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Managing Money unterstützt Kursleitende im Bereich Finanzkompetenzen

  • 14.12.2016

Immer mehr Schweizer verschulden sich. Ein Grund dafür sind die komplexer werdenden Finanzdienstleistungen und -produkte. Das Projekt Managing Money möchte Kursleitende in der Förderung der Finanzkompetenzen Erwachsener unterstützen.

In der Schweiz kann jeder Vierte seine Schulden nicht bezahlen. Das geht aus einer neuen Studie hervor (Intrum Justitia, European Consumer Payment Report 2016). Dies scheint paradox, steht den Schweizer Haushalten nach Abzug von Fixkosten und Abgaben durchschnittlich ein immer grösserer Anteil des Einkommens für Konsum und Sparen zur Verfügung (53,9% des Bruttoeinkommens, BFS, Haushaltsbudgeterhebung 2014).

Ein Grund für die zunehmende Verschuldung der Schweizer Bevölkerung ist nicht nur die Explosion der Ausgabemöglichkeiten (z.B. Online-Shopping). Es sind auch die immer komplexer werdenden Finanzdienstleistungen und -produkte wie Konsumkredite, Leasingverträge oder e-Banking, die vermehrt in den Online-Raum verlagert werden. Daher wird es immer wichtiger, über solide Kompetenzen im Umgang mit Geld und Finanzen zu verfügen. Eine wichtige Rolle kommt hier der (Weiter-)Bildung zu, die entsprechende Kompetenzen vermitteln kann.

Bestehendes Angebot zur Förderung der Finanzkompetenzen
In der Schweiz existieren verschiedene Kurs- und Beratungsangebote, die Jugendliche und Erwachsene unterstützen, mit ihren Finanzen umzugehen. Neben den Angeboten der Regelstrukturen bieten verschiedene private Organisationen, wie Weiterbildungsanbieter, kirchliche Institutionen, Banken oder Stiftungen Kurse an. Diese Angebote widmen sich v.a. den Themen Schulden, Budget, Rechnen und Unterscheiden zwischen „wirklichen“ Bedürfnisse und Verlockungen. Die wichtigsten Zielgruppen sind gemäss Experten junge Erwachsene, verschuldete und bildungsferne Personen und Sozialhilfebezüger (SVEB, 2013, Financial Literacy, Analyse der aktuellen Situation in der Schweiz). Wichtige Akteure in diesem Bereich sind die nationale Organisation Schuldenberatung Schweiz und ihre Mitglieder.

Handlungsbedarf
Da vorwiegend junge Erwachsene Mühe im Umgang mit Geld haben, werden die Forderungen laut, dass die Schule und die Eltern ihnen die nötigen Grundkenntnisse vermitteln sollen.
Darüber hinaus wird aber auch ein Angebot spezifisch für Erwachsene immer dringlicher. Die bestehenden Förderangebote sind zahlenmässig gering, in den Städten konzentriert und wenig innovativ. Interessant wären Angebote, die sich explizit am Alltag und den Bedürfnissen Erwachsener orientieren. So wären beispielsweise online verfügbare Übungen und Materialien hilfreich, die einerseits zum selbstständigen Lernen und andererseits zum Lernen in einem Kurs für Erwachsene eingesetzt werden könnten.
Entsprechend den Anbietern ist auch die Finanzierung der Angebote sehr fragmentiert. Eine regionale oder nationale Koordination und Finanzierung durch die öffentliche Hand würde es ermöglichen, die Zielgruppe systematischer zu erreichen.

Beitrag des Projekts Managing Money
Das europäische Projekt Managing Money, in dem sich der SVEB beteiligt, möchte Kursleitende in der Schuldenberatung und in der Förderung der Finanzkompetenzen Erwachsener unterstützen. Einerseits wird dafür ein modulares Curriculum entwickelt, mit dem die Finanzkompetenzen, die in unterschiedlichen Lebenssituationen erforderlich sind, gefördert werden können. Andererseits wird eine App programmiert, mit der Erwachsene selbstständig und in Kursen lernen können, ihr Budget in den Griff zu bekommen.

Managing Money kurz erklärt
Durch die transnationale Zusammenarbeit im Projekt Managing Money werden aus den bestehenden Lehr- und Lernmaterialien und Curricula im Bereich financial literacy die besten identifiziert, weiterentwickelt, übersetzt und in den nationalen Netzwerken verbreitet. Die neu entstandenen Ressourcen informieren Weiterbildungsanbieter über Methoden und Tools für den financial literacy-Unterricht und fördern das selbständige Lernen der Betroffenen mit digitalen Open Educational Resources (OER). Das Projekt soll dazu beitragen, die Finanz-, IKT- und Alltagsmathematikkompetenzen Erwachsener und die Kursleiterkompetenzen für die Förderung der financial literacy zu verbessern. Es wird durch Movetia und das Programm Erasmus+ finanziert und läuft von Ende 2015 bis Anfang 2018.

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