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Die Weiterbildung wird deutlich gestärkt – und steht vor ambitionierten Zielen

  • 28.09.2020

In den nächsten vier Jahren stehen insgesamt 73 Millionen Franken mehr an Fördermitteln für die Weiterbildung zur Verfügung. Dieses Geld haben die eidgenössischen Räte im Rahmen der BFI-Botschaft bewilligt. Die zusätzlichen Mittel sind allerdings mit ambitionierten Zielen verbunden. Eine Einordnung von SVEB-Direktor Bernhard Grämiger.

Bundesrat Parmelin hatte es im Mai 2019 an der SVEB-Delegiertenversammlung versprochen. Und er hat Wort gehalten: In der Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft) hat er dem Parlament eine deutliche Aufstockung der Mittel für die Weiterbildung vorgeschlagen. Allerdings mit einem Haken: Die zusätzlichen Mittel wurden teils mit einer Kreditsperre belegt. Und die Organisationen der Weiterbildung sollten keine zusätzlichen Mittel erhalten. Das Parlament hat diese beiden Makel in der Sommer- und Herbstsession beseitigt – Zeit für eine Zusammenfassung und eine Einordnung.

Stärkung der Grundkompetenzenförderung

Die Kantone erhalten zur Umsetzung ihres Auftrags zur Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener rund dreimal mehr Geld als bisher – statt wie bisher 15 sind es neu 43 Millionen Franken. Mit den zusätzlichen Mitteln, die an die Kantone ausgeschüttet werden, sollen Angebotslücken geschlossen und Sensibilisierungsmassnahmen zur Erhöhung der Teilnahme an Kursen in diesem Bereich umgesetzt werden. Hier liegt nämlich die grosse Herausforderung für die Kantone in den nächsten vier Jahren: Aktuell erreichen die Bildungsangebote im Bereich Grundkompetenzen nicht einmal jeden hundertsten Betroffenen. Um die Teilnahme substantiell zu erhöhen, müssen neue Zugänge zur Zielgruppe aktiv genutzt werden. Einen solchen Zugang bietet beispielsweise die Sozialhilfe.

Ausserdem können flankierende Massnahmen umgesetzt werden wie die Förderung von dringend notwendigen Innovationen – zum Beispiel bei der Digitalisierung des Kursangebots. Die Interkantonale Konferenz für Weiterbildung (IKW) hat hierfür einen interkantonalen Projektfonds vorgesehen.

Förderinitiative bei berufsorientierter Weiterbildung

39 Millionen Franken stehen in den nächsten vier Jahren explizit für Massnahmen zur Förderung der berufsorientierten Weiterbildung zur Verfügung. Die Mittel sind für den Fall vorgesehen, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt durch den von der Digitalisierung verursachten Strukturwandel massiv verändert. Als die BFI-Botschaft vergangenes Jahr erstellt wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass dieses Szenario bereits im Jahr 2020 mit voller Wucht eintreten würde: Die Corona-Krise hat die Digitalisierung nochmals beschleunigt, und die Anforderungen an die Kompetenzen von Erwerbstätigen erhöhen und verändern sich in grossem Tempo. Gleichzeitig steht die Schweizer Wirtschaft vor einer Rezession. Die Unternehmen reduzieren ihre Budgets für die Weiterbildung, und auch Privatpersonen sind in diesem Bereich weniger ausgabefreudig. Kurz: Die 39 Millionen CHF für die Förderung der berufsorientierten Weiterbildung kommen zum richtigen Zeitpunkt.

Notwendig ist nun eine gezielte Förderinitiative, welche in Kombination mit einer Informations- und Beratungsoffensive insbesondere bei KMU Anreize für die Förderung der berufsorientierten Weiterbildung setzt. Die Initiative muss so ausgestaltet werden, dass private Investitionen in die Weiterbildung gefördert und gezielt ergänzt werden. Der Nationalrat hat dafür zusätzlich zu den 39 weitere 20 Millionen Franken gesprochen. Der Ständerat sollte in der Wintersession in diesem Punkt dem Nationalrat unbedingt folgen.

Weiterentwicklung der Weiterbildung

Mehr Mittel in der nächsten Förderperiode erhalten schliesslich auch die sieben Organisationen der Weiterbildung (OWB), darunter der SVEB. Neu stehen insgesamt 16 Millionen Franken für Leistungen in den Bereichen Koordination und Information, Qualität und Entwicklung des Weiterbildungssystems zur Verfügung – 6 Millionen mehr als in der laufenden BFI-Periode. Die OWB haben auf Grundlage des Weiterbildungsgesetzes die Aufgabe, mit Leistungen auf Systemebene den Weiterbildungsbereich weiterzuentwickeln. Die Weiterbildung soll zugänglicher, innovativer, transparenter und besser koordiniert werden. Die OWB unterstützen ausserdem Bund und Kantone bei der Erreichung ihrer BFI-Ziele. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf der Förderung der Grundkompetenzen, wo die OWB als Partner von Bund und Kantonen unter anderem Sensibilisierungsmassnahmen umsetzen.

Bernhard Grämiger, Direktor SVEB
«Die Fördergelder kommen zum richtigen Zeitpunkt», sagt SVEB-Direktor Bernhard Grämiger.