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Weiterbildungsbeteiligung liegt in vielen Ländern unter 5 Prozent

  • 05.12.2019

Der vierte UNESCO-Report «GRALE IV» zur Erwachsenenbildung hat die Weiterbildungsbeteiligung in 159 Ländern erhoben. Die Bilanz ist teilweise ernüchternd.

(RS) Der Zugang zu Bildung hat für Erwachsene durchwegs positive Effekte: Gesundheit, Beschäftigung und soziale Teilhabe werden gefördert. Dies war eine der Kernaussagen des dritten UNESCO-Berichts «Global Report on Adult Learning and Education GRALE», der 2016 veröffentlicht wurde. Nun liegt der vierte GRALE vor. Er widmet sich der Teilnahme an Weiterbildung und spiegelt ein ernüchterndes Bild der Entwicklung in den 159 Ländern, die sich am Report beteiligt haben. Zu diesen Ländern gehört auch die Schweiz.

Gemäss dem Bericht hätten in fast einem Drittel der Länder weniger als fünf Prozent der Erwachsenen ab 15 Jahren an Bildungs- und Lernprogrammen teilgenommen. Diese Zahl trübt die positiven Resultate aus immerhin 57 Prozent der Länder, die einen Anstieg der allgemeinen Teilnahmequote zwischen 2015 und 2018 verzeichnen konnten.

Die meisten Zuwächse bei der Erwachsenenbildung und der Bildungsbeteiligung gab es gemäss dem Bericht in Afrika südlich der Sahara (72% der Befragten), gefolgt von der arabischen Region (67%), Lateinamerika und der Karibik (60%) sowie Asien und dem Pazifik (49%). Nordamerika und Westeuropa verzeichneten die geringsten Zuwächse (38%), allerdings ausgehend von höheren Niveaus.

Anhaltende Ungleichheit

Das heisst aber noch lange nicht, dass die Weiterbildung alle Personen einer Bevölkerung erfasst. Der Bericht stellt eine anhaltende und tiefe Ungleichheiten bei der Beteiligung fest; wichtige Zielgruppen wie Erwachsene mit Behinderungen, ältere Erwachsene, Minderheiten sowie Erwachsene, die in konfliktbelasteten Ländern leben, würden nicht erreicht.

Immerhin konnte die Beteiligung von Frauen in 59 Prozent der Meldeländer seit 2015 gesteigert werden. Denn haben Mädchen und Frauen in einigen Teilen der Welt noch immer keinen ausreichenden Zugang zur Bildung, insbesondere zur Berufsausbildung. Die Autorinnen und Autoren von GRALE fordern deshalb eine weitere Verbesserung der Beteiligung von Frauen an Weiterbildung. Auch die Qualität der Weiterbildungen müsse sich trotz positiven Entwicklungen noch weiter verbessern.

Kleine Budgets für Weiterbildung

Weiterhin nehme Erwachsenenbildung in den Länderbudgets einen äusserst geringen Platz ein, moniert der Bericht. Die im letzten GRALE vorgeschlagene Erhöhung der Finanzierung von Erwachsenenbildung hat nicht stattgefunden. Von der Unterfinanzierung betroffen sind namentlich sozial benachteiligte Erwachsene. Fehlende Finanzmittel würden aber auch die Umsetzung neuer Strategien und effiziente Governance-Praktiken behindern.

Der vom UNESCO-Institut für lebenslanges Lernen veröffentlichte Bericht überwacht, inwieweit die UNESCO-Mitgliedstaaten ihre internationalen Verpflichtungen in der Erwachsenenbildung im Rahmen der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in die Praxis umsetzen. 

Download Executive Summary GRALE IV (engl.)

Download Bericht GRALE IV (engl.)

Frauen in Weiterbildung
Insgesamt hat sich die Beteiligungsquote von Frauen in der Weiterbildung verbessert. Aber es gibt noch immer viel zu tun. (Bild: Pixabay)