Eine Studie des österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung hat untersucht, wie die Erwachsenenbildung mit dem Thema Nachhaltigkeit umgeht. Dabei wird das Thema meist projektbezogen oder anlassorientiert behandelt, ohne Einbindung in Leitbilder, Programme und Strukturen. Für die Zukunft wollen viele Einrichtungen Nachhaltigkeit als Querschnittsthema verankern.
Nachhaltige Entwicklung erfordert nicht nur technologische und wirtschaftliche Lösungen oder einzelne Verhaltensänderungen, sondern einen umfassenden Lern- und Veränderungsprozess auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene. So weit die Prämisse der Studie des österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung unter dem Titel «Next Level Sustainability? Nachhaltigkeit als Thema und Aufgabe der Erwachsenenbildung». Die Studie «systematisiert Konzepte und Instrumente, dokumentiert Praxis und Konfliktlinien, benennt institutionelle Aufgaben und skizziert Wege, wie die Erwachsenenbildung in Österreich ihre Potenziale für eine lebenswerte, gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft noch besser ausschöpfen kann».
Erwachsenenbildung nehme in der nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle ein, weil sie auch jene Zielgruppen erreiche, die in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Entscheidungen treffen und damit die materiellen und normativen Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens wesentlich prägen.
Kaum systematisch oder strategisch eingebunden
Die Ergebnisse einer Online-Befragung unter Mitarbeitenden von zwei Verbänden allgemeiner Erwachsenenbildung zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung grundsätzlich als relevantes Thema anerkannt, jedoch sehr unterschiedlich verankert ist. In vielen Einrichtungen fehlt eine systematische und strategische Einbindung in Leitbilder, Programme und Strukturen, sodass Nachhaltigkeit häufig projektbezogen oder anlassorientiert behandelt wird. Zudem berichten einige Akteurinnen und Akteure von nachlassendem Interesse, Schwierigkeiten bei der Ansprache neuer Zielgruppen und einer gewissen Ermüdung durch die inflationäre Verwendung des Begriffs Nachhaltigkeit.
«Besonders wirksam wird nachhaltige Erwachsenenbildung dort eingeschätzt, wo sie praxisorientiert, lebensweltbezogen und dialogisch gestaltet ist und Nachhaltigkeit glaubwürdig vorlebt, etwa durch eine klimafreundliche Organisation von Veranstaltungen», heisst es in der Studie. Rein theoretische oder belehrende Angebote stossen hingegen oft auf geringe Resonanz. Für die Zukunft planen viele Einrichtungen, Nachhaltigkeit stärker als Querschnittsthema zu verankern, neue kooperative und innovative Lernformate zu entwickeln und soziale Aspekte wie Klimagerechtigkeit und regionale Resilienz stärker zu berücksichtigen.
Wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit
Auf organisationaler Ebene spielt der Whole Institution Approach (WIA), der Nachhaltigkeit als Aufgabe der gesamten Institution begreift, zunehmend eine Rolle. Er geht davon aus, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung besonders wirksam ist, wenn Lernen und institutionelles Handeln miteinander verbunden werden. Entsprechen wirken Bildungseinrichtungen dann glaubwürdig, wenn sie Nachhaltigkeit nicht nur lehren, sondern selbst leben. Transparenz, Partizipation und Handlungsorientierung stärken zudem die Motivation aller Beteiligten und erhöhen die Überzeugungskraft nachhaltiger Bildungsarbeit.
Insgesamt zeigt sich, dass Erwachsenenbildung kein Allheilmittel ist, aber einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung, zur Förderung nachhaltigen Handelns im Alltag und zur Unterstützung langfristiger gesellschaftlicher Transformationsprozesse leisten kann.

