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Qualitätslabels in der Weiterbildung

Viele Weiterbildungsanbieter lassen sich mit einem Qualitätslabel auszeichnen. Davon gibt es zahlreiche. Doch welche Aspekte einer Institution beurteilen die Labels? Und was genau wird zertifiziert? Die relevantesten Labels, Modelle und Zertifikate für die Sicherung und Entwicklung der Qualität in der Weiterbildung in der Schweiz sind hier zusammengestellt. Die Liste ist nicht abschliessend.


Nationale Modelle und Normen

eduQua:2012 (Weiterbildungsinstitutionen)

eduQua ist das einzige akkreditierte und spezifisch auf Weiterbildungsanbieter zugeschnittene Schweizer Qualitätslabel. Träger des Labels ist der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB. Mit rund 1'000 zertifizierten Institutionen ist es das bekannteste und meistverbreitete Qualitätslabel im Weiterbildungsbereich der Schweiz. Es setzt und überprüft 22 Standards für Weiterbildungsinstitutionen und verlangt eine kontinuierliche Entwicklung. Die eduQua-Zertifizierung bewirkt ausserdem die Erfüllung behördlicher Auflagen (z. B. für Arbeitsmarktliche Massnahmen AMM). Sie ist drei Jahre gültig.

Die Aufrechterhaltung wird durch ein jährlich stattfindendes Zwischenaudit überprüft. Die Rezertifizierung erfolgt nach drei Jahren. Die Kosten für das Zertifizierungsverfahren hängen von der Anzahl Teilnehmerlektionen pro Jahr ab. Für kleinere Bildungsinstitutionen betragen die Kosten für das Zertifizierungs-Audit und die zwei Zwischen-Audits insgesamt ca. Fr. 4'000.–.

IN-Qualis ehem. SVOAM (Arbeitsmarktliche Massnahmen)

IN-Qualis:2018 wurde am 1.3.2019 eingeführt und ersetzt die ehemalige SVOAM:2010. Das Qualitätsmanagement-System sichert und entwickelt die Qualität von Dienstleistungen der Arbeitsintegration. Organisationen der Arbeitsintegration unterstützen Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei der sozialen Integration, der Integration in den Arbeitsmarkt oder in eine Ausbildungsstelle (berufliche Grundbildung). IN-Qualis bietet diesen Organisationen modulare Elemente, mit deren Hilfe sie ein Qualitätsmanagement aufbauen und betreiben können. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, mit einem jährlich stattfindenden Zwischen-Audit vor Ort.

Übergangsbestimmungen SVOAM-Norm zur IN-Qualis Norm (PDF)

fide-Label (Bereich Zweitsprache von erwachsenen Migrant/innen)

Das fide-Label beruht auf dem fide-Qualitätskonzept. Es zertifiziert Angebote im Bereich Zweitsprache für erwachsene Migrant/innen. Das Label prüft insbesondere die spezifischen Anforderungen an die didaktische Gestaltung und Durchführung gemäss fide-Prinzipien. Weiter fördert es gezielt die Qualitätsentwicklung im Bereich Organisation der Lernangebote.

FQS (Qualitätsentwicklung von Schulen auf Basis Selbstevaluation)

Das Fördernde bzw. Formative Qualitätsevaluations-System FQS dient zur Zertifizierung, Weiterentwicklung und Überprüfung der Qualitätsentwicklung sowie Beratung von Schulen und Weiterbildungsinstitutionen. FQS geht vom Vorrang der Selbstevaluation aus: Es liegt in der Verantwortung der einzelnen Schule, die vorgegebenen und selbst definierten Qualitätsansprüche zu überprüfen und ihren Betrieb zu optimieren.

aaq (Hochschulen)

Die AAQ (Schweizerische Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung) führt gemäss Hochschulförderungs- und koordinationsgesetz (HFKG) institutionelle Akkreditierungen im Schweizerischen Hochschulraum durch. Diese Verfahren sind Voraussetzung für das Recht, eine der drei geschützten Bezeichnungen "Universität", "Fachhochschule" und "Pädagogische Hochschule" zu tragen.

2Q (Qualitätsverfahren für Heime, Schulen, Spitäler, soziale Institutionen)

2Q – Qualität & Qualifikation ist ein systematisches Verfahren zur kontinuierlichen Verbesserung der gesamtunternehmerischen Aktivitäten. Es setzt auf ein vorausschauendes Qualitätsmanagement und fördert ein volles Vorschlagswesen. Institutionen, die fachgerecht mit der 2Q-Methode arbeiten, können sich alle zwei Jahre zertifizieren. In der Schweiz setzen vor allem Heime, Schulen, Spitäler und weitere soziale Institutionen die 2Q-Methode ein.

Modell F (Flexible Bildungsangebote)

Modell F bestätigt die Flexibilität bestimmter Bildungs- und Studiengänge, welche die Vereinbarkeit von Weiterbildung mit Familie, Beruf, Hochleistungssport oder Militärdienst ermöglichen. Das Zertifikat richtet sich an Weiterbildungsinstitutionen wie z. B. Fachhochschulen, Höhere Fachschulen, Berufliche Weiterbildungsinstitutionen. Diese vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) unterstützte Zertifizierung wird nur in der Schweiz verliehen. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, mit jährlichem Aufrechterhaltungs-Audit. Nach drei Jahren erfolgt ein Rezertifizierungs-Audit.

Weitere Qualitätsmodelle

Auf nationaler Ebene gibt es nebst den genannten, eher allgemeinen Qualitätsmodellen auch solche, die für bestimmte Schularten wie Musik-, Sport- oder Hotelfachschulen oder für die Aus- und Weiterbildung in spezifischen Branchen (Finanzen, Gesundheit, Sicherheit etc.) entwickelt wurden. Branchen- und Berufsverbände können hierzu informieren.


Internationale Modelle und Normen

ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement-System)

ISO 9001 legt Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagement-System fest. Die Anforderungen sind allgemein formuliert, so dass die Anwendung für Unternehmen und Organisationen aller Grössen und Branchen möglich ist. Das Label ist nicht spezifisch auf den Bildungsbereich ausgerichtet. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig und wird mit einem jährlichen Aufrechterhaltungsaudit überprüft. Nach drei Jahren kann die Zertifizierung mit einem Rezertifizierungs-Audit für weitere drei Jahre erneuert werden. Im Bildungsbereich sind in der Schweiz knapp 200 Institutionen nach ISO 9001 zertifiziert. Die Kosten für eine Zertifizierung richten sich nach der Anzahl Mitarbeitender.

ISO 21001:2018 (Qualitätsmanagement-System für Bildungsorganisationen)

Diese neuere Norm stützt sich auf ISO 9001:2015 und löst ISO 29990 ab (2017 ausgelaufen). Sie wurde als Managementsystem-Norm (High Level Structure) mit übergeordneten Standards für Organisationen der formalen und nonformalen Bildung eingeführt. Die Struktur von ISO 20001 ist identisch mit ISO 9001. Und die Anforderungen werden, wo nötig, auf Bildungsanbieter bezogen. Spezifische Anforderungen an die Lerndienstleistungen in der Weiterbildung sind nicht erfasst. Dafür ist die Dienstleistungsnorm ISO 29993:2018 vorgesehen.

ISO 29993:2018 (Lerndienstleistungen ausserhalb der formalen Bildung)

Diese Norm legt Anforderungen an Lerndienstleistungen ausserhalb der formalen Bildung fest. Sie ist auf alle Formen des lebenslangen Lernens ausgerichtet (z. B. der beruflichen und innerbetrieblichen Weiterbildung). ISO 29993:2018 ist vor allem darauf angelegt, verschiedene Elemente von Lerndienstleistungen (einschliesslich Werbung, Information der Lernenden, Bedarfsanalyse, Gestaltung, Beurteilung und Bewertung) aufeinander abzustimmen. Ziel ist es, damit die Effektivität, Effizienz und Transparenz von Lerndienstleistungen zu verbessern.

ISO 29990:2010 (Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung) 2017 ausgelaufen

Die Norm ISO 29990 war eine bildungsspezifische Vertiefung der ISO 9001 für alle Bildungsinstitutionen im nonformalen Bereich. Sie beinhaltete sowohl Vorgaben für das Managementsystem als auch für die Lern-Dienstleistungen. Die Norm wurde 2017 zurückgezogen, da sie zu wenig auf die wachsende Diversität auf dem internationalen Bildungsmarkt ausgerichtet war.

EFQM:2020 (Business Excellence)

Europäisches Modell für Total Quality Management (TQM), das einen umfangreichen Managementrahmen für eine ganzheitliche Bewertung und Steuerung der Organisation bietet. Das Modell baut auf dem Zusammenspiel von drei Komponenten auf: den Grundkonzepten der Excellence, dem Kriterienmodell für die praktische Umsetzung und der RADAR-Logik als Planungs- und Bewertungsinstrument. Organisationen aus allen Bereichen können sich anhand dieses Bezugsrahmens mit nachhaltigen Organisationen vergleichen und ihre eigene Reife überprüfen und entwickeln. EFQM verfügt über mehrere Anerkennungsstufen. Die Auszeichnung ist je Stufe zwei Jahre gültig. 

EQUIS, AMBA, AACSB, FIBAA u.a. (Business und Management Schulen)

International bestehen diverse Systeme zur Akkreditierung bzw. Zertifizierung von Business- und Management-Schulen bzw. deren Lehrgängen (BBA, MBA, DBA etc.).

EAQUALS, IALC, ICC, felca, British Council, CEA, FLE, ASILS u.a. (Sprachschulen, Sprachreisen)

Ebenfalls gibt es verschiedene internationale, teils sprachregionale Qualitätszertifikate für Sprachschulen und Sprachreisen.


Quellen: Webseiten der Labels und Zusammenstellung in "Qualitätsmanagement: Modelle und Normen im Bildungsbereich" (PDF) der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK.