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Berufsbildung 2030

Die Berufsbildung gilt als schweizerisches Erfolgsmodell. Doch sie steht vor grossen Herausforderungen. Sie muss Antworten liefern auf Megatrends wie die Digitalisierung, die zunehmende berufliche Mobilität und Flexibilität, steigende Anforderungen und die Globalisierung. 2016 hat der Bundesrat deshalb zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt (OdAs) einen Prozess in Gang gesetzt, um eine langfristige und kohärente Vision der Berufsbildung zu entwerfen, dies unter dem Titel «Berufsbildung 2030». Dieser Prozess mündete in ein Leitbild, ein Programm und verschiedene Projekte, die unterstützt werden.

Studien zu den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt kommen einheitlich zum Schluss, dass ohne ständige berufliche Weiterbildung die Arbeitsmarktfähigkeit jedes und jeder einzelnen gefährdet ist. Leitmotiv einer künftigen Berufsbildung ist deshalb das lebenslange Lernen und eine Verschiebung des Fokus von den Jugendlichen hin zu Erwachsenen. Damit werden auch die Grenzen zwischen Berufs- und Weiterbildung bzw. formaler und non-formaler Bildung tangiert.

Flexible, berufsbegleitende Angebote

Dass es sich heute schon um ineinander greifende Sphären handelt, zeigt beispielsweise das Modell der höheren Berufsbildung mit Vorbereitungskursen aus dem non-formalen Bereich und einem formalen Abschluss. Das Modell ist auch deshalb bemerkenswert, weil es den Bedürfnissen von Erwachsenen nach flexiblen und nicht zuletzt berufsbegleitenden Angeboten entgegen kommt.

Die Weiterbildung, deren angestammte Zielgruppe Erwachsene sind, kann aber auch in den vorhandenen Strukturen einen wesentlichen Beitrag zu einer zukünftigen Berufsbildung beitragen. Gleichzeitig gilt es zu überlegen, welche Voraussetzungen die Weiterbildung erfüllen muss, damit sie in einem Berufsbildungssystem für Erwachsene funktionieren kann. Dazu gehört u. a. die Frage der Anerkennung non-formaler Abschlüsse im Rahmen der Berufsbildung.

Dringend notwendige Massnahmen

Sollen Erwachsene tatsächlich ihr ganzes Leben lang fit für den Arbeitsmarkt bleiben, sind aus Sicht des SVEB eine Reihe von Massnahmen zwingend umzusetzen. 

  1. Information und Beratung ausbauen: Notwendig ist eine gezielte nationale Informations- und Beratungsoffensive. Wesentliches Element sollten dabei aufsuchende Beratungsstrategien der kantonalen Beratungsstellen sein, die auf die Bedürfnisse der berufstätigen, qualifizierten Erwachsenen ausgerichtet sind. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Sozialpartner und die Organisationen der Arbeitswelt (OdAs), die einen direkten Draht zu den Betrieben haben und die Bedürfnisse in den einzelnen Branchen sehr gut kennen.
  2. Finanzielle Anreize schaffen: Es braucht ein finanzielles Anreizsystem, damit Betriebe vermehrt in die berufliche Weiterbildung investieren. Dieses muss so ausgestaltet werden, dass bestehende Investitionen nicht verdrängt, sondern optimal ergänzt werden. Denkbar ist ein von den Unternehmen und der öffentlichen Hand gleichermassen gespiesener, nationaler Weiterbildungsfonds, welcher (in Kombination mit entsprechender Information und Beratung) effektive Anreize für Investitionen in die Weiterbildung setzt.
  3. Bildungs- und Beratungsangebot weiterentwickeln: Die Weiterbildungsanbieter sind gefordert, ihre Bildungs- und Beratungsleistungen noch stärker auf die Bedürfnisse der Unternehmen auszurichten. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben spezifische Anforderungen, welche von vielen Anbietern nicht erfüllt werden. In Bezug auf die immer wichtiger werdenden überfachlichen Kompetenzen braucht es zudem eine Systematisierung sowie einen Ausbau des Weiterbildungsangebots.