Die AdA-Plattformtagug 2026 stand ganz im Zeichen des Wandels und der Zukunft. Rund 90 Personen nahmen an der Veranstaltung in der Welle 7 in Bern teil – und erhielten viele neue Anreize.
Der Titel «Weiterbildung im Wandel – Nachwuchs fördern, Zukunft gestalten» gab es schon vor: Am 9. September beschäftigte man sich in Bern mit unterschiedlichen Aspekten und Perspektiven – sowie mit Fragen, die sich nicht abschliessend beantworten lassen.
Nach einer kurzen Begrüssung und Einführung lieferte Christoph Negri, Leiter des Instituts für Angewandte Psychologie IAP an der ZHAW, in seiner Keynote eine Übersicht davon, welche Faktoren für Nachwuchsförderung und Wissenstransfer in der Weiterbildung zentral sind. So zeigte er 15 Trends auf (z.B.: Generative KI wird zum Standardwerkzeug in Lernen und Arbeit, Weiterbildung bleibt ungleich sozial verteilt, hybrides und individualisiertes Lernen wird zum Standard) und machte daraus drei Treiber aus: den demografischen Wandel, den Fachkräftemangel und die digitale Transformation.
Da sich die Rahmenbedingungen schneller verändern als die Rollen und Strukturen, stellen sich die Fragen: Wer bildet nach? Welche Rollen entstehen? Und welche Technologie treibt das an?
Negri unterschied zwei Ebenen der Nachwuchsförderung: Erwachsenenbildung als Instrument für Nachwuchsförderung in Unternehmen und Nachwuchs für Erwachsenenbildung selbst – wobei der Fokus auf Letzterem lag.
Quereinstieg als Standard
Instrumente der Nachwuchsförderung kamen zur Sprache (learning on the job, Job Rotation, Traineeprogramme & Mentoring) sowie Quereinstiege («fantastisch, wie das bei uns funktioniert»). In diesem eher trägen System sei Zusammenarbeit umso wichtiger, aber auch, dass man angesichts der technologischen Anforderungen schneller, flexibler und pragmatischer werde, so Negri.
Er erläuterte auch, was Bildungsmanager konkret tun können: etwa eine Lernkultur entwickeln, das lebenslange Lernen fördern, Quereinstiege anerkennen, Employer Branding betreiben, Rollenprofile wie Lernbegleitung und Learning Desing in der Organisation verankern.
Auch auf den Rollenwandel vom Dozenten zum Lernbegleiter und Coach ging Negri ein und beschrieb neue mögliche Berufsbilder wie den Learning Experience Designer. Anhand eines Beispiels der ZHAW zeigte er, wie selbstgesteuertes Lernen gefördert werden kann: An der ZHAW wird seit neuestem z.B. mit kleinen Lernheinheiten gearbeitet; 100 Microlearning Units stehen zur Verfügung.
Metakompetenzen würden dabei wichtiger als jede Fachkompetenz, glaubt Negri und schloss mit der Forderung nach einer Strategie, in der die Fragen «Was wollen wir?» und «wohin wollen wir?» geklärt werden.
Bottazzoli: Wir können und wir müssen handeln.
Aus einer gesundheitlichen Perspektive betrachtete Gérard Bottazzoli von Gesundheitsförderung Schweiz die Nachwuchsförderung. Er leitete her, dass sich viele gesundheitliche Herausforderungen aus dem Wandel ergeben. Wobei die aktuellen Zahlen bereits erschreckend seien: So gibt es 3330 Neurenten bei den 18- bis 24-Jährigen, 69 Prozent aus psychischen Gründen, was einer Verdoppelung in zehn Jahren gleichkommt.
Die gute Nachricht, gemäss Bottazzoli: Wir können etwas dagegen tun.
Anhand des Wirkungsmodells des betrieblichen Gesundheitsmanagement zeigte er auf, wie sich das betriebliche Gesundheitsmanagement langfristig positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken kann. Unternehmen, die einen Ausgleich in den BGM-Massnahmen (z.B.: Job-Passung, Partizipation, Leadership und Zusammenarbeit) finden, erhalten die Gesundheit und Motivation der Mitarbeitenden, was sich am Ende auch für das Unternehmen positiv auswirkt.
Dafür sei es wichtig, Gesundheitsfragen in Unternehmen zu implementieren, insbesondere, da die junge Generation sehr sensibel dafür sei. Gesundheit müsse im Zentrum der Arbeit stehen und Gesundheitswerte fest verankert sein.
Workshops: Reflexion und Vision
In einem der folgenden Workshops wurde das Thema nochmals intensiviert und insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen fokussiert. Auch hier zeigte sich, dass der Arbeitgeber in einer Verantwortung steht und die Gesundheit der Lernenden wirksam unterstützen kann: zum Beispiel, indem die Beteiligten aufmerksam für die Sorgen, Ängste und Wünsche der Lernenden sind, eine klare Haltung haben und sich um die Beziehung mit ihnen bemühen.
Im Workshop «Nachwuchs gewinnen, Ausbildende befähigen» ging es einerseits um die neue Prüfung zum Fachausweis und ihre Entwicklungsfelder (z.B. Theorie und Quellen, Bezug zur eigenen Praxis aufzeigen, Selbsteinschätzung vs. Persönliche Reflexion, Rolle als Ausbildende einnehmen, Qualifikationsprofil wird zu wenig genutzt). Andererseits ging es darum, in Bezug auf die Aspekte «Didaktik und Angebotsgestaltung», «KI und technologische Anforderungen» und «Dozierende und Nachwuchs» in die Zukunft zu schauen.
Auch im Netzwerk-Workshop wurde nach vorn geschaut und diskutiert: Welche Erfahrungen braucht Nachwuchs? Was müssen wir loslassen? Welche Aus- und Weiterbildung braucht der Nachwuchs?
Erfolgsgeschichte SVEB-Zertifikate
Zum Schluss ging Christina Jacober, Geschäftsführerin des AdA-Baukastens, auf das Jubiläum der SVEB-Zertifikate ein: Nicht nur feiert der SVEB 2026 sein 75-jähriges Bestehen, auch die SVEB-Zertifikate sind bereits 30 Jahre alt. Anfang 2028 wird voraussichtlich das 80’000 SVEB-Zertifikat vergeben.
Es folgten weitere Informationen zum AdA-Baukasten. So machen inzwischen mehr Menschen den Fachausweis nach der neuen Prüfung machen als nach der alten. Und es gab noch einen wichtigen Hinweis für die Anbieter: Das Berufsbildungsgesetz tritt per 1. Oktober in Kraft; das bedeutet, dass alle, die ab 1. Oktober die Prüfung zum Fachausweis bestehen, den Titelzusatz «Professional Bachelor» erhalten.
Es war insgesamt eine dichte, intensive und gelungene Veranstaltung mit vielfältigen Inputs und Inspirationen. Grossen Dank an alle Beteiligten!

