Studie: So anspruchsvoll ist die Teilnahme an Weiterbildung


Was braucht es, damit man sich für eine erwerbsbezogene Weiterbildung entscheidet? Ein Forschungsprojekt der Universität Zürich ging dieser Frage nach und identifizierte zehn Lerngründe. Fazit: Eine Weiterbildung kann aus vielen Gründen nicht zustandekommen.

Das Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Berufs- und Weiterbildung der Universität Zürich beschäftigte sich mit dem Aspekt, in welchen Situationen Erwerbstätige sich bietende Lern- und Bildungsmöglichkeiten nutzen und wie sie dabei vorgehen. Dazu wurden 62 in der Schweiz erwerbstätige Personen befragt.

Zehn Lerngründe eruiert

Die Studie hat entsprechend zehn unterschiedliche Lerngründe identifiziert, wobei nicht alle direkt auf die Arbeit bezogen sind:

  1. sich an anderen orientieren (z.B. sich mit anderen vergleichen)
  2. sich von einem Angebot leiten lassen
  3. eine Gelegenheit wahrnehmen
  4. eine Qualifizierungsanforderung erfüllen
  5. etwas für sich selbst tun
  6. ein Lernbedürfnis befriedigen
  7. sich permanent weiterentwickeln wollen
  8. erwerbsbezogene Ziele erreichen wollen
  9. in der Sache weiterkommen wollen
  10. etwas aufholen wollen

Soziales Umfeld als wichtiger Faktor

Die Autorinnen heben zudem hervor, wie wichtig dabei Personen aus dem engeren sozialen Umfeld der potenziellen Weiterbildungsteilnehmenden sind, sei es als Orientierung, als Vorbildfunktion oder als Unterstützung.

Insgesamt stellen sie fest, dass die Situationen und Beweggründe für erwerbsbezogene Bildung sehr unterschiedlich sind und dabei auch Kontextbedingungen eine wichtige Rolle spielen: wie beispielsweise die Unterstützung der Arbeitgebenden oder des privaten Umfelds sowie Veränderungen der Erwerbssituation.

Neben klassischen Ressourcen wie Zeit und Geld spielen auch emotionale Ressourcen wie etwa Mut oder Überwindung eine Rolle sowie die Fähigkeit, selbst organisiert eine Weiterbildung im Alltag wahrzunehmen.

Prozessmodell mit sechs Schritten

Anhand der Interviews haben die Autorinnen ein Prozessmodell für die Weiterbildungsteilnahme entwickelt, bestehend aus sechs ineinander übergehenden Schritten.

Schritt 1: Wahrnehmung von Weiterbildungserwartungen, -wünschen und -gelegenheiten.
Schritt 2: Konkrete Überlegungen und Abklärungen zu Weiterbildungsmöglichkeiten
Schritt 3: Entscheidung zur Teilnahme und Suche eines passenden Angebots
Schritt 4: Beginn der Teilnahme, allenfalls inklusive Anmeldung bei einem Anbieter
Schritt 5: Alltagsorganisation zur Ermöglichung der Teilnahme
Schritt 6: Anwesenheit und Aufmerksamkeit während der Teilnahme

Der Prozess könne dabei bei jedem Schritt abbrechen, so sei selbst bei hoher Motivation eine Teilnahme an Weiterbildung nicht gesichert. Ausserdem hänge die Teilnahme von spezifischen Rahmenbedingungen ab, die sie erleichtern, erschweren oder auch verhindern können, etwa die Rahmenbedingungen der Erwerbstätigkeit, die vorhandenen Weiterbildungsangebote, sozio-demografische Hintergründe und Ungleichheitsbedingungen sowie der jeweilige individuelle Lebens- und Erwerbsalltag.

Dies zeige auch, wie anspruchsvoll die Teilnahme an Weiterbildung für Erwerbstätige sein kann und welche Leistungen damit verbunden sind, so die Autorinnen.

Quelle: Kraus, K. & Wenger, N. (2026). Wie werden Lerngelegenheiten im Kontext der Erwerbstätigkeit genutzt?. Transfer. Berufsbildung in Forschung und Praxis 11 (4).

Kraus, Katrin, und Nina Wenger. 2026. Situationen und Spielräume der Aneignung von erwerbsbezogenen Lerngelegenheiten. Im Erscheinen