Über 850’000 Jobs sind in der Schweiz stark durch künstliche Intelligenz betroffen. Dies zeigt eine neue Analyse von 86 Berufen der Denkfabrik einstAIn. Das Fazit: Die Schweiz brauche eine KI-Qualifizierungsoffensive.
Von drei Millionen untersuchten Jobs weisen 28 Prozent der Profile eine hohe KI-Exposition auf. Das heisst: Künstliche Intelligenz wird die Arbeit und einen Grossteil der typischen Aufgaben in diesen Jobs stark verändern.
Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von einstAIn, einer Denkfabrik getragen von Angestellte Schweiz und Kuble – House of Intelligence. Sie macht deutlich: Die KI-Revolution trifft nicht zuerst die Fabrikhalle, sondern das Büro.
Im Berufsfeld Administration und Verwaltung entfallen fast alle der untersuchten Berufe auf die Kategorie mit hoher KI-Exposition, heisst es in der Medienmitteilung. Im Bereich Finanzen und Recht sind es 72 Prozent. Demgegenüber weisen Handwerk und Bau praktisch keine KI-Exposition auf, während Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe ebenfalls geringer betroffen sind.
Nicht zwingend Stellenabbau zu befürchten
Die Analyse zeigt, in welchen Berufen KI Aufgaben übernehmen oder beschleunigen kann. Ob KI zu Wachstum oder Stellenabbau führe, hänge aber entscheidend von der Nachfrage und den strategischen Entscheidungen von Unternehmen und Politik ab.
In Branchen mit wachsender Nachfrage könne höhere Produktivität zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen. In Bereichen mit stabiler Nachfrage könne dieselbe Entwicklung zu einem geringeren Personalbedarf führen.
Die entscheidende Frage lautet gemäss einstAIn deshalb nicht: «Wird mein Job verschwinden?» Sondern: «Wie verändert sich meine Arbeit?»
Tempo ist zentral
Die grösste Herausforderung für den Schweizer Arbeitsmarkt liege nicht in der Technologie selbst. Sie liege in der Geschwindigkeit, mit der Unternehmen, Bildungssystem und Arbeitskräfte neue Kompetenzen aufbauen.
Höhere Produktivität sei nicht nur eine Chance, sondern eine Voraussetzung dafür, dass die Schweiz ihren Wohlstand und ihre Wettbewerbsfähigkeit angesichts der demografischen Herausforderungen sichern könne.
Die Schweiz braucht mehr KI-Qualifizierung
Entscheidend werde sein, so einstAIn, wie schnell Millionen von Arbeitsstunden in Büros, Verwaltungen und Dienstleistungsberufen nicht nur produktiver, sondern wertschöpfender gestaltet werden können. Die Analyse zeige darum eine klare Priorität: Die Schweiz brauche eine breit angelegte KI-Qualifizierungsoffensive.
Roger Oberholzer, Partner und Academy-Lead, Kuble – House of Intelligence: «Die Mitte des Schweizer Arbeitsmarkts muss sich am schnellsten neu erfinden. In unseren Weiterbildungen sehen wir täglich, wie mit KI Innovationspotenzial freigesetzt werden kann, wenn Unternehmen sie nicht nur als Sparübung verstehen, sondern als Möglichkeit für neue Dienstleistungen und Produkte. Das ist die unternehmerische Weichenstellung, die jetzt notwendig ist.»

