Die bildungspolitische Tagung des SVEB stand im Zeichen einer weiterbildungspolitischen Standortbestimmung. Dabei zeigte sich ganz klar Handlungsbedarf und auch die Bereitschaft, etwas zu unternehmen. Doch wo ansetzen?
Wie weiter in der Weiterbildungspolitik? Unter diesem Motto stand die Delegiertenversammlung 2026, die 75. in der SVEB-Geschichte.
Tiana Moser: Es ist zu wenig passiert.
Nach dem erwartungsgemäss unspektakulären statutarischen Teil nahm SVEB-Präsidentin Tiana Moser eine weiterbildungspolitische Standortbestimmung vor. Sie stellte klar, dass Weiterbildung nicht nur Privatsache ist und dass seit der Einführung des Weiterbildungsgesetzes zu wenig passiert ist, etwa um niedrigqualifizierte Schweizerinnen und Schweizer zu befähigen. 1,67 Millionen Erwachsene in der Schweiz verfügen über ungenügende Grundkompetenzen. Auch die Disparität (Hochqualifizierte bilden sich öfter weiter als jene, die es nötiger hätten) sei nach wie vor ein Problem und die KMU sehen sich nicht selten mit der Weiterbildung überfordert.
Das Potential der Weiterbildung zur Förderung der demokratischen und kulturellen Beteiligung (Citizenship) sowie dem sozialen Zusammenhalt werde nicht genutzt. Trotz positiven Entwicklungen sei die Weiterbildungspolitik des Bundes gerade vor dem Hintergrund des Angriffs auf die Finanzierung der Weiterbildung im Entlastungspaket 27 widersprüchlich. Es fehle zudem eine kohärente Strategie, welche Ziele, Massnahmen und Verantwortlichkeiten definiere. Wichtige Fragen wie «welche Teilnahme an der Weiterbildung streben wir an?» oder «welche Rolle soll die Weiterbildung zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz spielen?» blieben so unbeantwortet. Der SVEB fordere darum eine zielorientierte und aktive Weiterbildungspolitik.
Podiumsdiskussion: Nicht nur die Besten fördern!
Beim Podiumsgespräch mit Hans Jörg Rüegsegger (Nationalrat SVP), Dominik Blunschy (Nationalrat Die Mitte), Fabien Fivaz (Ständerat Grüne) unter der Moderation von Pius Knüsel wurde deutlich, dass es neue Impulse in der Weiterbildungspolitik braucht. Darüber, wo die Schwerpunkte liegen und wie die Veränderungen angegangen werden sollen, war man sich aber nicht gänzlich einig.
Einerseits wurde von Eigenverantwortung gesprochen, andererseits, dass man nicht nur die Besten fördern soll. Es wurde votiert, Berufsbildung und Weiterbildung stärker zusammenzudenken und dafür, dass es ein gemeinschaftliches Commitment zur Weiterbildung brauche. Das Spektrum der Themen reichte von grundsätzlichen Überlegungen über die Bedeutung der Weiterbildung im Rentenalter oder die Rolle der Eltern und der Schule bis hin zu eigenen Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz. Ein Votum aus dem Publikum fasste es so zusammen: Die Diskussion belege, dass eine nationale Weiterbildungsstrategie mit klaren Schwerpunkten nötiger sei denn je.
Es soll also etwas passieren. Der SVEB wird die Forderung nach der Erarbeitung einer nationalen Weiterbildungsstrategie ins Parlament bringen.
Gelungener Event mit guter Stimmung
Zum Abschluss war anlässlich des SVEB-Jubiläums ein Mentimeter-Quiz geplant. Aufgrund technischer Schwierigkeiten musste das digitale Quiz kurzerhand analog durchgeführt werden – Alltag in der Erwachsenenbildung. Der guten Laune machte dies jedoch keinen Abbruch.
Ein Apéro mit Live-Musik rundete den gelungenen Event an schönster Lage in Bern ab. Der SVEB dankt allen Beteiligten für die Teilnahme und ihre Mitarbeit.

