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Weiterbildung in der Schweiz: ein heterogenes System

Die Weiterbildung der Schweiz ist sehr vielfältig. Wer eine Weiterbildung sucht, hat eine Vielzahl von Anbietern und verschiedenste Formate zur Auswahl. Vielfalt erschwert aber auch die Übersicht. Jetzt soll das Weiterbildungsgesetz (WeBiG) die Weiterbildung in das nationale Bildungssystem einordnen und die Transparenz erhöhen.

Ein vielseitiges Angebot

In der Schweiz besteht ein umfangreiches, vielseitiges Weiterbildungsangebot. Dazu gehören Kurse, Seminare, Lehrgänge und Nachdiplomstudien, aber auch Lernmöglichkeiten ausserhalb von Kursstrukturen. In diesen Bereich fallen beispielsweise Museumsbesuche und Workshops, Lesungen, Exkursionen oder Kongresse. Ebenfalls zur Weiterbildung gehören das e-Learning und Blended Learning, Lernen am Arbeitsplatz sowie die selbstständige Nutzung von Lernmaterialien oder Fachliteratur. Auch das Lernen in selbstorganisierten Gruppen gehört zur Weiterbildung.

Das WeBiG ordnet die Weiterbildung ins Bildungssystem ein

Das neue Weiterbildungsgesetz (WeBiG) soll nun zu mehr Überblick führen. Es tritt per 1. Januar 2017 in Kraft. Damit bekommt die Weiterbildung erstmals ein Bundesgesetz und wird gesetzlich in das nationale Bildungssystem eingeordnet. Zudem definiert das Gesetz Aufgaben von Bund und Kantonen in Bezug auf die Weiterbildung. Als Rahmengesetz bezieht sich das WeBiG auf die gesamte non-formale Bildung, das heisst auf alle Weiterbildungsangebote, die nicht zu einem staatlich anerkannten Abschluss führen. 

Private Anbieter dominieren den Weiterbildungsmarkt

Nicht nur die Formen der Weiterbildungen sind heterogen, auch das Spektrum der Anbieter reicht von der kleinen Privatschule bis zum Weiterbildungskonzern und von öffentlichen Trägern, Verbänden oder Gewerkschaften bis zu Kleinstbetrieben, Lernstudios und freien Trainern. Zahlenmässig dominieren klar die privaten Anbieter: Sie stellen rund 80% der gesamten Kursstunden bereit, während die öffentlichen Träger – vor allem Universitäten, Fachhochschulen und öffentliche Berufsschulen – rund 20% der Weiterbildungsstunden anbieten.

Sprachkurse sind die häufigste Form der Weiterbildung

Vielfalt kennzeichnet auch die vermittelten Inhalte. Zu den beliebtesten Kursinhalten gehört der Dauerbrenner Sprachen mit einem Anteil von 16% an allen innerhalb eines Jahres besuchten Kursstunden. Eine wichtige Rolle spielen ausserdem (mit einem Anteil von je ca. 10%) die Bereiche Gesundheit/Medizin, Kaderkurse und Informatik. Die meisten dieser Kurse können sowohl aus beruflichen wie aus persönlichen Gründen besucht werden. Was für den Beruf gelernt wird, findet auch im Privatleben, bei ehrenamtlichen Tätigkeiten oder in Freizeitaktivitäten Verwendung – und umgekehrt: Die Arbeitswelt profitiert von Erwachsenen, die in ihrer Freizeit die unterschiedlichsten Kompetenzen erwerben.

So verstehen wir den Weiterbildungsbegriff

Beim SVEB verwenden wir einen integralen Weiterbildungsbegriff, der auf dem Paradigma des Lebenslangen Lernens basiert. Das heisst: Berufsorienterte und allgemeine Weiterbildung werden nicht als zwei unterschiedliche Segmente verstanden, sondern eher als zwei Seiten einer Medaille.
Für den Einzelnen kann das Gelernte sowohl beruflich als auch privat relevant sein. Eine Kompetenz, die aus persönlichen Gründen erworben wird – beispielsweise ein Sprachkurs – kann sich später auch beruflich als nützlich erweisen. Und umgekehrt: Was im und für den Beruf gelernt wird, kommt oft auch im privaten Umfeld zum Einsatz.
Die Begriffe „Weiterbildung“ und „Erwachsenenbildung“ werden in der Schweiz weitgehend synonym gebraucht. Neben organisierten Lernangeboten gehört auch das informelle Lernen zur Weiterbildung. Das sind Lernaktivitäten, die explizit einem Lernziel dienen, aber nicht im Rahmen einer Lernbeziehung stattfinden, also beispielsweise das selbstständige Lesen von Fachliteratur oder das Lernen von Arbeitskollegen on-the-job.

Neuer Begriff: die non-formale Bildung

Mit der Einführung des WeBiG setzt sich allmählich der Begriff der non-formalen Bildung durch. Dieser Begriff ist auch international verbreitet, bedeutet aber mitnichten überall dasselbe. In der Schweiz definiert das WeBiG, was non-formales Lernen ist:

WeBiG Art. 3 Begriffe
«a. Weiterbildung (nichtformale Bildung): strukturierte Bildung ausserhalb der formalen Bildung.»
Unter strukturierter Bildung sind Lernformen zu verstehen, die in einer „definierten Lehr-Lern-Beziehung“ stattfinden. Das können, müssen aber nicht Kurse sein.
Zur formalen Bildung gehört Bildung, die zu einem staatlich geregelten Abschluss führt (Sekundarstufe II, Höhere Berufsbildung, akademischer Grad).