Berufsbildungsforschung: offene Baustelle Weiterbildung 


Die Berufsbildungsforschung hat sich in den letzten zwanzig Jahren etabliert. Das zeigt der aktuelle Evaluationsbericht. Die Weiterbildung wird dabei nur «mitgedacht» – ein Missstand.

Artikel: Helen Buchs

Der aktuelle Evaluationsbericht zur Berufsbildungsforschung in der Schweiz zieht insgesamt eine positive Bilanz. Die gezielte Förderung durch den Bund hat in den letzten zwanzig Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Berufsbildungsforschung zu etablieren. Gleichzeitig macht die Evaluation aber auch deutlich, dass die Weiterbildungsforschung weitgehend aussen vor bleibt. 

Die Evaluation zeigt, dass das zentrale Ziel der Förderung erreicht wurde. Heute hat sich die Berufsbildungsforschung in der Schweiz auf international anerkanntem Niveau etabliert. Dabei existiert ein breiter Pool an Forschenden, thematisch vielfältige Projekte sowie institutionelle Strukturen wie die Leading Houses oder die EHB. Gemäss dem Evaluationsbericht gelingt jedoch der Transfer in Politik und Praxis weniger gut. Die Forschung orientiert sich zudem häufig an disziplinären Logiken. 

Weiterbildung als blinder Fleck der Evaluation 

Auffällig ist, dass die Weiterbildung im Evaluationsbericht kaum systematisch berücksichtigt wird. Weiterbildung ist weder als eigenständiger Forschungsgegenstand noch als eigenes Themenfeld sichtbar.  

Dies spiegelt die Förderlogik. Trotz jahrzehntelanger Förderung der Berufsbildungsforschung ist kaum substanzielle Forschung zur (beruflichen) Weiterbildung entstanden. Weite Teile der Weiterbildung bleiben damit untererforscht. 

Warum Weiterbildung wissenschaftliche Forschung braucht 

Damit Weiterbildung ihre Wirkung entfalten kann, ist wissenschaftliche Forschung unverzichtbar. Dafür sprechen insbesondere drei Gründe: 

  1. Differenzierte Betrachtung eines heterogenen Feldes: Weiterbildung umfasst sehr unterschiedliche Formen, Zielgruppen und Lernkontexte. Forschung macht diese Vielfalt sichtbar und analytisch greifbar. 
  2. Steuerungswissen für Politik und Praxis: Evidenz darüber, was wirkt, für wen und unter welchen Bedingungen, ist Voraussetzung für wirksame Steuerung und sinnvolle Investitionen. 
  3. Grundlage für eine zielgerichtete Weiterentwicklung: Qualitätssicherung und Innovation setzen systematisches Wissen voraus. 

Warum es eine eigene Förderung der Weiterbildungsforschung braucht 

Solange Weiterbildung lediglich «mitgedacht» wird, bleibt ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung unzureichend erfasst. Ohne eigene Förderstrukturen kann sich keine kohärente Weiterbildungsforschung entwickeln (etwas, das auch der Weiterbildungsforscher Erik Haberzeth bemängelt).

Was es aktuell bräuchte, wären gemäss dem Vorbild der Berufsbildungsforschung eine vertiefte Evaluation zum Stand der Weiterbildungsforschung in der Schweiz und geeignete Fördergefässe, die Weiterbildungsforschung disziplinenübergreifend sowohl als Grundlagenforschung als auch als anwendungsorientierte Forschung gezielt fördern. Der Evaluationsbericht zur Berufsbildungsforschung zeigt, was möglich ist, wenn ein Feld langfristig unterstützt wird. 

Weitere Informationen