Weiterbildungsoffensive: Sozialdienste sensibilisiert, Zusammenarbeit gefördert


Die Weiterbildungsoffensive (WBO) hat die Bildungsförderung in den beteiligten Sozialdiensten gestärkt. Bildungsbedarf wird systematischer erkannt, Bildung stärker in die Fallführung integriert und die Zusammenarbeit mit Bildungsanbietern ausgebaut.

Artikel: Cäcilia Märki

Sozialhilfebeziehende mit fehlenden Grundkompetenzen oder ohne Berufsabschluss müssen die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden. Der SVEB hat deshalb 2018 zusammen mit der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS eine Weiterbildungsoffensive ins Leben gerufen. Ziel dieser Weiterbildungsoffensive ist es, Bezügerinnen und Bezügern von Sozialhilfe ohne genügende Grundkompetenzen und ohne abgeschlossene Berufslehre die Möglichkeit zu geben, sich nach ihren individuellen Voraussetzungen und ihrer Eigenmotivation weiterzubilden. Dafür ist eine Abklärung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten nötig.

In zwei Projektphasen wurden ausgewählte Sozialdienste dabei unterstützt, Förderstrukturen für eine gezielte Beratung und Begleitung hinsichtlich Bildung der Sozialhilfebeziehenden aufzubauen. Die zweite Projektphase mit den Sozialdiensten endete im September 2026.

Ein Auswertungsworkshop mit fünf Sozialdiensten zeigte, welche Ansätze sich bewährt haben und wo die Umsetzung an Grenzen stösst. Entscheidend sind die individuelle fachliche Begleitung, ausreichende personelle Ressourcen und zugängliche Bildungsangebote.

Individuelle Begleitung als Erfolgsfaktor

So bewerten die Sozialdienste die Begleitung durch die WBO-Coaches als wichtigen Erfolgsfaktor. Die Coaches verbanden sozial- und bildungsfachliche Expertise und unterstützten die Entwicklung passender Strukturen und Abläufe.

Die Unterstützung reichte von der Sensibilisierung der Mitarbeitenden über Fragen zu Grundkompetenzen und Bildungswegen bis zur Zusammenarbeit mit Bildungsanbietern. Jeder Sozialdienst entwickelte ein Vorgehen, das seinen Voraussetzungen entsprach.

Unterschiedliche Wege zur Bildungsförderung

Die fünf Sozialdienste setzten unterschiedliche Schwerpunkte.

Im Oberwynental (AG) hat sich das Verständnis beruflicher Integration verändert. Bildung wird als Weg zu einer nachhaltigen Arbeitsmarktintegration verstanden und in der Fallführung berücksichtigt.

Frick (AG) stärkte die Vernetzung mit regionalen Bildungsanbietern und weiteren Akteuren. Kurze Kommunikationswege und Kenntnisse der Angebote erleichtern die Vermittlung in passende Bildungsangebote.

Winterthur (ZH) integrierte die Bildungsförderung systematisch in die Fallführung. Eine neu entwickelte Grundabklärung unterstützt die Erkennung und Bearbeitung von Bildungsbedarf. Mitarbeitende berichten von mehr Handlungssicherheit und schnelleren Entscheidungen. Die städtische «Bildungsstrategie für geringqualifizierte Personen» bietet dafür einen institutionellen Rahmen.

Begrenzte Ressourcen und fehlende Bildungsangebote

Die Erfahrungen zeigen die Grenzen der Bildungsförderung in Sozialdiensten. Diese können Bildungsbedarf erkennen und Klienten begleiten. Für die anschliessende Förderung braucht es zugängliche Bildungsangebote.

In Wil (SG) fehlen teilweise passende Angebote im Bereich Grundkompetenzen. Niederschwellige und mobile Lernangebote sind deshalb insbesondere für ländliche Regionen relevant. Im Kanton Aargau erleichtern Bildungsgutscheine den Zugang zu bestehenden Angeboten.

In Embrach (ZH) konnten Mitarbeitende für Bildungsförderung sensibilisiert werden. Für die Integration in die bestehenden Abläufe fehlten jedoch personelle Ressourcen. Zwei weitere Sozialdienste mussten ihre Teilnahme an der WBO aus Ressourcengründen abbrechen.

Die Erfahrungen verdeutlichen: Neue Instrumente und Prozesse reichen nicht aus. Bildungsförderung braucht personelle Kapazitäten, zugängliche Angebote und unterstützende Rahmenbedingungen.

Bildungsförderung nach Projektende

Mit dem Abschluss der WBO rückt die langfristige Verankerung der Bildungsförderung in den Vordergrund. Die Sozialdienste haben Abläufe, Instrumente und Kooperationen aufgebaut. Nun gilt es, diese im Arbeitsalltag zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Entscheidend ist, dass erkannter Bildungsbedarf zu konkreten Bildungsmöglichkeiten führt. Dafür müssen Sozialdienste und Bildungsanbieter zusammenarbeiten – auch über die Projektdauer hinaus.

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