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Qualitätslabels in der Weiterbildung

Viele Weiterbildungsanbieter lassen sich mit einem Qualitätslabel auszeichnen. Davon gibt es zahlreiche. Doch welche Aspekte einer Institution beurteilen die Labels? Und was genau wird zertifiziert? Die relevantesten Labels, Modelle und Zertifikate für die Sicherung und Entwicklung der Qualität in der Weiterbildung in der Schweiz sind hier zusammengestellt. Die Liste ist nicht abschliessend.

Nationale Labels und Normen

eduQua:2021 (Weiterbildungsinstitutionen)

eduQua ist das spezifisch auf Weiterbildungsanbieter zugeschnittene Schweizer Qualitätslabel. Träger des Qualitätssystems ist der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB. Mit rund 1'100 zertifizierten Institutionen ist es das bekannteste und meistverbreitete Qualitätslabel im Weiterbildungsbereich der Schweiz. Die im Jahr 2021 revidierte Norm überprüft 19 Qualitätskriterien in den Bereichen Führung und Management sowie bei den Weiterbildungsangeboten und Lernprozessen. Die eduQua-Zertifizierung unterstützt eine kontinuierliche Entwicklung der Qualität bei den Weiterbildungsinstitutionen und ermöglicht in vielen Bereichen die Erfüllung behördlicher Auflagen (z. B. für Arbeitsmarktliche Massnahmen AMM). 

Das Zertifikat ist jeweils drei Jahre gültig. Die Aufrechterhaltung wird durch ein jährlich stattfindendes Zwischenaudit überprüft.

IN-Qualis:2018 (Dienstleistungen der Arbeitsintegration)

IN-Qualis:2018 wurde am im Jahr 2019 eingeführt und ersetzt die frühere Norm SVOAM:2010. Das Qualitätsmanagementsystem sichert und entwickelt die Qualität von Dienstleistungen der Arbeitsintegration. Organisationen der Arbeitsintegration unterstützen Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei der sozialen Integration, der Integration in den Arbeitsmarkt oder in eine Ausbildungsstelle (berufliche Grundbildung). IN-Qualis bietet diesen Organisationen modulare Elemente, mit deren Hilfe sie ein Qualitätsmanagement aufbauen und betreiben können. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, mit einem jährlich stattfindenden Zwischen-Audit vor Ort.

fide-Label (Bereich Zweitsprache von erwachsenen Migrantinnen und Migranten)

Das fide-Label beruht auf dem fide-Qualitätskonzept. Es zertifiziert Angebote im Bereich Zweitsprache für erwachsene Migrantinnen und Migranten. Das Label prüft insbesondere die spezifischen Anforderungen an die didaktische Gestaltung und Durchführung gemäss fide-Prinzipien. Weiter fördert es gezielt die Qualitätsentwicklung im Bereich Organisation der Lernangebote.

FQS (Qualitätsentwicklung von Schulen auf Basis von Selbstevaluation)

Das Fördernde bzw. Formative Qualitätsevaluations-System FQS dient zur Zertifizierung, Weiterentwicklung und Überprüfung der Qualitätsentwicklung sowie Beratung von Schulen und Weiterbildungsinstitutionen. FQS geht vom Vorrang der Selbstevaluation aus: Es liegt in der Verantwortung der einzelnen Schule, die vorgegebenen und selbst definierten Qualitätsansprüche zu überprüfen und ihren Betrieb zu optimieren.

aaq (Hochschulen)

Die AAQ (Schweizerische Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung) führt gemäss Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) institutionelle Akkreditierungen im Schweizerischen Hochschulraum durch. Diese Verfahren sind Voraussetzung für das Recht, eine der drei geschützten Bezeichnungen «Universität», «Fachhochschule» und «Pädagogische Hochschule» zu tragen.

Modell F (Flexible Bildungsangebote)

Modell F bestätigt die Flexibilität bestimmter Bildungs- und Studiengänge, welche die Vereinbarkeit von Weiterbildung mit Familie, Beruf, Hochleistungssport oder Militärdienst ermöglichen. Das Zertifikat richtet sich an Weiterbildungsinstitutionen wie z. B. Fachhochschulen, Höhere Fachschulen, Berufliche Weiterbildungsinstitutionen. Diese vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützte Zertifizierung wird nur in der Schweiz verliehen. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, mit jährlichem Aufrechterhaltungs-Audit.

Weitere Qualitätsmodelle

Auf nationaler Ebene gibt es nebst den genannten, eher allgemeinen Qualitätsmodellen auch solche, die für bestimmte Schularten wie Musik-, Sport- oder Hotelfachschulen oder für die Aus- und Weiterbildung in spezifischen Branchen (Finanzen, Gesundheit, Sicherheit etc.) entwickelt wurden. Branchen- und Berufsverbände können hierzu informieren.


Internationale Modelle und Normen

ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement-System)

ISO 9001 legt Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagement-System fest. Die Anforderungen sind allgemein formuliert, so dass die Anwendung für Unternehmen und Organisationen aller Grössen und Branchen möglich ist. Das Label ist nicht spezifisch auf den Bildungsbereich ausgerichtet. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig und wird mit einem jährlichen Aufrechterhaltungsaudit überprüft. Die Kosten für eine Zertifizierung richten sich nach der Anzahl der Mitarbeitenden.

ISO 21001:2018 (Qualitätsmanagement-System für Bildungsorganisationen)

Diese neuere Norm stützt sich auf ISO 9001:2015 und löst ISO 29990 ab (2017 ausgelaufen). Sie wurde als Managementsystem-Norm mit übergeordneten Standards für Organisationen der formalen und nonformalen Bildung eingeführt. Die Struktur von ISO 20001 ist identisch mit ISO 9001. Und die Anforderungen werden, wo nötig, auf allgemeine Dienstleistungen an Lernende bezogen. Spezifische Anforderungen an die Lerndienstleistungen in der Weiterbildung sind nicht erfasst. Dafür ist die Dienstleistungsnorm ISO 29993:2018 vorgesehen.

ISO 29993:2018 (Lerndienstleistungen ausserhalb der formalen Bildung)

Diese Norm legt Anforderungen an Lerndienstleistungen ausserhalb der formalen Bildung fest. Sie ist auf alle Formen des lebenslangen Lernens ausgerichtet. z. B. der beruflichen und innerbetrieblichen Weiterbildung. ISO 29993:2018 ist vor allem darauf angelegt, verschiedene Elemente von Lerndienstleistungen aufeinander abzustimmen, einschliesslich Werbung, Information der Lernenden, Bedarfsanalyse, Gestaltung, Beurteilung und Bewertung. Ziel ist es, die Effektivität, Effizienz und Transparenz von Lerndienstleistungen zu verbessern.

EFQM:2020 (Business Excellence)

Europäisches Modell für Total Quality Management (TQM), das einen umfangreichen Managementrahmen für eine ganzheitliche Bewertung und Steuerung der Organisation bietet. Das Modell baut auf dem Zusammenspiel von drei Komponenten auf: den Grundkonzepten der Excellence, dem Kriterienmodell für die praktische Umsetzung und der RADAR-Logik als Planungs- und Bewertungsinstrument. Organisationen aus allen Bereichen können sich anhand dieses Bezugsrahmens mit nachhaltigen Organisationen vergleichen und ihre eigene Reife überprüfen und entwickeln. EFQM verfügt über mehrere Anerkennungsstufen. Die Auszeichnung ist je Stufe zwei Jahre gültig.

Internationale Qualitätslabels für Sprachschulen

Für Sprachschulen gibt es eine Reihe von internationalen und sprachregionalen Qualitätszertifikaten sowie Branchenvereinigungen mit gemeinsamen Qualitätsstandards. Die folgende Auswahl ist nicht abschliessend:

Sprachschulen mit internationalem Qualitätslabel

Internationale Akkreditierung und Zertifizierung von Business- und Management-Schulen

International bestehen diverse Systeme zur Akkreditierung bzw. Zertifizierung von Business- und Management-Schulen bzw. deren Lehrgängen. Einige wichtige Zertifikate werden hier vorgestellt (ohne Vollständigkeit):

Qualitätssiegel vergebende Institutionen

Quellen: Websites der Labels und Zusammenstellung in «Qualitätsmanagement: Modelle und Normen im Bildungsbereich» (PDF) der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK (2010).