Ende Januar wurde die neue Höhere Fachprüfung zum diplomierten Ausbildungsleiter/in zum ersten Mal durchgeführt. Der abtretende Prüfungsleiter Ernst Aebi gibt Auskunft und blickt auf die letzten zehn Jahre zurück.
Am 29. Januar 2026 wurde die neue Höhere Fachprüfung erstmals durchgeführt. Was ging gut? Was gibt es noch zu verbessern?
Die erste neue Prüfung verlief reibungslos, vor allem dank dem Einsatz der Prüfungs-Expertinnen und -Experten, die sehr gut vorbereitet waren. Zusammen hatten wir im Herbst eine ganztägige Schulung und im Januar ein Online-Update durchgeführt. Dabei konnten auch letzte Unklarheiten (aber auch Probleme im Ablauf) nochmals geklärt und bereinigt werden. Der ganze, sehr komplexe Ablauf mit mit jeweils fünf verschiedenen Prüfungsaufgaben pro Kandidatin/Kandidat an nur einem Tag (den es bisher nur auf Papier gab) bestand seine Feuertaufe. Allerdings nicht ohne Stress für die Expertinnen und Experten, die aufgrund der kurzen Auswertungszeiten teilweise an den Anschlag kamen.
Neu an der Prüfung ist ein Assessment. Warum war das nötig? Und was bringt es?
Die Anforderungen an Ausbildungsleitende sind komplex. Im Assessment werden Situationen nachgebildet, die direkt aus der Praxis der Ausbildungsleitenden kommen. Dadurch wird aufgezeigt, ob die Kandidierenden fähig sind, die in den einzelnen Modulabschlüssen geprüften Kompetenzen zu vernetzen und auch in der Praxis anzuwenden.
Auf den Punkt gebracht: Was braucht eine diplomierte Ausbildungsleiterin/ein diplomierter Ausbildungsleiter?
Den Überblick über seine/ihre Aufgaben und eine vernetzte Anwendung verschiedenster Ausbildungs- und Führungs-Kompetenzen.
Welchen Mehrwert bringt eine Ausbildungsleiterin/ein Ausbildungsleiter für einen Betrieb?
Eine kompetente Leitung eines Teams von Ausbildenden. Und damit die professionelle Konzeption, Planung, Durchführung und Kontrolle von komplexen Aus- und Weiterbildungsmassnahmen, die zu konkreten, messbaren Verbesserungen im Unternehmen führen.
Sie waren zehn Jahre lang Prüfungsleiter: Was ist Ihnen vor allem in Erinnerung geblieben?
Die sehr positive Zusammenarbeit mit Christina Jacober als Gesamtverantwortliche des AdA-Systems und mit der Mitarbeitenden des Prüfungssekretariats, welche die ganze Prüfungsorganisation souverän meisterte. Und natürlich auch all die erfreulichen Begegnungen mit den Prüfungs-Experten und -Expertinnen, mit denen zusammen ich den ganzen Prüfungsablauf Jahr für Jahr optimieren durfte.
Gibt es eine besonders erfreuliche Geschichte aus dieser Zeit?
Es gibt viele erfreuliche Geschichten, aber nicht «die eine». Zu erwähnen ist sicher die Prüfung 2019, an der neben 15 Kandidaten und Kandidatinnen aus der Deutschschweiz 4 aus der Westschweiz und 8 aus dem Tessin antraten, eine Rekordzahl von Kandidierenden (27) in drei Prüfungssprachen, was die Prüfungsorganisation besonders anspruchsvoll werden liess.
Warum sind solche Revisionen überhaupt notwendig?
Die Grundalgendokumente für die Höhere Fachprüfung – das heisst die Prüfungsordnung, deren Wegleitung und die Modulbeschreibungen – entsprachen nicht mehr den aktuell gültigen Vorgaben. Die alte Prüfungsordnung stammte aus dem Jahr 2010 mit einer nachträglichen Anpassung im Jahr 2012. Die Vorgaben für die Module waren inhalts- und lernzielorientiert, die Kompetenzorientierung wurde damals noch nicht implementiert. Eine Revision war auch aus Sicht des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI notwendig. Die Revision bot die Chance, die Prüfung und die Grundlagendokumente den realen Gegebenheiten in Unternehmen und Ausbildungsinstitutionen anzupassen, die sich in den letzten zehn Jahren stark verändert haben. Und damit auch die Anforderungen an die betriebliche Aus- und Weiterbildung. Diesen galt und gilt es zu begegnen. Gleichzeitig ging es auch darum, die im alten Prüfungssystem erkannten Mängel zu beheben und eine noch praxisnähere Form zu finden.
Was geben Sie Ihrem Nachfolger, Christoph Negri, mit auf den Weg?
Mir als «Oldie» kommen beim Begriff Kompetenzen zuerst immer noch die alten Lernziele mit Kopf, Herz und Hand in den Sinn… Da ist Christoph natürlich wesentlich weiter. Wenn er seine grosse Führungserfahrung dazu nutzt, auch die neue Prüfung zusammen mit allen Beteiligten permanent weiterzuentwickeln, wird die neue Prüfung sehr erfolgreich sein.

