Hauptinhalt

Weiterbildungsoffensive in der Sozialhilfe

Die Hälfte der Erwachsenen, die Sozialhilfe benötigen, hat keinen Berufsabschluss. Fast 30 Prozent haben Probleme mit den Grundkompetenzen. Sie verfügen somit nicht über die Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration in einen sich rasch entwickelnden Arbeitsmarkt. Dafür braucht es in den Sozialdiensten entsprechende Förderstrukturen. Im Rahmen der von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und dem Schweizerischen Verband für Weiterbildung (SVEB) lancierten Weiterbildungsoffensive werden 10 Sozialdienste unterschiedlicher Grösse beim Aufbau einer Förderstruktur bedarfsorientiert unterstützt und begleitet.

Ziel der Weiterbildungsoffensive ist es, Bezügerinnen und Bezügern von Sozialhilfe ohne genügende Grundkompetenzen und ohne abgeschlossene Berufslehre die Möglichkeit zu geben, sich nach ihren individuellen Voraussetzungen und ihrer Eigenmotivation weiterzubilden. Das bedeutet, dass die Bestimmung des Bildungswegs eine Abklärung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten voraussetzt. Das Ergebnis dieses Assessments ist ein verbindlicher individueller Bildungsplan.

Projektbeschreibung

Die Förderung basiert auf einem dreistufigen Modell der Qualifizierung:

  1. Erwerben von Grund-, Schlüssel- und Alltagskompetenzen;
  2. Erwerben von beruflichen Qualifikationen unterhalb der Schwelle der beruflichen Grundbildung;
  3. Absolvieren einer beruflichen Grundbildung.

Dafür sind in den Sozialdiensten entsprechende Förderstrukturen notwendig, um die Weiterbildungsoffensive umsetzen zu können.

Die SKOS und der SVEB setzen mit Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung, Christoph Merian Stiftung, Paul Schiller Stiftung und der UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung ein Programm zur Umsetzung der Weiterbildungsoffensive um. 10 Städte und Gemeinden werden beim Aufbau von Förderstrukturen unterstützt und begleitet. Diese Strukturen beinhalten beispielsweise

  • die Selektion von Sozialhilfebeziehenden
  • die Durchführung von Standortbestimmungen
  • die Erarbeitung von Bildungsplänen und
  • die Begleitung von Bildungswegen

Im Rahmen des geplanten Programms werden folgende Unterstützungsangebote zur Verfügung gestellt:

  • Beratung und Begleitung durch Experten 
  • das Bereitstellen von Praxisinstrumenten und Vorlagen 
  • Workshops für Leitungspersonen und Beratende in Sozialdiensten 
  • Vernetzungs- und Austauschtreffen der beteiligten Sozialdienste

Umsetzung

Jeder Sozialdienst hat im Rahmen der Gesamtziele des Projekts WBO individuelle Ziele erarbeitet und einen entsprechenden Umsetzungsplan erstellt (Kap. 2.1.). Die Beschäftigung mit dem Thema «Grundkompetenzen erkennen und ansprechen» diente dem Aufbau der fachlichen Grundlagen und Sensibilisierung der Sozialberatenden, dem Erfassen und Dokumentieren nötiger Informationen zum Thema Bildung und der Frage, in welcher Form Standortbestimmungen durchgeführt werden (Kap. 2.3.). Alle Sozialdienste haben intensiv an der Anpassung der internen Prozesse gearbeitet. Es wurden Konzepte erstellt, Formulare, Prozesse und Schnittstellen angepasst und um den Fokus Bildung erweitert (Kap. 2.4. und 2.5.). Die Vernetzung mit der Bildung führte zu Übersichten über regionale Bildungsangebote und zu stärkerer Vernetzung mit Bildungsanbietern und -angeboten (Kap. 2.6.). Besonders geschätzt wurden Vernetzung und Knowhow-Transfer zwischen den Sozialdiensten sowie mit einzelnen Bildungsdirektionen (Kap. 2.8. und 2.9.). In allen Sozialdiensten ist die Bereitschaft gross, mit Ende des Pilotprojekts die Verstetigung der Ergebnisse und Erfahrungen der WBO durch regelmässige interne Schulungen, durch kontinuierliche Weiterarbeit an den Prozessen und durch Begleitung der Sozialhilfebeziehenden bei der Umsetzung ihrer Bildungsziele sicherzustellen (Kap. 2.9.).

Im Evaluationsbericht sind die vielfältigen Ergebnisse beschrieben, die die Sozialdienste im Projektverlauf erarbeitet haben.

Fazit des Projekts

  • Die WBO als nationales Projekt stärkt die Position der Sozialdienste im Umgang mit dem Thema Bildung gegenüber Entscheidungsträgern in Kommunen und Kantonen.
  • Die Verschränkung von Bildung und Beratung bringt wichtige Impulse für die Themen Grundkompetenzförderung und berufliche Qualifizierung.
  • Der Aufbau einer internen Förderstruktur im Sozialdienst erfordert Vorbereitungsarbeiten: Sensibilisierung, Ist-Analyse, Aufbau eines Projektteams, Zieldefinition und Massnahmenplanung.
  • Hauptleistung der WBO ist die Arbeit an den internen Prozessen, Dokumenten und Schnittstellen. Dafür braucht jeder Sozialdienst Ressourcen und Überzeugung.
  • Das Zusammenspiel der WBO Sozialdienste mit dem regionalen und kantonalen Umfeld ist wichtig, insbesondere in Bereich der Förderung der Aus- und Weiterbildung und der Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener.
  • Neben dem Erarbeiten eines sinnvollen Bildungswegs ist oft die Finanzierung eine Herausforderung für die Sozialdienste. Die Sozialhilfe finanziert Bildungsmassnahmen subsidiär zu den vorgelagerten Systemen, deren Zusammenspiel komplex ist. SKOS und SVEB unterstützen einen Paradigmenwechsel bei der Förderung der beruflichen Nachholbildung Erwachsener, der von Bund und Kantonen gemeinsam getragen wird.  

Aufbauend auf den Erfahrungen der Pilotphase ist eine zweite Projektphase ab 2023 in Vorbereitung.