Weiterbildungsprogramme für ältere Erwachsene sind oft nicht erschwinglich oder aus anderen Gründen nicht zugänglich. Dies zeigt eine UNESCO-Studie zu Reskilling- und Upskilling-Programmen – und liefert Verbesserungsvorschläge.
Zwar unterstützen entsprechende Programme ältere Erwachsene dabei, mit technologischen Entwicklungen Schritt zu halten und ihre Beschäftigungsfähigkeit zu sichern, doch die UNESCO-Studie «Implementing effective reskilling and upskilling: learning programmes for older adults» zeigt auf, dass viele Teilnehmende weiterhin mit grundlegenden Problemen konfrontiert sind.
Dazu gehören insbesondere eine mangelnde Passung zwischen vorhandenen Qualifikationen und neuen Anforderungen, Schwierigkeiten im Umgang mit technologischen Veränderungen sowie verbreitete Altersdiskriminierung im Bewerbungsprozess. Hinzu kommen häufig internalisierte Selbstzweifel, die dazu führen, dass sich ältere Menschen selbst als «zu alt» für Weiterbildung oder neue berufliche Perspektiven wahrnehmen.
Finanzierung als zentrales Hindernis
Die Studie analysiert und vergleicht innovative Ansätze aus Kolumbien, Japan, Singapur, Schweden und den USA.
Ein zentrales Hindernis stellt dabei die Finanzierung dar. In mehreren untersuchten Ländern fehlt es an ausreichender finanzieller Unterstützung während der Teilnahme an Weiterbildungsprogrammen. Teilweise erhalten Teilnehmende erst eine Vergütung, wenn sie wieder eine Anstellung finden, was sich negativ auf die Motivation auswirken kann. Auch begrenzte Förderzeiträume oder fehlende staatliche Zuschüsse führen dazu, dass viele ältere Erwachsene auf eigene Mittel oder familiäre Unterstützung angewiesen sind. Diese finanziellen Barrieren schränken nicht nur den Zugang ein, sondern erhöhen auch das Risiko von Abbrüchen.
Die Studie zeigt zudem, dass Motivation und Teilnahme stark von der individuellen Ausgangslage abhängen. Besonders herausfordernd ist die Aktivierung von Personen, die bereits länger nicht erwerbstätig waren oder wenig Arbeitserfahrung haben. Demgegenüber weisen Teilnehmende in formaleren Bildungssettings, etwa an Hochschulen, häufig eine höhere Motivation auf. Entscheidend und fördernd für eine Teilnahme wirken sich daher eine zielgruppenspezifische Ansprache, unterstützende Lernumgebungen sowie finanzielle Absicherung aus.
Altersdiskriminierung in Unternehmen und Gesellschaft
Ein weiterer zentraler Befund betrifft die Rolle von Altersdiskriminierung. Diese wirkt nicht nur als Zugangshürde, sondern beeinflusst auch die Wirksamkeit von Programmen insgesamt. Sie zeigt sich sowohl in Einstellungspraktiken von Unternehmen als auch in gesellschaftlichen Stereotypen und verinnerlichten Selbstbildern älterer Erwachsener. Dadurch wird der Übergang von der Weiterbildung in den Arbeitsmarkt erheblich erschwert. Programme, die gezielt Brücken in Beschäftigung schaffen – etwa durch Praktika oder arbeitsmarktnahe Vermittlungsangebote – erweisen sich hier als besonders wirksam.
Weiterbildung zeitigt positive Effekte
Die analysierten Fallstudien belegen gleichzeitig, dass Weiterbildung deutliche positive Effekte erzielen kann. In den USA konnten Teilnehmende beispielsweise direkt in Beschäftigung übergehen, während in Kolumbien tausende Absolventinnen und Absolventen ausgebildet wurden und zahlreiche Unternehmensgründungen entstanden sind. Auch in Japan und Singapur zeigen sich konkrete Beschäftigungs- und Einkommenseffekte. Gleichzeitig bleibt in einigen Kontexten unklar, wie nachhaltig sich Weiterbildung auf die Arbeitsmarktintegration auswirkt, da entsprechende Daten fehlen.
Über ökonomische Effekte hinaus hebt die Studie die soziale und persönliche Wirkung von Weiterbildung hervor. Programme tragen dazu bei, Isolation zu verringern, soziale Netzwerke zu stärken und das gesellschaftliche Engagement zu fördern. Insbesondere Präsenzformate und gemeinschaftsorientierte Lernsettings unterstützen diese Effekte. Viele Teilnehmende berichten zudem von gesteigertem Selbstvertrauen und einem besseren Umgang mit neuen Technologien sowie veränderten Lebenssituationen.
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Als zentrale Erfolgsfaktoren identifiziert die UNESCO eine Kombination aus politischer Unterstützung, institutioneller Zusammenarbeit und zielgruppengerechter Gestaltung. Wirksame Programme entstehen insbesondere dort, wo Bildungsanbieter, Arbeitgeber und staatliche Akteure eng kooperieren und gemeinsam arbeitsmarktrelevante Angebote entwickeln. Auch Unternehmertum wird als wichtiger Ansatz hervorgehoben, da es älteren Erwachsenen neue Formen wirtschaftlicher und sozialer Teilhabe eröffnet.
Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass ältere Erwachsene keine homogene Zielgruppe darstellen. Unterschiede in Bildung, Einkommen, Erwerbsbiografien und Lebenslagen erfordern differenzierte Angebote. Besonders benachteiligte Gruppen – etwa gering Qualifizierte, einkommensschwache Personen oder Frauen mit unterbrochenen Erwerbsverläufen – haben oft den grössten Nutzen von Weiterbildung, jedoch die geringsten Zugangschancen.
Empfohlen: flexible Angebote
Für die Gestaltung wirksamer Programme empfiehlt die UNESCO flexible und personalisierte Lernformate, die unterschiedliche Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen berücksichtigen. Dazu gehören kombinierte Lernformen, individuelle Unterstützung sowie praxisnahe Inhalte. Ebenso wichtig ist die aktive Einbindung älterer Erwachsener in die Entwicklung von Angeboten, um deren Perspektiven und Motivation besser zu berücksichtigen.
Nicht zuletzt unterstreicht die Studie die Notwendigkeit, Altersdiskriminierung systematisch zu bekämpfen. Neben Sensibilisierung und geeigneten politischen Rahmenbedingungen sind auch konkrete Anreize für Arbeitgeber erforderlich, um die Einstellung und Weiterqualifizierung älterer Arbeitskräfte zu fördern. Generationenübergreifende Lernformate können zusätzlich dazu beitragen, stereotype Vorstellungen abzubauen und den Wissenstransfer zu stärken.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass Weiterbildung für ältere Erwachsene ein grosses Potenzial besitzt, dieses jedoch nur dann entfalten kann, wenn strukturelle Hürden abgebaut, Programme konsequent auf die Zielgruppe ausgerichtet und Übergänge in den Arbeitsmarkt aktiv unterstützt werden.

