Im Oktober 2026 nahm Marianne Müller, Senior Project Manager Internationales beim SVEB, an der Jahreskonferenz der American Association for Adult and Continuing Education (AAACE) in Chattanooga, Tennessee, teil. Der Besuch bot spannende Einblicke in die Erwachsenenbildung in den USA und zeigte, welche Herausforderungen und Zukunftsfragen die Weiterbildung dies- und jenseits des Atlantiks verbinden.
Bericht: Marianne Müller
Die American Association for Adult and Continuing Education (AAACE) ist der Dachverband für Erwachsenen- und Weiterbildung der USA. Er bringt Akteure aus der Bildungsforschung und -praxis zusammen und setzt sich für die Weiterentwicklung und Stärkung der Erwachsenenbildung in den USA ein. Die jährliche Konferenz bietet eine Plattform für den Austausch über aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und innovative Ansätze in der Erwachsenenbildung. Vom 6. bis 9. Oktober war ich zum ersten Mal dabei.
Globale Herausforderungen verbinden
Besonders spannend fand ich, wie viele Themen an der Konferenz diskutiert wurden, die uns auch in der Schweiz und in Europa beschäftigen. Dazu gehören insbesondere die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf das Lernen und Lehren, die Rolle der Erwachsenenbildung bei der Bewältigung der Klimakrise sowie die Bedeutung von Bildung im Kontext von Migration und gesellschaftlicher Integration.
Auch konkrete Lösungsansätze aus der Praxis wurden vorgestellt, beispielsweise KI-gestützte Tools, die geringqualifizierte Personen beim Bewerbungsprozess unterstützen oder durch individualisierte Lernangebote auf den Berufseinstieg vorbereiten. Solche Ansätze können auch für die Erwachsenenbildung in der Schweiz interessante Impulse liefern. Gleichzeitig stiess meine Präsentation zum GO-Modell – dem Modell zum arbeitsplatzorientierten Lernen des SVEB – an der Konferenz auf grosses Interesse.
Unterschiedliche Rahmenbedingungen
Einblick in die Strukturen des US-Weiterbildungssystems zu erhalten, war ebenfalls aufschlussreich: In den USA spielen Community Colleges, also öffentliche Hochschulen, und State Universities eine wichtige Rolle in der Weiterbildung. Die Konferenz hinterliess den Eindruck, dass die öffentlich geförderte Erwachsenenbildung dort stärker mit der Arbeitsmarktpolitik und der beruflichen Qualifizierung verknüpft ist als hierzulande.
Dennoch ist sie mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wie in vielen europäischen Ländern. Insbesondere der finanzielle Druck ist gross: Kürzungen öffentlicher Mittel und die damit verbundenen Unsicherheiten erschweren die langfristige Planung und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten. Gleichzeitig gibt es Herausforderungen, die mit der aktuellen politischen Situation in den USA zusammenhängen. So hatten einige Interessierte auf eine Teilnahme an der Konferenz verzichtet, weil sie Schwierigkeiten bei der Ein- oder Ausreise befürchteten. Mir hat das gezeigt, wie unmittelbar politische Rahmenbedingungen auch den internationalen fachlichen Austausch beeinflussen können.
Grosses Engagement und Offenheit
Besonders bereichernd waren für mich die zahlreichen persönlichen Begegnungen mit den Mitgliedern von AAACE und ich war beeindruckt vom grossen Engagement, mit dem sich viele von ihnen für ihren Verband einsetzen – häufig auch ehrenamtlich. Diese Begeisterung für die Erwachsenenbildung und die Offenheit gegenüber internationalen Perspektiven waren während der gesamten Konferenz spürbar.
Ebenso das Interesse an der Erwachsenenbildung in der Schweiz und in Europa. Mir wurde deutlich, wie viel wir voneinander lernen können – sowohl bei fachlichen Fragestellungen als auch bei der Frage, wie wir die Interessen der Erwachsenenbildung gegenüber Politik und Öffentlichkeit wirksam vertreten können.
Für mich war die Konferenz deshalb nicht nur eine Gelegenheit, neue Entwicklungen und Ansätze kennenzulernen, sondern auch, wertvolle Kontakte zu knüpfen und Möglichkeiten für eine längerfristige Zusammenarbeit auszuloten.
Transatlantischen Austausch weiterführen
Der Besuch hat mir einmal mehr gezeigt, welchen Mehrwert der internationale Austausch für die Erwachsenenbildung bietet – trotz unterschiedlicher Bildungssysteme und politischer Rahmenbedingungen.
Die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinaus erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern trägt auch dazu bei, die Erwachsenenbildung insgesamt zu stärken.

