Daphna Paz

«Wir versprachen uns eine Horizonterweiterung und einen Innovationsboost» 


Mit dem Programm «Netzwerk Europa» unterstützt der SVEB Organisationen der Weiterbildung dabei, internationale Kooperationsprojekte zu akquirieren und durchzuführen. Daphna Paz nahm mit der Institution Travail.Suisse Formation TSF am Programm teil. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen.  

Interview: Saambavi Poopalapillai  

Frau Paz, Travail.Suisse Formation TSF war bereits bei der ersten Programmrunde des «Netzwerk Europa» dabei. Wie kam es dazu? 
Der SVEB hat uns kontaktiert und eingeladen, an einem ersten Meeting teilzunehmen. Ich nahm die Einladung an und war rasch überzeugt von der Idee. Ich habe mich dann mit dem Vorstand und insbesondere mit dem Präsidium von Travail.Suisse Formation TSF abgesprochen und wir haben uns für das Programm «Netzwerk Europa» entschieden. 

Warum waren Sie so schnell überzeugt?  
Uns motivierte vor allem die Erfahrung des Austauschs. Wir wollen gemeinsam mit Projektpartnern aus Europa Ideen weiterspinnen, an denen wir auf nationalem Level bereits arbeiten. Wir beschäftigen uns stark mit den Themen soziale Inklusion und Chancengleichheit in der Weiterbildung. Wir versprachen uns von diesem Erfahrungsaustausch eine Horizonterweiterung und einen Innovationsboost für unsere Fachthemen. Zudem erschien es uns bereichernd zu sehen, welche Zugänge in anderen europäischen Ländern vorliegen. Dieser Blick über den Tellerrand und die entsprechenden Learnings fliessen direkt in unsere nationale Arbeit ein.  

Wie ging es danach weiter?  
Im Dezember 2022 fand dann der erste Workshop im Rahmen des Programms statt. Dabei behandelten wir das Thema «Netzwerkaufbau und -Pflege». Wir erhielten Tipps und Tricks für die Kontaktaufnahme mit verschiedenen Partnerinstitution in Europa und wie man effizient nach neuen Projekten suchen kann. 

Was konnten Sie umsetzten, was Sie im Workshop erarbeitet haben? 
Wir haben uns auf mehreren der genannten Plattformen umgeschaut und mit über zehn Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren Kontakt aufgenommen. Besonders hilfreich für uns war der Hinweis, nach bereits durchgeführten Projekten zu suchen, die zu unseren Themen passen und die jeweiligen Koordinationsverantwortlichen zu kontaktieren. Über diesen Weg konnten geeignete Partnerorganisationen identifiziert werden, welche allesamt recht positiv auf unsere Anfrage reagierten, zumal wir jedes Mal auch aufzeigten, inwiefern wir im jeweiligen Themenbereich bereits Erfahrungen gemacht haben.  

Sind daraus Projekte entstanden? 
Wir hatten zwei Anträge im Visier und waren im Gespräch für eine eventuelle dritte Kooperationspartnerschaft. Als im Laufe der Zeit neue Finanzierungsrichtlinien kommuniziert wurden, die schlechter waren als jene in den vorherigen Jahren (neu würden maximal 60% der budgetierten Kosten gedeckt), war das für uns eine grosse Motivationsbremse. Da die Kooperationsprojekte ohnehin nicht dazu da sind, Einnahmen zu generieren, waren wir konsterniert, dass sie nicht mal mehr annäherungsweise kostendeckend sein würden. Da wir die kontaktierten Partnerorganisationen bereits liebgewonnen hatten, fuhren wir mit den Projektanträgen weiter, entschieden aber, nicht noch weitere Partnerschaften anzustreben.  

Was haben Sie dann mit den zwei bereits gewonnen Projektideen gemacht? 
Das eine Projekt kam schlussendlich gar nicht zustande. Da wurden fast alle Details dem ganzen Kooperationsteam vorgelegt und diskutiert, was viel Zeit erforderte. Am Ende erwies es sich aus formellen Gründen als nicht durchführbar (auf Ebene der EU), so dass kein Antrag zustande kam. 

Somit haben Sie also nur noch eine Projektidee verfolgt? 
Genau, wir haben uns dann auf diesen einen Projektantrag fokussiert und diesen auch eingereicht. Das Projekt wurde glücklicherweise bewilligt und hat mittlerweile gestartet. Es heisst «Be inclusive!» und hat das Ziel, KMU mit Microlearning-Videos zu unterstützen, Menschen mit Behinderungen einzustellen und nachhaltig in ihrem Betrieb zu integrieren. 

Wie schauen Sie heute auf diese Projektakquise zurück? 
Ein Grossteil der kontaktierten Stellen waren überrascht darüber, dass Organisationen aus der Schweiz bei Erasmus+ Projekten überhaupt mitmachen können. Wir leisteten daher recht viel Sensibilisierungsarbeit diesbezüglich und erklärten wiederholt unsere Rolle als assoziierte Partnerorganisation. Sobald dies gelang, fragten fast alle danach, ob wir nicht eines der Projektmeetings in der Schweiz hosten könnten, am besten in den Bergen. Gemäss den Richtlinien ist das aber nicht möglich. So musste ich die Kooperationspartner leicht enttäuschen, durfte aber weiterhin Teil des Konsortiums bleiben (lacht).  

Sie gehen nun in die zweite Runde des Programms «Netzwerk Europa». Sie können mit dem Netzwerk, das Sie in der ersten Runde aufgebaut haben, weiterarbeiten. Was empfehlen Sie Institutionen, die sich derzeit noch überlegen am Programm «Netzwerk Europa» mitzumachen? 
Wir haben inzwischen grad mit dem bewilligten Projekt gestartet und am ersten Meeting vor Ort teilgenommen (November 2023). Es ist eine Freude, mit Projektpartnerinnen und -partnern  aus verschiedenen Ländern (in unserem Fall: Griechenland, Slowenien, Italien, Estland, Österreich und Deutschland) und mit diversen fachlichen Hintergründen zusammen zu arbeiten und daraus zu lernen. Es ist erbauend zu erleben, dass wir auf europäischem Boden mitwirken und uns einbringen können. Interessierten Weiterbildungsakteurinnen und -akteuren empfehle ich: Wenn Sie gezielt vorgehen, sich zuerst überlegen, für welche Anliegen Sie einstehen und wo Sie bereits Expertise auf nationalem Level haben, dann können Sie Ihre Ressourcen effizient einsetzen und Ihren Akquiseaufwand begrenzen.  

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