Hauptinhalt

Aktuelle Weiterbildungsstudie zum Thema Beratung

  • 27.05.2020

Beratung ist wichtig. Das bestreitet gerade in der Weiterbildung mit ihren unzähligen Angeboten und Abschlüssen niemand. Doch von der Kurswahl bis zur langfristigen Karriereplanung – Beratung ist so vielseitig und unüberschaubar wie die Weiterbildung selbst. Die Weiterbildungsstudie liefert erstmals Zahlen zu diesem Bereich.

(PhS) Die Weiterbildungsstudie wird vom SVEB zusammen mit der PH Zürich als periodische Befragung von Weiterbildungsanbietern in der Schweiz durchgeführt. Die aktuelle Ausgabe analysiert die Ergebnisse einer Online-Befragung von 383 Weiterbildungsanbietern aus allen Sprachregionen. Im Fokus stand dabei das Thema Beratung.

Wie die Schweizer Weiterbildung selbst, so ist auch die Beratung in diesem Bereich sehr vielseitig: Der Begriff reicht von der Beantwortung kurzer telefonischer Anfragen bis hin zur längerfristigen Karrierebegleitung und -planung. Um diese verschiedenen Leistungen für die Studie fassbar zu machen, wurden drei Beratungsformen differenziert: Die Informations- und Angebotsberatung, die auf das Angebot der eigenen Institution fokussiert, die Lernberatung, die im Rahmen laufender Lehrveranstaltungen stattfindet, und die Bildungsberatung, die über das eigene Angebot hinausgeht und hauptsächlich Fragen der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung und Orientierung betrifft.

Download der Studie (PDF)

Publikation bestellen

Ein zentrales Thema

Durch diese Einteilung kann die Studie aufzeigen, welche Beratungsleistungen am häufigsten durchgeführt werden, auf welche Art dies geschieht und welche Mitarbeitenden dabei involviert sind. Neben diesem detaillierten Blick zeigt die Studie auch auf, dass die Beratung insgesamt ein sehr relevantes Handlungsfeld für die Weiterbildungsanbieter ist: Gerade einmal sechs der 383 befragten Anbieter führen keine Beratungen durch. Und die Bedeutung, die Weiterbildungsanbieter der Beratung zuschreiben, ist nicht nur sehr hoch, sondern mitunter auch für den Geschäftserfolg zentral.

Diese Relevanz zeigt sich auch im Aufwand, der dafür betrieben wird: Rund ein Fünftel des Arbeitspensums des gesamten Weiterbildungspersonals wird durch Beratungen eingenommen. Der Umfang variiert je nach Personalkategorie, bestimmt aber von der Administration über die Kursleitenden bis in die Bereichleitungen immer über 15 Prozent des Arbeitsaufwands. Diese Erkenntnis zeigt nicht nur die Bedeutung der Beratung als Tätigkeitsfeld in der Weiterbildung nochmals klar auf, sondern kann auch als Votum für die Integration von entsprechenden Beratungskompetenzen in die Qualifizierung des gesamten Personals gelesen werden.

Konfliktpotential bei der Bildungsberatung

Aus Sicht der Anbieter sind diese Kompetenzen aktuell vorhanden. Gerade bei der Bildungsberatung ist es von aussen jedoch schwierig abzuschätzen, inwiefern die vorhandenen Qualifikationen und Kompetenzen tatsächlich adäquat sind. Denn die Bildungsberatung erfordert nicht nur Fachwissen über die Weiterbildung, sondern auch vertiefte Fähigkeiten darin, individuelle Bildungswege aufzuzeigen und Personen dabei zu begleiten. Während zweiteres sehr spezifische Ansprüche an die Qualifikationen stellt, zeigt die Studie, dass gerade auch beim Wissen über das Weiterbildungssystem und seine vielseiten An- und Abschlüsse ein eher hoher Weiterbildungsbedarf besteht.

In der Bildungsberatung verbirgt sich ein weiterer Konfliktpunt: Mit diesen Beratungsleistungen greift die Weiterbildung eine Dienstleistung auf, die ein Schwerpunkt für öffentliche Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen ist – auch wenn diese bisher kaum Erwachsene erreicht, wie eine Studie 2019 gezeigt hat. So entstehen zwar neue Zugänge für Erwachsene, doch sind diese nicht ganz unproblematisch: Für private Anbieter könnten dabei durchaus Interessenkonflikte zwischen der Neutralität der Beratung und den Geschäftsinteressen der Schule entstehen. Es wird notwendig sein, sowohl die Vielfalt der Beratungsangebote in diesem Bereich zu erhalten als auch die trägerunabhängige, öffentliche Beratung in Bezug auf Erwachsene zu stärken.

Erfassung

Eine eher überraschende Erkenntnis der Studie, die im Kontrast zur hohen Relevanz der Beratung steht, ist, dass Beratungsleistungen von Weiterbildunganbietern kaum dokumentiert werden und noch seltener kostenpflichtig sind. Letzteres deckt sich mit der Einschätzung der Anbieter selbst, dass Beratungen für die Weiterbildung selten eine direkte Einnahmequelle bilden, sondern ihre Relevanz eher über Kundengewinnung, -bindung und die Positionierung als Anbieter entfalten. Die fehlende Erfassung der Leistungen auf Organisationsebene könnte aber durchaus eine Herausforderung sein, wenn es darum geht, diese zu professionalisieren.

Strukturdaten des Weiterbildungsmarkts 

Neben den thematischen Fragen erfasst die Weiterbildungsstudie Kennzahlen zum Weiterbildungsmarkt. Bezüglich Sprachregion, Trägerschaft und Grösse entspricht das Sample in etwa der Verteilung im Weiterbildungsfeld. Die befragten Anbieter sind mehrheitlich in privater Trägerschaft: 58 Prozent sind privat-kommerzielle, 25 Prozent privat-gemeinnützige und 17 Prozent öffentliche Anbieter. Knapp die Hälfte der Institutionen lässt sich auf Grund der Mitarbeitenden, der Belegungen und der Kursstunden als kleine Anbieter einstufen. 45 Prozent sind mittlere und 8 Prozent sind grosse Anbieter.