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Travail.Suisse fordert Weiterbildungsoffensive

  • 06.07.2022

Angesichts des sich rasant verändernden Arbeitsmarkts wird Weiterbildung immer wichtiger. Der Dachverband der Arbeitnehmenden, Travail.Suisse, hält jedoch die Unterstützung seitens Arbeitgeber wie auch seitens der öffentlichen Hand für mangelhaft. Er fordert deshalb eine gross angelegte Weiterbildungsoffensive.

Weiterbildung müsse zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden. Das verlangt der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, Travail.Suisse, in seiner aktuellen Stellungnahme vom 5. Juli 2022. Eine eigentliche Weiterbildungsinitiative sei deshalb dringend nötig. Diese zielt im Wesentlichen auf vier Punkte ab:

  • Verbesserter Zugang zu Weiterbildung, gezielte Förderung der Grundkompetenzen und Erhöhung der Zahl der Berufsabschlüsse von Erwachsenen
  • Ausbau der finanziellen Unterstützung von Weiterbildungsbemühungen durch Arbeitgeber und die öffentliche Hand ohne Diskriminierung
  • Flexibel und modular aufgebaute Weiterbildungsangebote zur besseren Vereinbarkeit mit Beruf, Familie und anderen Pflichten
  • Ausbau von Information und Beratung zu Weiterbildung für Erwachsene

Zum einen seien konstruktive und hilfreiche Mitarbeitergespräche ein geeignetes Mittel dazu. Zum anderen werde auch die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung für Erwachsene immer wichtiger.

Fortschreitender Strukturwandel

Travail.Suisse begründet die Forderung mit dem fortschreitenden Strukturwandel, der die ständige Aneignung von neuem Wissen und neuen Qualifikationen unumgänglich mache. Allerdings würden Arbeitnehmende dabei häufig alleine gelassen. Zudem würden bestimmte Gruppen bei der Förderung durch Weiterbildung von ihren Arbeitgebern benachteiligt. Dazu gehörten Frauen, Migrantinnen und Migranten oder Teilzeit-Angestellte.

Folglich sei auch die Zahl derer, die als Erwachsene einen Berufsabschluss nachholen würden, deutlich zu tief. Travail.Suisse beruft sich dabei auf eine neue Studie der Berner Fachhochschule BFH. Diese besagt, dass rund 336'000 Personen ohne nachobligatorischen Abschluss das Potenzial hätten, einen Berufsabschluss für Erwachsene zu erlangen. Doch durchliefen nur rund 5'000 Personen jährlich diesen Prozess.

Position des SVEB

Der SVEB unterstützt die von Travail.Suisse geforderte Bildungsinitiative weitgehend. Wie er in seinem aktuellen Positionspapier zur Förderung der berufsorientierten Weiterbildung festhält, steht einem steigenden Qualifikations- und Weiterbildungsbedarf eine deutlich gesunkene und weiter sinkende Weiterbildungsbeteiligung gegenüber. Der SVEB sieht dringenden Handlungsbedarf, vor allem bei der Förderung von Massnahmen für Geringqualifizierte. Aus aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) geht hervor, dass sich die Unterstützung von Geringqualifizierten durch die Arbeitgeber zwischen 2016 und 2021 halbiert hat.

Als geeignete Massnahmen zur Förderung von Geringqualifizierten erachtet der SVEB die Nutzung von Bildungsgutscheinen, verknüpft mit einer beruflichen Standortbestimmung. Er verweist dabei auf die Initiative des Bundes und der Kantone, viamia, die eine solche Standortbestimmung für über 40-Jährige kostenlos anbietet. Zudem empfiehlt der SVEB die Ausweitung des bestehenden Bundesprogramms «Einfach besser! … am Arbeitsplatz». Das Programm erreicht Personen in einer festen Anstellung und kann eine Brückenfunktion zum Berufsabschluss für Erwachsene einnehmen.

Des Weiteren sind Berufsabschlüsse ein wichtiges Instrument, um Arbeitsmarktsicherheit und berufliche Mobilität Erwachsener zu gewährleisten. Bereits 2017 hat der SVEB in einem Positionspapier auf die Umstände hingewiesen, die einem Berufsabschluss für Erwachsene im Wege stehen. Es sind dies fehlende erwachsenengerechte Qualifizierungsangebote, Förderbedarf bei den Grundkompetenzen, fehlender Zugang zu Information, ungenügende Beratung und Begleitung sowie finanzielle Hürden.

Travail.Suisse: Medienmitteilung vom 5.7.22

Travail.Suisse: Auslegeordnung zur Unterstützung beruflicher Entwicklung von Arbeitnehmenden (17 S.)

Bild: Travail.Suisse