Im Zentrum der gemeinsamen Forschungstagung von SVEB und PH Zürich stand die Frage: Wie kann Weiterbildung die Demokratie stärken? Der Nachmittag bot interessante Einblicke, unterhaltsame Ansätze und klare Appelle.
Fake News, mangelndes Vertrauen in die Politik, Newsdeprivation – es sind harte Zeiten für die Demokratie. Umso wichtiger ist es, sie zu stärken. Doch welchen Beitrag kann die Weiterbildung dazu leisten?
Schon war man in medias res an der Tagung «Demokratie durch Weiterbildung stärken – Perspektiven, Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten», gemeinsam veranstaltet von SVEB und der PH Zürich.
Demokratie ist kein stabiler Zustand
Und bereits stand Jana Trumann von der pädagogischen Hochschule Ludwigsburg am Rednerpult. Sie ging darauf ein, was überhaupt unter politischer Erwachsenenbildung verstanden werden kann. Und machte klar: Demokratie ist kein stabiler Zustand. Es brauche Mut, in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen sich trotz Widerständen einzubringen und zu beteiligen. Dass dafür niederschwellig sensibilisiert werden kann, zeigte sie im Beispiel einer Bäckerei, welche ihren Mitarbeitenden Workshops zu interkultureller Bildung anbot.
Neutralität kann nicht das Ziel sein
«Pluralität und Kontroversität als Qualität: Professionelle Handlungsstrategien in der Weiterbildung» lautete der Titel von Bernd Käpplingers Vortrag (Justus-Liebig-Universität Giessen). Er fragte sich: «Muss und kann Weiterbildung neutral sein?» und wies auch auf die Problematik des Begriffs hin. Sein Fazit: Demokratie bedeutet nicht Wertneutralität. Käpplinger ging auf für die Demokratie zentrale Konzepte ein wie Mässigungsgebot, Indoktrinationsverbot oder Kontroversitätsgebot. Letzteres besagt beispielsweise: Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
Demokratie lebt im Untergrund
Eine Initiative lancieren, wählen und abstimmen gehen, Diskurse führen, das eigene Verhalten reflektieren: Rolf Gollob, Experte für Demokratie- und Menschenrechtsbildung, ging in seiner Keynote darauf ein, wie wir als Einzelpersonen zu Demokratie beitragen. Aber es sind nicht nur diese offiziellen Handlungen, Gollob stellte fest: Demokratie findet auch im Untergrund statt. Und erörterte anhand des Referenzrahmen des Europarats, welche Werte, Haltungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen nötig sind für Demokratiekompetenz. Gollob sieht Demokratie als eine Art Toolbox für die Gesellschaft: «Demokratie liefert uns Werkzeuge, die es zu benutzen gilt.» Und sagte denn auch: «Guter Unterricht ist demokratiefördernd.»
Spielerisch Demokratie thematisieren
In den darauf folgenden Workshops wurden einige Aspekte vertieft.
Sabine Jenni zeigte in «Demokratie vermitteln mit Serious Games» spielerische Ansätze, sich der Demokratiebildung zu nähern. Zum Beispiel das Spiel «Observer», bei dem man anhand eines Bildes herausfinden muss, was passiert ist (und in einer Form mit Demokratie zu tun hat). Also eine Art Black Stories zur Demokratie. Der Workshop zeigte, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema auch unterhaltsam sein kann.
Aber auch in den Workshops «Demokratiekompetenzen in meinem (beruflichen) Alltag: Chancen, Grenzen und Umsetzungsoptionen hin zu einer gelebten Demokratie» (Rolf Gollob), «Partizipation als Schlüsselelement einer demokratischen Kultur» (Samir Boulos, Nadine Ritzer) und «Zwischen Integration und (politischer) Partizipation: Sprache als Bildungsdimension» (Mi-Cha Flubacher) wurde gelacht und aktiv mitgemacht.
Die abschliessende Paneldiskussion machte Mut, sich zu beteiligen. Die Appelle an die Anwesenden zum Schluss lauteten denn auch: «Betreibt politische Bildung mit Charme und Courage!», «mischt euch ein!» und «hört einander zu!»
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