KI-Studie: Unsicherheiten trotz routinierter Anwendung


Gemäss einer Studie der ZHAW nehmen Fach- und Führungspersonen generative künstliche Intelligenz überwiegend positiv wahr. Doch sie bezeugen auch einen steigenden Erwartungsdruck und sind unsicher in rechtlichen und technischen Fragen.

Die qualitative Studie der ZHAW, welche die Auswirkungen der täglichen Nutzung von generativer KI (GenKI) bei der Arbeit erforscht hat, zeigt: Mit zunehmender Nutzung verschiebt sich das Bild von generativer KI von einem Effizienz-Tool hin zu einem strukturellen Treiber von Arbeitsveränderung.

Gemäss Studie nutzen die Befragten GenKI primär, um Texte zu erstellen, zu überarbeiten, Informationen zu strukturieren oder Ideen zu entwickeln. Und mit dieser Nutzung sind durchaus positive Gefühle verbunden. Beispielsweise verspüren die Befragten Stolz, wenn die KI-Nutzung zu höherer Qualität, effizienteren Arbeitsprozessen oder erfolgreichen Problemlösungen führte.

Gut die Hälfte der Teilnehmenden empfindet die eigene Arbeit durch den Einsatz von GenKI als wertvoller. Bislang scheint sich vor allem die Arbeitsweise geändert zu haben, seltener die Rollen der Befragten im Arbeitsprozess.

Unsicherheiten und mangelnde Teamarbeit

Trotz der routinierten Anwendung bestehen weiterhin Unsicherheiten. Diese betreffen primär die Fehleranfälligkeit (Halluzinationen) sowie ungeklärte rechtliche Fragestellungen zum Urheber- und Datenschutz. Zudem fehlen teilweise organisationsweite Vorgaben und strukturierte Einsatzstrategien oder sind noch nicht ausreichend kommuniziert. Einige Befragte berichten zudem von einem geringeren Austausch im Team.

«Damit die ständige Verfügbarkeit von GenKI den persönlichen Austausch nicht schleichend verdrängt, sollten Teams gezielt Räume für gemeinsames Lernen und informellen Erfahrungsaustausch schaffen. Die Einführung neuer Arbeitsweisen erfordert zudem offene Gespräche über Rollenveränderungen, Verantwortlichkeiten sowie die Grenzen des Einsatzes von GenKI», wird Co-Studienleiterin Dr. Anna-Lena Majkovic zitiert.

Komplementäre Zusammenarbeit

Die grosse Mehrheit begreift die Technologie eher als Chance für die persönliche berufliche Entwicklung – obwohl sie auch das Risiko sieht, dass gewisse Tätigkeiten oder sogar Rollen von KI übernommen werden. Für die Zukunft bevorzugen die Befragten eine komplementäre Zusammenarbeit, in der das Individuum weiterhin Kontrolle und Verantwortung übernimmt und GenKI als Werkzeug unterstützt. Als entscheidender Erfolgsfaktor dient dabei die Schärfung «GenKI-unterscheidender» Stärken: Kompetenzen wie emotionale Intelligenz, kritisches Kontextwissen und der Aufbau sozialer Netzwerke gewinnen an Bedeutung, um die eigene Rolle in einem KI-geprägten Arbeitsumfeld aktiv und zukunftssicher zu positionieren.

Zur Studie

Die Studie «Generative GenKI bei der Arbeit – Auswirkungen täglicher Nutzung» des IAP Institut für Angewandte Psychologie ist die neunte Studie der Reihe «Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0». Zwischen Oktober und Dezember 2025 wurden 30 Fach- und Führungspersonen in der Schweiz (und eine in Deutschland) interviewt. Ergänzend wurden standardisierte Fragebogendaten zum Nutzungsverhalten erhoben. In die Untersuchung einbezogen wurden nur Personen, die GenKI bereits täglich bei der Arbeit einsetzen: 19 Männer und 11 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren. 26 Teilnehmende arbeiten in kleinen und mittleren Unternehmen und vier in Grossunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Die Hälfte der Befragten hat Führungsverantwortung und 25 verfügen über mindestens einen Fachhochschulabschluss. Die qualitative Studie vertieft die vorangehende quantitative Studie «Generative GenKI bei der Arbeit» des Jahres 2024: Sie basierte auf einer Onlinebefragung von 426 Fach- und Führungspersonen aller Nutzungsintensitäten.

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