Hochrangige ukrainische Delegation in der Schweiz: Weiterbildung spielt zentrale Rolle bei Wiederaufbau


Eine elfköpfige Delegation bestehend aus ukrainischen Parlamentariern sowie Vertretenden des Bildungsministeriums hat die Schweiz und Deutschland besucht mit dem Ziel, Impulse für das eigene Weiterbildungssystem zu erhalten. Das Fazit: Weiterbildung spielt eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau in der Ukraine und es besteht grosses Potential für die fachliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Ukraine.

Da es Fachkräfte mit entsprechenden Kompetenzen und Qualifikationen braucht, um die wirtschaftliche Erholung und den institutionellen Wiederaufbau in der Ukraine nachhaltig zu sichern, wird die Weiterbildung eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau einnehmen, machte die ukrainische Delegation klar.

Das ukrainische Parlament diskutiert derzeit intensiv, wie lebenslanges Lernen systematisch zu verankern ist, welche Angebote geschaffen werden können und wie diese gesetzlich zu regeln sind.

Herausforderung Umschulungen

Als grosse Herausforderung nannte die Delegation die berufliche Integration von Rückkehrenden sowie Veteraninnen und Veteranen nach Kriegsende, da innert kurzer Zeit ein hoher Weiterbildungsbedarf entstehen wird. Ziel ist es, die Kapazitäten des Weiterbildungssystems deutlich auszubauen.

Geplant sind pilotartige Ansätze, etwa neue Qualifizierungszentren mit abgestuften Bildungsangeboten sowie flexible, modulare Ausbildungsformate. Pilotprojekte werden gemeinsam mit Bibliotheken, Hochschulen, Gemeinden und privaten Akteuren umgesetzt. Ergänzend sollen Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen gestärkt werden, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung wichtige Berufsfelder. Eine enge Kooperation mit der Wirtschaft gilt dabei als zentral.

Nicht nur berufliche Kompetenzen sind wichtig

Ergänzend zu beruflichen Qualifikationen rücken Soft Skills sowie Medien- und politische Kompetenzen stärker in den Fokus. Doch auch psychische Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit Kriegserfahrungen, sind zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund interessierte die Delegation besonders, wie Weiterbildung in der Schweiz konkret umgesetzt und institutionell verankert ist. Der Besuch bot Gelegenheit, sowohl praxisnahe Einblicke zu gewinnen als auch den Austausch mit zentralen Akteuren auf Bundesebene zu vertiefen.

Praxiseinblick und Austausch mit Bundesämtern

Das Highlight des ersten Tages war der Besuch bei der EB Zürich. Die Weiterbildungsinstitution empfing die Delegation in ihren Räumlichkeiten und ermöglichte einen praxisnahen Einblick in ihre Arbeit. Anhand von Angeboten und Projekten diskutierten die Anwesenden, welchen Beitrag digitales Lernen im Bereich des lebenslangen Lernens leisten kann.

Am zweiten Tag in Bern traf sich die Delegation mit Vertretenden der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, dem Sonderdelegierten des Bundesrates für die Arbeitsmarktintegration von Personen aus der Ukraine, Vertretenden des Staatssekretariats für Migration SEM und des Staatsekretariates für Forschung, Bildung und Innovation SBFI.

Bei dem Treffen mit der DEZA standen bisherige Bemühungen und geplante Initiativen der Schweiz in der Ukraine im Vordergrund. Die DEZA engagiert sich seit den 1990er-Jahren in der Ukraine und hat ihre Unterstützung seit 2022 deutlich ausgebaut – unter anderem in der humanitären Hilfe sowie der Regierungs- und Verwaltungsunterstützung. Bei der Weiterbildung geht es vor allem um die Stärkung der wirtschaftlichen Teilhabe, der Beschäftigungsfähigkeit sowie der Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarkts.

Sonderstatus S mit dualem Ansatz

Im Rahmen des Treffens mit dem Sonderdelegierten des Bundesrates für die Arbeitsmarktintegration von Personen aus der Ukraine, Adrian Gerber, und Vertreter und Vertreterinnen des Staatssekretariates für Migration standen die Themen Integration, Arbeitsmarktzugang und Diplomanerkennung im Fokus. Adrian Gerber stellte den Schutzstatus S vor, der seit 2022 Personen aus der Ukraine temporären Schutz sowie Zugang zu Arbeit und Bildung bietet. Der duale Ansatz zielt darauf ab, die Integration in der Schweiz zu stärken und gleichzeitig Kompetenzen für eine spätere Rückkehr in die Ukraine aufzubauen. Diskutiert wurden zudem Fragen der Qualifikationsanerkennung und der Rahmenbedingungen.

Am Nachmittag des zweiten Tages empfing die Staatssekretärin Martina Hirayama die Delegation und würdigte die bilateralen Beziehungen der beiden Länder. Sabine Scheiben, Verantwortliche für die Weiterbildung beim SBFI, präsentierte ausserdem das Weiterbildungssystem der Schweiz. Thematisiert wurde auch die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen.

Im Anschluss fand ein Austausch mit Nationalrat Balthasar Glättli im Bundeshaus statt.

Langfristige Zusammenarbeit

Der Besuch in der Schweiz bot der Delegation nicht nur Einblicke in Strukturen und Instrumente der Erwachsenenbildung, sondern vor allem Raum für vertieften fachlichen Austausch. Die Gespräche zeigten, wie wichtig der Dialog zwischen Praxis, Verwaltung und Politik ist, um tragfähige Lösungen für komplexe Herausforderungen zu entwickeln. Der direkte Kontakt mit Bildungsinstitutionen und Bundesstellen lieferte wertvolle Impulse für die weiteren Diskussionen in der Ukraine. Gleichzeitig wurde deutlich, dass langfristige Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen eine zentrale Rolle für den Ausbau des Weiterbildungssystems in der Ukraine spielen.