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AdA-Plattformtagung 2019: «Wir werden alle Rückmeldungen aufnehmen, prüfen und wo sinnvoll und möglich miteinbeziehen»

  • 30.09.2019

Am 26. September trafen sich in Bern rund 80 Personen, um den aktuellen Stand der AdA-Revision kritisch zu reflektieren. Für Andreas Schubiger, berufspädagogischer Begleiter und einer der Moderatoren der Tagung, waren die Feedbacks wichtig; sie werden inhaltlich wo möglich aufgenommen. Auch im weiteren Verlauf des Prozesses wird auf dieses Gefäss zurückgegriffen.

Interview Ronald Schenkel

Zum zweiten Mal wurde nun im Rahmen einer Plattformtagung die Reform des AdA-Baukastensystems thematisiert. Wie würden Sie die Rolle der Plattformtagung umschreiben?

Die Plattformtagung bietet die einmalige Gelegenheit, möglichst alle Anbieter vor Ort zu versammeln, sie über den Prozess und den Stand der Dinge zu informieren und ins Boot zu holen. In der Phase, in der wir uns jetzt befinden, war es besonders wichtig, noch einmal die Stimmen der Anbieter zu hören. Wir müssen nicht zuletzt gegenüber dem SBFI belegen, dass wir eben solche Vernehmlassungen durchführen. Und wir werden das Instrument der Plattformtagung auch später nutzen, wenn es um die Implementation der Revision geht.

Rund 80 Personen haben dieses Mal in Bern teilgenommen, an Round-Tables sehr angeregt gearbeitet und engagiert diskutiert. Wie erklären Sie sich diese Beteiligung?

Wir hatten erfreulicherweise immer schon eine rege Beteiligung an den Plattformtagungen. Das grosse Engagement der Teilnehmenden an dieser letzten Tagung ist eindeutig damit zu erklären, dass es um ihr Produkt geht, das sie mit viel Herzblut vertreten. Es besteht mit anderen Worten ein hohes Eigeninteresse.

Die Teilnehmenden waren aufgefordert, die bisherigen Ergebnisse der Reform kritisch zu beurteilen. Taten sie das?
Eindeutig, wobei es Unterschiede gab. Die Berufsprofile sind ja inzwischen bereits weit ausgereift. Hier war man bereit, sogar ins Detail zu gehen. Es wurden auch kritische Fragen gestellt, die auf mögliche Unstimmigkeiten hinweisen. Natürlich habe ich noch nicht alles ausgewertet. Aber ich bin überzeugt, mit diesen Feedbacks die Kompetenzprofile auf einen nächsten Reifegrad bringen zu können. Beim zweiten Teil, beim Qualifikationsverfahren, zeichnet sich jetzt ab, dass wir wohl einen Spagat machen müssen zwischen Wünschbarem und Umsetzbarem. Bei diesem Thema hat sich mir auch wiederum klar gezeigt, dass wir es an der Tagung mit Expertinnen und Experten zu tun haben; mit ihrer Expertise haben sie die Möglichkeiten ausgeschöpft und ergänzt. Die kritischste Phase war die dritte, bei der es um den Baukasten an sich ging. Das haben wir aber auch erwartet, denn die von uns präsentierte Version ist noch bewusst unvollständig formuliert. Diese Version ist grundsätzlich auf der Basis der Anbieterumfrage des letzten Jahres und deren Auswertungen entstanden. Wir erhielten in dieser Umfrage klare Hinweise, wie sich der Modulbaukasten verändern sollte. Verminderung von Passerellen, höhere Flexibilität des Modulbaukastens, aber auch inhaltliche wie methodische Veränderungsvorschläge wurden in diesem Entwurf aufgenommen. Diese geforderten Veränderungen wurden insbesondere im ersten Workshop dieses Jahres mit einer breit  abgestützten Vertretung von Arbeitgebern zusätzlich validiert.

Wie fliessen die Rückmeldungen in die Reform ein?

Wir werden alle Rückmeldungen aufnehmen, prüfen und wo sinnvoll und möglich miteinbeziehen. Aber nun konkret zu den Rückmeldungen: In einem ersten Schritt werde ich sie transkribieren und zusammenfassen, in einem nächsten folgt die Bewertung und in einem dritten Schritt werde ich versuchen, die Bewertungseinschätzung einfliessen zu lassen. Es wird auch konkrete Veränderungsvorschläge und, da die Rückmeldungen der verschiedenen Teilnehmenden sich zum Teil auch widersprechen, Varianten geben, die dann der Trägerschaft, also der SK AdA, präsentiert werden.

In einer Mentimeter-Umfrage haben Sie die Zustimmung bzw. Ablehnung zu den neuen Berufsprofilen erhoben. Dabei haben die Romands sich deutlich kritischer als die Deutschschweizer geäussert. Wie ist das zu erklären?
Grundsätzlich dürfen wir solche Einschätzungsbarometer nicht überschätzen. Die Fragestellungen waren eher pauschal gestellt und liessen in der individuellen Interpretation viel Spielraum offen. Ich stelle persönlich fest, dass für die Romands eine Verschiebung der Berufsprofile eine gewichtigere Bedeutung hat als für die deutsche Schweiz. Beim Fachausweis stehen wir in der deutschen Schweiz weniger unter Druck durch andere Systeme als in der Romandie. Dort steht man noch stärker in Konkurrenz mit Abschlüssen der Berufsbildungsverantwortlichen und den Hochschulen.

Andreas Schubiger
Andreas Schubiger, berufspädogogischer Begleiter der Revision, wird die Ergebnisse der AdA-Plattformtagung 2019 sammeln und auswerten. (Bild: Ronald Schenkel/SVEB)

Mentimeter-Umfragen

Gibt es nicht auch kulturelle Unterschiede?
Ich stelle fest, dass wir im Bereich Kompetenzverständnis unterschiedliche Referenzpunkte haben. In der Romandie bezieht man sich stark auf die frankophone Literatur, die von uns nicht rezipiert wird. Umgekehrt wird die für uns prägende deutschsprachige oder anglo-amerikanische Literatur in der Romandie kaum aufgegriffen. Dazwischen liegen zwar nicht Welten. Aber es gibt Nuancen, die zuweilen zu unterschiedlichen Einschätzungen führen. Wir haben die Chance, beide Welten in diesem Prozess einzubringen und die reiche Kultur in der Erwachsenenbildung der Romandie für uns fruchtbar zu machen. Deswegen war ich auch sehr glücklich darüber, dass Patrik Rywalski vom IFFP über die Beurteilung von Kompetenzen mit Bezug vor allem auf französische Quellen gesprochen hat.

Die meisten Fragen wurden im Zusammenhang mit dem Umbau des Modulbaukastens gestellt. Wie ist das zu erklären?
Einzelne sind wohl davon ausgegangen, dass alles gesetzt ist. Das ist nicht der Fall. Wir haben eine erste Skizze präsentiert, die, wie bereits erwähnt, auf den Hauptergebnissen der Rückmeldungen basiert. Nichtsdestotrotz: Sobald ich als Anbieter einen möglichen Modulbaukasten mit Abweichungen vom IST-Zustand sehe, werden betriebswirtschaftlichen Überlegungen wie Umsetzungsszenarien aktiv. Für die Trägerschaft wird es die Herausforderung sein, diese kritischen Rückmeldungen ernst zu nehmen, sich gleichzeitig aber nicht von Partikulärinteressen beeinflussen zu lassen.

Verschiedene Round-Tables beschäftigten sich mit der Durchführbarkeit von Wahlmodulen. Für kleine Anbieter sei das eher schwierig. Stimmt das?
Auf den ersten Blick meint man, alle müssten die Wahlmodule anbieten. Modularer Baukasten heisst aber, dass man als Konsument wechseln kann. In diesem System kann ich mich als kleiner Anbieter mit einem speziellen Wahlmodul sogar besser positionieren. Das haben wir in der Kommunikation nicht klar hervorgehoben. Aber hier ist sehr viel möglich. Es war und bleibt ein Ziel dieser Reform, dass alle Anbieterformen für ihre teils spezifischen Zielgruppen eine Angebotsform realisieren können. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zu einer breiten Professionalisierung der Erwachsenenbildung.

Auch führten Wahlmodule zu sehr unterschiedlichen Profilen mit gleichem Titel, hiess es. Sehen sie darin auch eine Gefahr?
Es gibt verschiedene Antworten. Am Ende durchlaufen alle das gleiche Quali-Verfahren. Doch heute schon sind unsere Leute in ganz unterschiedlichen Feldern tätig. Dem versuchen wir noch stärker Rechnung zu tragen, indem wir vermeiden wollen, dass sich die Leute Kompetenzen aneignen, die sie gar nicht anwenden werden. Sowohl die Arbeitgeber wie auch die Anbieter haben uns signalisiert, dass wir in diesem Punkt flexibler werden müssen.

Sie werden nun alle Feedbacks zusammentragen, auswerten und in die Reform einspeisen. Aber wer hat am Ende das letzte Wort?
Substantielle Änderungen müssen von der Trägerschaft, der SK AdA, abgenommen werden. Und am Ende müssen die Vorstände der Trägerverbände das Reformergebnis gutheissen. Für inhaltliche Entscheide steht uns eine Expertengruppe in Form der Qualitätssicherungskommission  zur Verfügung. Bei der Umsetzung sind wir in der glücklichen Lage, ein kompetentes Profisystem in der Person einer Geschäftsführung mit Mitarbeitenden zur Verfügung zu haben. Die Prüfungsordnungen und die Wegleitung dazu werden schlussendlich vom SBFI genehmigt.