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Arbeit dank Bildung

2016 waren in der Schweiz 273‘000 Personen auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen. Rund zwei Drittel davon sind Erwachsene, die Hälfte von ihnen hat keinen Berufsabschluss. Fast 30 Prozent der Sozialhilfebeziehenden haben Schwierigkeiten mit den Grundkompetenzen, wie Lesen und Schreiben, oder mit dem Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien.

Bildung ist eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Integration in der Arbeitswelt. Sie öffnet einem beträchtlichen Teil der erwerbstätigen und erwerbslosen Personen in der Sozialhilfe einen erfolgversprechenden Weg in die finanzielle Unabhängigkeit. Es lohnt sich menschlich, sozial und wirtschaftlich, in die Weiterbildung von Sozialhilfebeziehenden zu investieren. Weiterbildung befähigt sie, vollumfänglich an der Gesellschaft teil zu haben, ihren Alltag autonom zu bewältigen, gesünder zu werden. Sie erhöht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und entlastet die Sozialhilfe.

Weiterbildungsoffensive für Bezügerinnen und Bezüger von Sozialhilfe

Vor dieser Ausgangslage haben die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) und der Schweizerische Verband für Weiterbildung (SVEB) eine Weiterbildungsoffensive lanciert.

Nach dem heute geltenden Paradigma werden Sozialhilfebeziehende so rasch wie möglich mit kurzfristigen Massnahmen in den ersten oder in den zweiten, weniger Ansprüche stellenden Arbeitsmarkt integriert. Der Aufwand soll so gering wie möglich sein. Das neue Paradigma, das mit dieser Weiterbildungsoffensive gefordert wird, zielt grundsätzlich nur auf den ersten Arbeitsmarkt. Die Qualifizierung soll so gründlich sein wie nötig.

Ein neuer Ansatz als Chance

Dies bedeutet: Wer ohne genügende Grundkompetenzen oder ohne abgeschlossene Berufslehre Sozialhilfe bezieht, erhält die Chance sich zu bilden. Zur Bestimmung des Bildungswegs gehört beim Eintritt in die Sozialhilfe eine Abklärung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Festlegen von Bildungszielen, die Suche des geeigneten Bildungswegs und die Sicherstellung existenzsichernder Finanzierung. Das Ergebnis ist ein verbindlicher individueller Bildungsplan aufbauend auf der persönlichen Motivation, die die Grundlage für jeden erfolgreichen Bildungsprozess ist.

Mit geeigneten Bildungsmassnahmen kann ein Teil der Sozialhilfebeziehenden nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Damit können auch Kosten gespart werden. Geschätzt wird, dass rund 40 Prozent der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden die nötigen Voraussetzungen und die entsprechende Motivation mitbringen. Das sind schweizweit rund 75'000 Personen. Sie erhalten jedoch nur eine Chance, wenn  diese ihre Bildungsdefizite gezielt aufarbeiten können.

Umsetzung

Zur Umsetzung der Weiterbildungsoffensive fordern SKOS und SVEB vom Bund im Rahmen der BFI-Periode 2021 bis 2024 einen substantiellen Kredit für die Förderung von Grundkompetenzen sowie für die berufliche Qualifizierung von Sozialhilfebeziehenden. Mit den zusätzlichen Mitteln sollen einerseits bestehende Angebotslücken geschlossen werden, andererseits soll sichergestellt werden, dass Sozialhilfebeziehende kostenlosen Zugang zu den Förderstrukturen in der Weiterbildung, der Berufsbildung und der Arbeitslosenversicherung haben.