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Der AdA-Baukasten wird digital

  • 29.08.2018

Soll die Weiterbildung die digitalen Möglichkeiten nutzen, müssen dafür die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sein. Damit steht das System der Ausbildung der Ausbildenden in der Pflicht. Mit einer Öffnung für Online-Settings, einem neuen Weiterbildungsmodul sowie der anstehenden Gesamtrevision, sind gleich mehrere Entwicklungen im Gange.

Philipp Schüepp, Education Permanente 3/2018

«Die Technik alleine bringt nichts», ermahnte die E-Learning-Expertin Claudia Bremer das Publikum an der Tagung «#Weiterbildung digital» vom vergangenen Winter. Ein Smart-TV alleine macht also noch keine digitale Revolution. Wer digitale Medien in der Lehre einsetze, müsse ihre Meinung nach dafür immer auch entsprechende Konzepte erarbeiten. Von den Rängen des Auditoriums erhielt sie für diese Aussagen viel Zustimmung. Doch ist die Schweizer Weiterbildung bereit für diese neuen Konzepte und Methoden?

Nicht wirklich, gestand letzten Sommer die Mehrheit der befragten Institutionen in der Weiterbildungsstudie 2017/18 des SVEB und der PHZH zu diesem Thema ein. Während die meisten davon ausgehen, dass die Digitalisierung die Weiterbildung stark beeinflussen wird, beurteilen nur wenige die aktuellen Aus- und Weiterbildungen im Hinblick auf diese Entwicklung als genügend. Ein klarer Fingerzeig auch in Richtung des Bildungssystems «Ausbildung der Ausbildenden (AdA)».

Auf diesen Befund reagiert die Geschäftsstelle AdA mit kurz- und langfristigen Massnahmen. «Die Digitalisierung ist in der Weiterbildung heute eine Realität, nun kommt unsere Antwort darauf», sagt die AdA-Geschäftsleiterin Christina Jacober. Der AdA-Baukasten mit seinen elf Modulen, die vom SVEB-Zertifikat bis zum eidg. Diplom führen, öffnet sich für digitale Methoden und Anwendungen.

Eine Neuerung mit unmittelbaren Konsequenzen ist die Öffnung des Moduls 1, welches zum SVEB-Zertifikat «Kursleiter/in» führt, für digitale Settings. Neu können vier der vierzehn vorgeschriebenen Tage Präsenzzeit auch mit Online-Phasen erfüllt werden. Bedingung dafür ist, dass die Lernenden diese digitalen Settings auch in ihrer eigenen Lehrtätigkeit anwenden und den Einsatz bereits in der Ausbildung reflektieren. 
Auch der Praxisnachweis wird digital: Ein drittel der erteilen Lektionen können neu auch durch Online-Unterricht nachgewiesen werden.

Eine weitere Massnahme ist die Erweiterung des AdA-Baukastens um das neue Weiterbildungsmodul «Lernprozesse digital unterstützen». «Damit nutzen wir die Möglichkeiten, welche gerade die non-formale Bildung bietet, um schnell auf Veränderungen zu reagieren», sagt Christina Jacober. Denn das neue Angebot, welches nicht Teil der eidgenössischen Abschlüsse ist, kann vom Träger in eigener Verantwortung und ohne die Absegnung des Bundes konzipiert und lanciert werden. Konkret wurde dazu eine Arbeitsgruppe bestehend aus Institutionen der verschiedenen Sprachregionen einberufen, welche eine Modulbeschreibung ausgearbeitet hat und das Angebot nun pilotieren wird. Bereits im Jahr 2019 wird das Modul in seiner definitiven Form für alle Anbieter freigegeben.

Zwischen Zertifikat und Fachausweis

Es geht bei diesem Modul inhaltlich sowohl darum, digitale Anwendungen und Konzepte kennenzulernen, als sie auch kritisch zu hinterfragen und ihren Einsatz zu planen. Bezüglich Kompetenzniveau ist dieses Weiterbildungsmodul also zwischen dem SVEB-Zertifikat und den Modulen des Fachausweises einzuordnen, weshalb die SVEB-Zertifikate «Kursleiter/in» oder «Praxisausbilder/in» auch als Zulassungsbedingung für dieses neue Angebot gelten. Die Anbieter werden bei der Ausgestaltung des Angebotes viele Freiheiten haben und können die spezifischen digitalen Anwendungen und Techniken auszuwählen und laufend anpassen. Klar ist jedoch, dass auch hier die pädagogischen Anforderungen an erster Stelle stehen. Die technischen Anwendungen sollen gewinnbringend für den Unterricht genutzt werden können, die Programmierung von Lernapps und ähnliche Kompetenzen werden hingegen vorerst eher den IT-Spezialisten vorbehalten bleiben.

Mit der Öffnung des SVEB-Zertifikates für Online-Unterricht und der Entwicklung eines Weiterbildungsmoduls zur Spezialisierung auf diesem Gebiet sind erste Schritte eingeleitet, damit neue Lehr- und Lernmethoden im AdA-System berücksichtigt werden und damit das Personal besser auf diese vorbereitet wird. Eine Entwicklung, welche die Digitalisierung auch langfristig und umfassend im AdA-Baukasten verankern soll, ist die anstehende Revision des Gesamtsystems. Im Zuge dieser Revision wird die Digitalisierung in allen Modulen des Baukastens Einzug halten, davon ist Christina Jacober überzeugt.

Wer also zukünftig das System vertikal durchläuft, soll auf allen Stufen direkt die nötigen digitalen Kompetenzen in den unterschiedlichen Lehr- und Lernsettings erhalten. Für alle die sich bereits heute irgendwo in diesem System befinden, wird ab 2019 das Weiterbildungsmodul „Lernprozesse digital unterstützen“ als horizontale Ergänzung und Spezialisierung zu ihren bisherigen Kompetenzen zur Verfügung stehen.