Wie lässt sich lebenslanges Lernen erfassen?


Ein neuer OECD-Bericht schlägt ein umfassenderes Messmodell vor: Es soll Lernprozesse über die gesamte Lebensspanne und in unterschiedlichen Kontexten sichtbar machen – einschliesslich informellen und digitalen Lernens.

Die OECD sieht erhebliche Lücken bei der heutigen Erfassung des lebenslangen Lernens. Viele internationale Datensysteme konzentrieren sich auf bestimmte Altersgruppen sowie auf Bildungsabschlüsse und die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung. Lernprozesse über längere Zeiträume werden dagegen nur unzureichend verfolgt.

Der Bericht nennt vier zentrale Schwächen: Die Erfassung deckt nicht die gesamte Lebensspanne ab, Daten bilden häufig nur Momentaufnahmen statt längerfristiger Lernverläufe ab, die Wirkung von Lernen wird stark anhand von Arbeitsmarktergebnissen beurteilt und informelles Lernen wird unzureichend erfasst.

Damit bleiben beispielsweise Lernprozesse am Arbeitsplatz, in Familien und Gemeinschaften oder über digitale Angebote teilweise unsichtbar. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Wirkungen von Lernen – etwa gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheitskompetenz, sozialer Zusammenhalt und Wohlbefinden – in bestehenden Messsystemen nur begrenzt berücksichtigt.

Nachfrage, Angebot und Koordination

Als Grundlage für eine umfassendere Messung schlägt die OECD ein Modell mit drei miteinander verbundenen Bereichen vor: Nachfrage, Angebot und Koordination.

Die Nachfrage umfasst den Lern- und Kompetenzbedarf von Einzelpersonen, Organisationen und der Gesellschaft. Zum Angebot gehören neben dem formalen Bildungssystem unter anderem betriebliches Lernen, arbeitsmarktpolitische Programme sowie Lernmöglichkeiten in zivilgesellschaftlichen und lokalen Organisationen.

Der dritte Bereich betrifft die Koordination zwischen Bedarf und Angeboten. Dazu zählen beispielsweise politische Steuerungsinstrumente, Qualifikationsrahmen und Beratungsangebote, die Menschen dabei unterstützen, geeignete Lernwege zu finden.

Digitales und hybrides Lernen besser erfassen

Die OECD stellt auch die traditionelle Abgrenzung von formalem, non-formalem und informellem Lernen zur Diskussion. Digitale Angebote und hybride Lernformen würden diese Grenzen zunehmend verwischen.

Als Beispiele nennt der Bericht Micro-Credentials und plattformbasiertes Lernen. Das vorgeschlagene Modell betrachtet deshalb zusätzlich den Grad der Formalisierung und den Grad der Digitalisierung eines Lernangebots. Damit sollen auch Lernformen besser erfasst werden können, die sich nicht eindeutig den bisherigen Kategorien zuordnen lassen.

Bessere Daten für die Weiterbildungspolitik

Für die praktische Umsetzung sieht die OECD unter anderem weiterentwickelte Befragungen, die Verknüpfung von Daten über längere Zeiträume, die stärkere Nutzung administrativer Daten sowie Skills Passports und neue Analysemethoden vor.

Das Ziel sei nicht nur eine neue Statistik. Eine umfassendere Datengrundlage soll es politischen Entscheidungsträgern ermöglichen, besser zu verstehen, wo Lernmöglichkeiten fehlen, welche Bevölkerungsgruppen erreicht werden und wie Weiterbildungssysteme auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen reagieren.

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