbildungsplätze und Qualifikationsverfahren. Der Bund agiert subsidiär und übernimmt die strategische Steuerung sowie die Qualitätssiche-rung. In diesem Zusammenspiel tragen die drei Akteure die Verantwortung für die Entwicklung erwachsenengerechter Angebote und setzten die überbetrieblichen Rahmenbedingungen für die Nachholbildung.

Überbetriebliche Rahmenbedingungen

Diese überbetrieblichen Rahmenbedingungen können wesentlich beeinflussen, ob ein Betrieb in den Berufsabschluss für Erwachsene investiert oder nicht. Die Unterstützung von OdA und Kantonen beim Erarbeiten und Bereitstellen von Informationen zum Berufsabschluss für Erwachsene ist eine wichtige Voraussetzung für das Engagement der Betriebe. Sie senkt den Aufwand und erhöht so die Chancen, dass sich Unternehmen für das Thema einsetzen. Zusätzlich können Strukturen zur Beteiligung von Kantonen oder OdA an der Finanzierung der Nachholbildung die Kosten für Betriebe und für KandidatInnen abbauen und damit wichtige Anreize schaffen. Durch das Vorhandensein erwachsenengerechter Angebote können darüber hinaus die Motivation der Lernenden gefördert und organisatorische Hürden abgebaut werden.

Ergänzend zu den Faktoren, die das Engagement für die Nachholbildung fördern, wurden auch Bedingungen für deren erfolgreiche Umsetzung festgehalten. Hier sind vor allem die Begleitung und Beratung der Kandidatinnen und Kandidaten durch eine Ansprechperson im Betrieb zu nennen sowie die Förderung der Sprachkenntnisse und Grundkompetenzen als Vorbereitung für Unterricht und Prüfungen.

Handlungsempfehlungen

Die Faktoren und Bedingungen, die aus der Praxis abgeleitet wurden, können in  Handlungsempfehlungen und Massnahmen übersetzt werden. Sie bieten Anhaltspunkte dafür, was die zentralen Akteure – Betriebe, OdA und Kantone – tun können, um die Nachholbildung im Betrieb zu fördern und erfolgreich umzusetzen.

Den Betrieben wird empfohlen, ein auf sie zugeschnittenes Konzept für die Nachholbildung zu erstellen. Anhand dessen können sie die Mitarbeitenden informieren, begleiten und ihnen Möglichkeiten schaffen, Lernen und Arbeiten ohne Lohneinbussen zu verbinden. Auch die Förderung von Grundkompetenzen, die eine Voraussetzung für den Berufsabschluss bilden, sollte dabei berücksichtigt werden.

Den OdA und den Kantonen wird empfohlen, im Rahmen ihrer Kompetenzen dazu beizutragen, dass erwachsenengerechte Nachholbildungsangebote zur Verfügung stehen. Sie sind darüber hinaus aufgefordert, nicht nur den Kandidatinnen und Kandidaten, sondern insbesondere auch den Betrieben die nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen, damit sich diese möglichst effizient engagieren können.

 

Die Studie "Betriebe als Chancengeber"

Der Fachkräftemangel ist einer der Treiber für Betriebe, in die Nachholbildung zu investieren. (Bild: SVEB)