Was hat Erwachsenenbildung mit Resilienz zu tun?  


Die jährliche Konferenz des europäischen Verbands für Weiterbildung EAEA stand ganz im Zeichen der Resilienz. Marianne Müller, Senior Project Manager Internationales und Forschung beim SVEB, schildert, was sie aus Warschau mitgenommen hat. 

Text: Marianne Müller | im Bild: v.l. Bernhard Grämiger (Direktor SVEB), Lauri Tuomi (Präsident EAEA), Marianne Müller (Senior Projektleiterin
Internationales und Forschung SVEB)

Bernhard Grämiger und Marianne Müller haben am 9.6 und 10.6 das General Assembly und die jährliche Konferenz der European Association for the Education of Adults (EAEA) in Polen besucht. Der SVEB ist Gründungsmitglied des EAEA und aktuell im Executive Board vertreten.  
 
Das Thema der diesjährigen Konferenz lautete «Resilience and Community-Building» und widmete sich der Frage, wie die Erwachsenenbildung sowohl die individuelle Resilienz als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken kann. 

Resilienz als gemeinschaftliche Ressource

In einer Zeit, die von Unsicherheit, gesellschaftlicher Fragmentierung und raschem Wandel geprägt ist, gewinnt Resilienz in der Erwachsenenbildung zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um die individuelle Resilienz, sondern auch um Resilienz als gemeinschaftliche Ressource, die durch soziale Beziehungen und gegenseitige Unterstützung entsteht.
 
Die Konferenz zeigte auf, dass Erwachsenenbildung eine Brücke zwischen individueller und gemeinschaftlicher Resilienz schlagen kann, indem sie persönliche Entwicklung mit gesellschaftlicher Teilhabe verbindet – und Menschen dazu befähigt, sich nicht nur an Veränderungen anzupassen, sondern auch aktiv zur Gestaltung resilienter und solidarischer Gemeinschaften beizutragen. 

An der Konferenz haben mehr als 120 Weiterbildungsakteure aus ganz Europa über das Thema diskutiert. Die Weiterbildungsakteure agieren in unterschiedlichen Kontexten und sind mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, die Resilienz auf individueller, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene notwendig machen.

Wieder handlungsfähig werden

Besonders eindrücklich war beispielsweise der Bericht eines Weiterbildungsakteurs aus der Ukraine. Spannend war auch die Keynote von Prof. Alicja Gałązka, University of Silesia. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung unter anderem mit positiver Psychologie, Wohlbefinden, Achtsamkeit und Resilienz in Bildungskontexten.

Prof. Alicja Gałązka beschreibt Resilienz als die Fähigkeit, mit Belastungen, Stress und Krisen umzugehen und nach Rückschlägen wieder handlungsfähig zu werden – auch als «bouncing back» bezeichnet. Dabei hängt Resilienz mit Faktoren wie Problemlösefähigkeit, Kommunikation, Selbstwirksamkeit, positiven Beziehungen und einem Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben zusammen. Resilienz ist eine Fähigkeit, die entwickelt und gestärkt werden kann – auch im Erwachsenenalter.  

Und das verweist auch die Rolle der Erwachsenenbildung: Erwachsenenbildung soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen dabei unterstützen, mit Unsicherheit, Veränderungen und Herausforderungen konstruktiv umzugehen. Resilienz kann durch gezielte Bildungs- und Entwicklungsprozesse gefördert werden, wie beispielsweise durch Reflexion, erfahrungsorientiertes Lernen, soziale Lernformen sowie die Förderung von Kommunikations-, Konflikt- und Stressbewältigungskompetenzen. 

Persönlichkeits- und Gemeinschaftsbildung

Resilienz entsteht nicht nur im Kopf des Einzelnen. Sie entwickelt sich im Zusammenspiel von persönlichen Ressourcen und unterstützenden Umwelten. Deshalb reicht es nicht, Menschen lediglich zu sagen: «Sei resilient!» Bildungsinstitutionen, Arbeitsplätze und Gemeinschaften müssen Bedingungen schaffen, in denen Resilienz wachsen kann.  

Im Verlauf der Konferenz wurde klar, dass die Erwachsenenbildung in diesem Thema gefordert ist. Sowohl im Sinne einer Förderung der Resilienz, als in der Stärkung der Gesellschaft. Denn Resilienzbildung ist immer sowohl Persönlichkeitsbildung als auch Gemeinschaftsbildung. Und sie ist nötig, damit Individuen und Gemeinschaften für die Herausforderungen der aktuellen Zeit gewappnet sind.