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Erfahrungen aus der Praxis mit der neuen Norm eduQua:2021

  • 24.03.2021

In den letzten beiden Jahren wurde intensiv an der Revision von eduQua gearbeitet. M.E.S. Gestion hatte sich als einer von fünf Anbietern im Bildungsbereich bereit erklärt, die neue Norm eduQua:2021 im Rahmen eines Pilotversuchs zu testen. Die stellvertretende Direktorin und Ausbildnerin bei M.E.S. Gestion Sàrl in Neuenburg, Frau Saloua El Chimi, teilte ihre Eindrücke mit uns.

Wie haben Sie das Pilot-Audit erlebt?
Es war eine sehr gute Erfahrung. Wir wurden gut begleitet und erhielten Unterstützung, um diese neue Norm zu verstehen und die wichtigsten Unterschiede zur Vorgängerversion 2012 auszumachen. Ich möchte betonen, dass die Dokumente, wie die Qualitäts-Norm und das Reglement Zertifizierungsverfahren, umfassend und genau sind.

Worin liegt für Sie als Bildungsanbieter der Unterschied im Vergleich zur Vorgängerversion eduQua 2012?
Wir konnten zwei wesentliche Unterschiede feststellen. Zunächst der Aufbau: Die Prinzipien sind klarer strukturiert, und die entsprechenden Kriterien sind ihnen jeweils zugeordnet, wodurch es für den Anbieter einfacher wird, seine Argumentation aufzubauen und die Konformität mit den Anforderungen nachzuweisen. Im Vergleich dazu war eduQua:2012 komplizierter: So hatten wir manchmal Schwierigkeiten zu erkennen, ob ein Argument eher diesem oder jenem Kriterium zuzuordnen war.

Der zweite Unterschied besteht in den neuen Kriterien, die nun umfassender sind. Sie beziehen sich auf das gesamte Ökosystem des Unternehmens oder der Bildungseinrichtung. Bei M.E.S. Gestion praktizieren wir einen modernen und flexiblen Ansatz in Bezug auf Management und Qualitätsmanagement. Die aktuelle Norm ist in ihrem Ansatz sehr modern und entspricht absolut der Marktrealität im Bildungs- und Unternehmensführungssektor.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Stärken der neuen Norm hinsichtlich der praktischen Umsetzung? Wo sehen Sie Schwächen oder Verbesserungsmöglichkeiten?
Es ist nun einfacher, die Ziele, die zu erreichen sind, festzulegen. Für die Institutionen bedeutet das ein ernsthaftes Hinterfragen und gründliches Arbeiten. Und dann beziehen sich die Prinzipien und Kriterien auf die gesamte Institution, was viel Gestaltungsfreiheit bei der Umsetzung der Qualitätskriterien entsprechend den internen Abläufen lässt.

Andererseits kann das Tool zur Selbstevaluierung auch als Steuerungstool zur kontinuierlichen Verbesserung sowie zur Schaffung eines umfassenden Managementsystems dienen.

Schwächen oder tatsächlichen Verbesserungsbedarf konnten wir nicht feststellen. So wie sie konzipiert ist, passt sich die Norm tatsächlich an jeden Typ von Institut an und garantiert eine hohe Qualität der Angebote.

Seit einem Jahr zwingt die Corona-Pandemie Weiterbildungsanbieter dazu, ihre Angebote hauptsächlich digital zu gestalten. Hat das die Art der Qualitätsanforderungen in Ihrer Institution geändert?
Unser Unternehmen hat sich rasch dazu entschlossen, sein Bildungsangebot zu digitalisieren. Ich würde sagen, das fiel uns nicht allzu schwer, da wir innerhalb unseres Unternehmens bereits eine digitale Kultur etabliert hatten und gewohnt waren, digitale Tools flexibel einzusetzen.

Ausgangspunkt für die Erstellung unserer Angebote entsprechend den Zielsetzungen der jeweiligen Ausbildung war immer die Qualität. Bei manchen Ausbildungen bieten wir zuvor aufgenommene Unterrichtseinheiten, gefolgt von praktischen Übungen und Live-Sessions an, während bei anderen zunächst Live-Unterricht erfolgt und dann praktische Übungen und anschliessend Einzelbesprechungen durchgeführt werden.

Da der Qualität in unserer Institution immer schon ein zentraler Platz eingeräumt wurde, würde ich nicht sagen, dass sich unsere Qualitätsanforderungen geändert haben, sondern wir sie eher an die neuen Kanäle angepasst haben.

Wurden neue Fragen aufgeworfen?
Bei der Eigenverantwortung der Teilnehmenden sowie deren Konzentrationsfähigkeit über einen vorgegebenen Ausbildungszeitraum hindurch ergeben sich meiner Ansicht nach einige Fragen. Andererseits steht uns eine Vielzahl an digitalen Tools zur Verfügung, und in der Erwachsenenbildung haben wir viel Spielraum für Kreativität hinsichtlich der Lehrmethoden und Lerntechniken.

Inwiefern eignet sich die neue Norm für die Weiterbildung in digitalen Umgebungen?
Diese neue Norm hat einen sehr ganzheitlichen und offenen Ansatz, was die Erreichung der Qualitätsanforderungen betrifft. Meiner Ansicht nach geht sie voll und ganz auf die Entwicklung der Umgebung im Bereich der Weiterbildung und, wie bereits erwähnt, auf eine flexible Form der Unternehmensführung ein.

Ihr Bildungsangebot umfasst mehrere Kurse sowie eine kaufmännische Ausbildung für Arbeitssuchende. Worin besteht Ihrer Ansicht nach die grösste Herausforderung im Bereich der Qualitätssicherung?
Für uns besteht die Herausforderung darin, das Qualitätsniveau der Institution und ihrer Angebote zu sichern, vor allem da wir derzeit drei sehr unterschiedliche Leistungen anbieten. Übrigens sind wir gerade dabei, eine vierte zu entwickeln, die aufgrund ihres Bildungsmodells (Digitalizers) noch anspruchsvoller ist.

Inwiefern kann die überarbeitete eduQua-Norm in diesem Bereich Unterstützung bieten?
Insofern, als die neue Norm uns viel Freiraum beim Einsatz der Mittel zur Erreichung der Qualitätserfordernisse lässt. Sie bietet einen übergeordneten Rahmen mit einem deutlichen Schwerpunkt auf die Institution und deren Qualitätsmanagement in Bezug auf die Angebote. Die Norm ist somit perfekt auf unsere speziellen Angebote abgestimmt.

M.E.S. Gestion ist ein Weiterbildungsanbieter mittlerer Grösse mit Sitz im Kanton Neuenburg. Inwiefern sind die neuen eduQua-Kriterien betreffend Kontext, Risikomanagement sowie Datenschutz und -sicherheit für Ihre Organisation und Ihre Managementpraktiken von Bedeutung? (Kriterien A1, A5 und A6 für das Prinzip A, Führung)
Diese Kriterien sind wesentlich, um die allgemeine Qualität der Institution sicherzustellen. Wir führen übrigens eine Risikoanalyse in unseren früheren Zertifizierungen durch. Die Tatsache, dass wir diese integriert haben, ist meines Erachtens äusserst wichtig. Das ermöglicht ein Hinterfragen der Führung der Institution sowie eine Begleitung von aussen bei der Implementierung geeigneter Lösungen.

Konkreter: Die Sicherheit und der Schutz der Daten sind ein hochaktuelles Thema, und mit einer digitalen Präsenz noch mehr. Die Zielsetzungen genau festlegen zu können, ist für unsere Institution ein deutlicher Vorteil.

Haben wir ein Thema ausser Acht gelassen, das Ihnen wichtig erscheint? Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Mir scheint, die wesentlichen Punkte wurden angesprochen. Vielen Dank für dieses Interview. Wir sind sehr stolz, dass wir an diesem Pilotprojekt im Rahmen der neuen Norm eduQua:2021 teilnehmen durften. Diese Norm bietet meiner Ansicht nach jeder Bildungseinrichtung einen greifbaren realen Mehrwert.


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